vonJakob Hein 24.09.2013

Reptilienfonds

Heiko Werning und Jakob Hein über das tägliche Fressen und Gefressenwerden in den Wüsten, Sümpfen und Dschungeln dieser Welt.

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Fußgängerin_Rucksack
Frau M. hatte noch Platz für die Grünen auf ihrer Reise.

Viele erinnern sich falsch daran, wie die Prinzessin eigentlich mit dem Froschkönig verfährt: Sie küsst ihn nicht etwa zum Prinzen, sie wirft ihn an die Wand. Diese Art von Ritterschlag ist es doch in etwa, die CDU und CSU im Moment im Angebot haben. Nachdem Frau Merkel die SPD zu einer Partei gemacht hat, die um zweistellige Ergebnisse kämpfen muss und die FDP zur APO, sucht sie nun wieder einen Dummen, der die Lippen für ihren Todeskuss zu spitzen bereit ist. Warum muss eine Koalition sein? In Deutschland herrschen ohnehin die viel beschworenen „stabilen Verhältnisse“, insbesondere aus konservativer Sicht. CDU, CSU, FDP und AfD haben zusammen die absolute Mehrzahl der Wählerstimmen, knapp hätte es beinahe sogar für die Union allein im Bundestag gereicht. Warum sollte irgendeine Partei sich dafür hergeben, von Mdme Merkel erdrückt zu werden? Die FDP hat in der aus Eisen geschmiedeten Koalition noch nicht einmal etwas zur NSA formulieren oder zu Mollath sagen können, obwohl das doch klar liberale Themen gewesen wären. Was sollte irgendeine der zwei in Frage kommenden Parteien in einer solchen Koalition suchen außer dem politischen Selbstmord?

In einer „Minderheitenregierung“, der in Wahrheit doch nur drei Stimmen fehlen, wären alle Parteien viel mehr gehalten, ihre politischen Farben zu bekennen.  Sowohl die Union als auch die SPD hätten gute Chancen, ihre politischen Vorstellungen offen und unverblümt in den parlamentarischen Prozess einzubringen und sich dann Mehrheiten dafür zu beschaffen. Das ist doch bei den großen politischen Entscheidungen der letzten zwanzig Jahre ohnehin immer der Fall gewesen. Da die SPD derzeit zudem im Bundesrat die Mehrheit hat, wäre ihre Stimme dabei von großem Gewicht.

Ebenfalls von vielen vergessen: Am Ende des „Froschkönigs“, als alles vorbei ist, fährt das junge Königspaar mit dem alten Kutscher Heinrich herum. Als es laut kracht, ruft der Prinz: „Heinrich, der Wagen bricht!“ Doch der Kutscher kann ihn beruhigen: Das Geräusch kommt nur vom Zerspringen der Ketten, die Heinrich um sein Herz gelegt hatte, als der Prinz zum Frosch verzaubert war.

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