vonJakob Hein 24.09.2013

Reptilienfonds

Heiko Werning und Jakob Hein über das tägliche Fressen und Gefressenwerden in den Wüsten, Sümpfen und Dschungeln dieser Welt.

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Nach der deutschlandweiten Ausstrahlung der Darbietung des Liedes „An Tagen wie diesen“ durch die Führung der CDU mit einer besonders traumatischen eindrucksvollen Gesangsdarbietung des stellvertretenden Sparkassendirektors Vorsitzenden der CDU-Bundestagsfraktion und der Reha-Übung Tanzeinlage der Bundeskanzlerin haben die „Toten Hosen“ nun Klage gegen die Bundes-CDU eingereicht.

„Es ist für uns in dieser Stunde schwer genug einzugestehen, dass wir die Urheber dieses Liedes sind“, erklärte der Sprecher und Sänger der Band Twix Raider auf einer Pressekonferenz. „Aber da dieser Umstand nicht mehr geheim zu halten war, verlangen wir nun von der CDU Schadensersatz für das Ende unserer wirtschaftlichen Existenzgrundlage.

Wir haben jahrelang davon gelebt, einerseits neue deutsche Volkslieder für CDU-Wählerinnen und Wähler zu machen und andererseits die Behauptung vor uns her zu tragen, wir seien ‚Punker‘. Dadurch fühlte sich die Generation 40+, die unsere Konzerte immer sehr gern besuchte, jung und flippig. Uns ist bewusst, dass unser Publikum und sein Verhalten teilweise haargenau den Filmaufnahmen aus dem Adenauer-Haus vom Wahlsonntag gleichen. Aber dabei wollen wir älteren Menschen doch gern andere Bilder vor unserem geistigen Auge sehen dürfen.

Die Bilder vom Sonntag einer zu unserer Musik tanzenden und schunkelnden CDU-Führung haben unser Image als ‚Punker-Combo‘ nachhaltig und dauerhaft beschädigt. Niemand wird uns das mehr abnehmen. Unser Verkauf von Tonträgern, Konzertkarten und Heizdecken mit unserem Logo ist seit Montag vollkommen zusammengebrochen. Und die Märkte erwarten keine Erholung. Wir fordern daher eine Entschädigung im zweitstelligen Millionenbereich.“

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https://blogs.taz.de/reptilienfonds/2013/09/24/schadensersatz-in-millionenhohe-die-toten-hosen-verklagen-cdu/

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kommentare

  • Blicke jetzt grad nicht mehr, ob diese Klage ein Scherz der TAZ ist oder der scherzhafte Artikel eine in der Realität verankerte Basis hat.

    Dass die Leute eben dies anscheinend nicht klar haben, sagt übrigens viel über die Hosen aus, aber nur wenig über die Leute. Andi Frege alias Campino ist so eitel, dass er garantiert auch hier alles liest, von daher wird die Message ankommen. Und selbstkritisch waren die Hosen immer. Auch wenn das Ganze ein Fake war, hat es vielleicht was genützt.

  • Was soll die Aufregung? Die Toten Hosen sind eine Stadien-Rockband, und gleichzusetzen mit Scorpions, Marius Müller Westernhagen und Tokio Hotel!
    Also sollte man sich auch nicht wundern, wenn man dann von Leuten gespielt/gehört/nachgesungen wird, die in der Regel so was konsumieren.
    Die Hosen sind schon lange keine PUNKS mehr. Auf jedenfall die Band nicht mehr. Was die Musiker Privat machen, ist da schon wieder was anderes… Das ganze gilt übrigens auch für die Ärzte…

  • erbauungshymnen für eine orientierungslose jugend ohne tiefgang oder die nachgeburt des (CD)p(U)nk aus dem geist des spiessbürgertums im wahn der wahl-euphorie
    die ganze thematik plus reaktionen und kommentaren ist einfach der knaller!!! endlich mal schlagzeilen, die (für manche)ohne bösen beigeschmack dem puren dem puren nonsens frei gegeben werden!
    anfangs musste ich nur schmunzeln.
    …- denn wer alles so zu den HOSEN schunkelt, ist für mich spätestens seit dem ich-sauf-mich-bis-in-die-notaufnahme-JÄGERMEISTER-song schon geklärt.
    ein ganz fettes dankeschön geht an den KLEBRIGEN KNALLBONBON im kommentar zuvor!!
    ich habe wirklich tränen gelacht! was für klasse umschreibungen,..da wäre frau schon fast interessiert zu erfahren, was für ein schalk-im-nacken-tragender mensch hinter derartig- schon philosophisch anmutendem wortwitz steckt!… 😉

  • Ihren Kommentar hier eingebenEs ist wirklich absolut faszinierend, andererseits aber auch beängstigend, dass es tatsächlich Leute gibt, die so einen offensichtlich humoristischen Beitrag eins zu eins lesen und offenbar nicht das geringste Ironieverständnis haben. Oder ihr iPhone ins Wasser schmeißen. Oder, oder. Wahnsinn! Wundern braucht man sich dann allerdings über gar nichts mehr.

  • Es ist wirklich absolut faszinierend, andererseits aber auch beängstigend, dass es tatsächlich Leute gibt, die so einen offensichtlich humoristischen Beitrag eins zu eins lesen und offenbar nicht das geringste Ironieverständnis haben. Oder ihr iPhone ins Wasser schmeißen. Oder, oder. Wahnsinn! Wundern braucht man sich dann allerdings über gar nichts mehr.

  • diesen artikel nimmt doch nicht wirklich irgend jemand fuer ernst!! Erstens heisst der mann campino und zweitens ist „Aber da dieser Umstand nicht mehr geheim zu halten war, verlangen wir nun von der CDU Schadensersatz für das Ende unserer wirtschaftlichen Existenzgrundlage.“ jawohl ein absoluter scherz. Wenn jkp wegen der gesangseinlage pleite gehen wuerde…..
    aber schon lustig, dass es leute gibt, die das nicht als scherz verstehen. ob der artikel nun wirklich lustig ist oder nicht, ist na sagen wir mal, geschmackssache..

  • Naja, eigentlich ein Armutszeugnis für die Hosen, wenn sie jetzt schon CDU-kompatibel geworden sind. So wie einst die Stones. Den Dead Kennedys oder The Exploited wäre das nicht passiert. Aber seien wir mal ehrlich: Richtig radikale Punks waren die Hosen nie. Genau wie die Ärzte: Immer eine Spur zu harmlos.

  • Tja, da wünsche ich den Hosen viel Glück. Schon scheiße, wenn man Mitglied der GEMA ist und somit jeder, der einen entsprechenden Betrag an die GEMA zahlt, deren Lieder nutzen und öffentlich abspielen darf. Erfolg haben werden die Hosen sicherlich nicht. Hoffe ich zumindest nicht. Selbst schuld.

  • das Hosenbashing hat durchaus seine berechtigung. kein mensch hat die Hosen gezwungen bei der GEMA mit zu machen. das jetzt als unfairen missbrauch hinzustellen ist von den Hosen einfach nur armselig – beim kohle scheffeln, waren sie bisher auch nicht so weinerlich. so viel zum thema „Punk“ und „DIY“!

  • Das Problem sind doch die Lieder an sich. Deshalb ist die Klage am Schluss auch ein Stück weit ein Armutszeugnis – würde ein Typ von der CDU im Ernst auch nur in Erwägung ziehen, einen Song der Ärzte oder eine Komposition der Einstürzenden Neubauten auf der Wahlparty spielen zu lassen?

    Mal ehrlich: so richtig Substanz hatten die Hosen noch nie! Die Texte sind mit pseudokritischer Emphase zusammengemurkst, bleiben aber dem rein pubertären Protest-gegen-alles-Impuls so zuverlässig verhaftet, wie seit eh und je. Hier gibt es keine zu beschreibende Entwicklung, demzufolge fehlt ein Spannungsbogen, und natürlich fehlt die abgeklärte ironische Distanz etwa der ollen Stones auch. Das, was den Punk eigentlich ausmachte, das Unmittelbare, hat ja eine Kehrseite, und die ist, dass du heute nicht einfach den gleichen Schmand noch mal auflegen kannst, den du vorgestern schon gemacht hattest. Hier ist an sich „no Future“ als Motto angesagt, will man die künstlerische Relevanz behalten. Und deshalb ist das, was bei den Hosen früher mal wirklich witzig gewesen ist, heutzutage so werbetauglich wie Mike Krüger.

    Die Musik funzt allerdings noch, und die Hosen sind ein Live-Act erster Güte. Wenn konsequent auf Experimente verzichtet wird, ist es auch auf und vor der Bühne nicht so sehr ein Problem. Da werden auch weiterhin kaum CDU-Verdächtige auftauchen. Und es fällt weniger auf, als wie wenn man das Ding alleine hört. Allerdings ist „Der Ballast der Republik“ eine derartig armselige Studiohervorbringung, dass man froh drum sein sollte, dass die CDU der Welt dies einmal aufgezeigt hat.

    Leute wie Campino sollten sich mal alte Säcke wie Lou Reed reinziehen, der zum Beispiel vor der Lebertransplantation noch schnell ne Platte mit Metallica gemacht hat. Und dann drüber nachdenken, dass sie selbst grade eben mal um die Fünfzig sind. Angie hatte euch was mitzuteilen. Sperrt euch nicht dagegen. Ihr habt genug Kohle. Fahrt mal meditieren. Aber lange und gründlich.

  • Sind wir nicht alle nach vielen Wegen und Umwegen im Spießeralltag angekommen? Campino macht demnächst Medleys mit Olaf und tritt im Stadl auf. Für Geld tun die Toten Hosen doch alles. Punk? Das war vorgestern.
    Lasst euch von der Musikindustrie nicht verarschen. Macht selber Musik.

  • Die toten Hosen sind immerhin noch so viel Punk, dass sie ihre Vermarktung komplett in eigenen Händen haben, sei es Booking, Label oder Merch. Mehr DIY geht nicht. Das muss ihnen schon zugestehen, auch wenn die Musik vielleicht nicht mehr dem Punkerimage entspricht.

  • Also, Toten Hosen Bashing feiert ja momentan eine gewisse Konjunktur. Das ist auch gar nicht schlimm, schließlich haben die Hosen 2012 und 13, auch dank „Tage wie diese“ Preise über Preise abgesahnt. Insofern ein unterhaltsamer Beitrag. Und es stimmt. „Tage wie diese“ ist kein Punk-Lied und ein Toten Hosen singender Kauder ist wohl nicht das, was man sich als Hosen Fan – oder anders: als Mensch ohne (bereits eingetretenen) Hörsturz wünschen – mag. Eines vergisst man aber bei der ganzen Sache: Das „Image als „Punker-Combo““ haben die Hosen schon lange nicht mehr. Sie sind alle um die 50, zählen zu den erfolreichsten Bands dieses Landes und machen nun zu ihrem 30 jährigen (!) Jubiläum auch etwas ruhigere Musik. Was dagegen? Dann einfach nicht die Hosen hören :). Wer übrigens Punk lastigere Musik hören möchte, der/die möge doch einfach die alten Hosen CDs, jüngere Bands oder auch die zum neuen Album beigefügte Jubiläums CD „Die Geister, die wir riefen“ von den Hosen hören 🙂 So viel Werbung darf hier mal sein. Grandiose CD einer großen Band, die immer noch rocken kann. Und ganz ehrlich: Dass „Tage wie diese“ bei Dauerbeschallung nervt, hat selbst Campino zugegeben. Ein schönes Jubiläumslied ist es dennoch.

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