vonJakob Hein 15.02.2014

Reptilienfonds

Heiko Werning und Jakob Hein über das tägliche Fressen und Gefressenwerden in den Wüsten, Sümpfen und Dschungeln dieser Welt.

Mehr über diesen Blog

In Russland ist seit 1905  2013 die Propaganda von Homosexualität verboten. Sinn des Gesetzes ist es, Kinder vor Homosexualität zu schützen. Denn wenn diese von Homosexualität erfahren, könnten sie sich gewissermaßen mit diesem Gedankengut anstecken und selbst zu Schwulen oder Lesben werden. Besonders dramatisch ist die Lage offensichtlich in der westlichsten Region Russlands, dem Bezirk Kaliningrad. Hier ist die Propaganda von Homosexualität, Bisexualität und Pädophilie auch für Volljährige verboten. Vermutlich ist hier durch die große Nähe zum Westen die Gefahr auch für erwachsene Menschen noch vorhanden, sich im späten Lebensalter mit einer Homosexualität zu infizieren.

So ist es nach dem Gesetz verboten, Transparente oder Anstecker mit dem Spruch „Schwulsein ist normal“ äußerlich erkennbar zu tragen. Doch internationale Organisationen zum Schutz vor Homosexualität warnen nun die russischen Behörden. Diese übersehen häufig typische homosexuelle Propagandaformen, wodurch weiterhin die Gefahr besteht, dass Kinder und Jugendliche schwul werden könnten. Das Zusammentragen aller Informationen über typische Erkennungszeichen von Homosexualität weltweit soll nun die russischen Behörden dabei unterstützen, homosexuelle Propaganda überall erkennen und bekämpfen zu können. Dies soll nun eine Datenbank im Internet bewerkstelligen, in der interessierte Nutzer aus aller Welt ihre Hinweise eingeben können. Zahlreiche neue Hinweise haben sich schon ergeben:

Das enge Übereinanderschlagen der Beine im Sitzen ist beispielsweise ein typisches Zeichen für Homosexualität bei Männern, während das breitbeinige Dasitzen typisch für nicht-Schwule ist. Das Tragen einer Handtasche ist in jedem Fall typisch schwul, außer bei Frauen. Rote, rosa oder lila Kleidung und das Tragen von Schmuck ist typisch für Schwule, insbesondere wohl bei Socken. Das laszive Bewegen der Hüften zu afro-amerikanischen Rhythmen ist eindeutig schwul. Das positive Wahrnehmen von Einrichtungsgegenständen wie Geschirr, Gardinen oder Möbeln ist stark hinweisend auf homosexuelle Propaganda. Schminken, zumal in der Öffentlichkeit ist auf jeden Fall schwul. Zurschaustellen von Penissymbolen ist bestimmt schwul. Ein Interesse für Pferde und Mehlspeisen ist schwul, hingegen Interesse für Fußball und Ringen nicht. So genannte „Doktorspiele“ zwischen Männern: klar schwul.

Ein einzelner Ohrring links ist ein typisches Propagandasignal für Schwule, wobei unklar ist, ob es darum geht, dass der Ohrring für den Betrachter auf der linken Seite oder vom Träger auf der linken Seite sein muss. Ebenso unklar ist auch, ob dies nur für die nördliche Hemisphäre gilt und sich auf der Südhalbkugel umdreht oder wie es sich in Ländern mit linken Gesellschaftssystemen verhält, wo ja „links“ normal ist. Dies soll eine groß angelegte Untersuchung der russischen Akademie der Wissenschaften herausfinden. Dabei spielt besonders auch eine Rolle, auf welcher Seite der Hose der Penis vom Mann getragen wird und in welcher Beziehung dies zur Rechts- bzw. Linkshändigkeit steht.

Noch in der Planungsphase befindet sich ein Gesetz zum Verbot der Linkshändigkeits-Propaganda. Wie die Magnitogorsker Fraktion der Regierungspartei „Einiges Russland“ erläuterte, die den Antrag einbringen will, erleiden jährlich in Russland Tausende von Menschen schlimme Schäden, weil sie die meist für Rechtshänder gebauten Geräte und Vorrichtungen nicht sachgerecht bedienen können. Daher will man der Linkshändigkeit in Russland nun entschlossener entgegentreten. Mit einem „Gesetz zum Verbot der Propaganda von Linkshändigkeit, Sodomie und Völkermord“ soll es verboten werden, öffentlich für die Linkshändigkeit zu werben.

Erwartbar traten westliche Linkshändigkeits-Aktivisten auf den Plan, die einerseits Sinistralität für etwas völlig Normales halten und andererseits die Verbindung von Linkshändigkeit mit Sodomie und Völkermord selbst für propagandistisch halten, so wie die Verbindung von Pädophilie mit Homosexualität in den bestehenden russischen Gesetzen. Doch Valentin Rukow vom Verein „Rechte Hand Russland“ erklärte, dass die russische Förderation das legitime Recht habe, die Propaganda von allem zu verbieten, was nicht der russischen Leitkultur entspräche.

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/reptilienfonds/2014/02/15/verbesserter-schutz-vor-homosexueller-propaganda-einrichtung-einer-internationalen-datenbank-geplant/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • geht ein bisschen in richtung: „goebbels sah ganz schön jüdisch aus, besonders mit seinem hinkebein“. find ich nicht so prall.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.