vonJakob Hein 26.02.2014

Reptilienfonds

Heiko Werning und Jakob Hein über das tägliche Fressen und Gefressenwerden in den Wüsten, Sümpfen und Dschungeln dieser Welt.

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Lieber Unbekannter,

Sie sind „Schriftsteller und Verleger“ und meines Wissens sind Sie schwul. Normalerweise würde mich besonders Letzteres weniger interessieren als die Ergebnisse der C-Jugend-Mannschaft des Penkuner SV Rot-Weiß, aber bei Ihnen ist das ein bisschen anders. Denn Sie sind der schwule Freund von Matthias Matussek. Der berühmte beste Freund aus dem einerseits Klischee gewordenen, andererseits bis heute immer wieder gehörten Satz: „Einige meiner besten Freunde sind Juden|Schwule|Neger.“

Warum erwähnt Sie der stolze Homophobe Matussek in einem seiner Artikel? Nun, weil Sie nicht so tun, als seien Sie normal, sondern sich sogar offen zum nach Matusseks Meinung zentralen Defizit der Homosexualität bekennen: der Kinderlosigkeit. Um dieses Defizit auszugleichen, will nun der Staat „bedürftige ‚Eltern‘ mit Kindern zu versorgen – um Gleichheit herzustellen, wo es keine geben kann.“ Sie, schwuler Freund von Matussek hätten ihn bei der Gelegenheit sogar darauf hingewiesen, dass die Feministinnen ob dessen gar nicht aufschreien würden (obwohl sie dies Ihrer Meinung nach vermutlich sonst immer tun).

Na gut, sagt Matussek, in unserer Spaßkultur würden ja einige auf das Kinderkriegen verzichten und statt dessen nur so herumrammeln, aber „Heteros können sich noch für Nachwuchs entscheiden, Schwule prinzipiell nicht. Wenn wir also einen offenkundigen Fehler der Natur sehen, warum tun wir dann so, als sei er keiner?“ Und da, lieber schwuler Freund von Matthias Matussek, habe ich mich gefragt, ob die Diskussion an diesem „Nachmittag“ nicht irgendwie für Sie zumindest emotional in eine andere Richtung gelaufen ist. Haben Sie sich nicht ein bisschen angegriffen gefühlt, als Herr M. Sie als „offenkundigen Fehler der Natur“ bezeichnete?

Um es noch genauer zu sagen: „Homosexuelle sind wie alle anderen Menschen, bis auf den Mangel, keine Kinder bekommen zu können.“ Also, als Ihr Freund Matthias zu Ihnen sagten, Sie seien „wie alle anderen Menschen“, hatten Sie da nicht Lust, ihm auch mal ihre ganz normalen Emotionen spüren zu lassen?

Ihre Homosexualität bezeichnet Herr Matussek im Übrigen als einen „fehlgeleiteten Trieb“ und er fragt sich, warum man so tun solle, als ob dieser normal sei. Seine Empfehlung für Schwule ist es, sich an Thomas Mann zu orientieren, der vermutlich in unserer heutigen Spaßkultur mit „einem jungen Lover zusammengezogen“ wäre, diesem fehlgeleiteten Trieb aber widerstand und durch innere Festigkeit sechs Kinder gezeugt hat. Was für ein Glück, denn sonst wäre „Golo Mann nicht geboren“ und „vielleicht der Zauberberg nie geschrieben“ worden, wie er ausführt.

Um es zusammenzufassen, lieber schwuler Freund von Matthias Matussek: Warum sind Sie mit dem befreundet? Jemand, der homosexuelle Eltern in Anführungsstriche setzt, weil sie ihre Kinder nicht durch rechtmäßigen Vollzug einer Ehe gezeugt haben. Jemand, der Sie als Menschen zweiter Klasse mit fehlgeleiteten Trieben sieht, als Produkt einer irrgeleiteten Spaßkultur. Ist Teil Ihrer Sexualität auch noch eine ausgeprägte Neigung zum Masochismus?

Oder, schwuler Freund von Matthias Matussek, ist es eigentlich so, dass es Sie gar nicht gibt? Dass Sie eine Erfindung des Autors sind? Eine offen schwul lebender Erzkonservativer, der zwar homosexuell lebt, aber darunter leidet, dadurch von einem Teil der Gesellschaft abgelehnt zu werden, an den er sich so gern herangewanzt hätte. Einer, der seine Homosexualität vorher jahrelang unterdrückte und noch verzweifelt Kinder zeugte, sein unterdrücktes Schwulsein in Literatur zu sublimieren suchte. Sie, Unbekannter erinnern uns verdammt an einen ehemaligen „Journalisten“ vom Spiegel. Sie kommen uns geradezu vor wie sein echtes alter ego, jemand, der endlich mal rauskommen müsste, um ein bisschen frische Luft hier draußen zu atmen.

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https://blogs.taz.de/reptilienfonds/2014/02/26/offener-brief-an-den-schwulen-freund-von-matthias-matussek/

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kommentare

  • Thomas Mann, […Kürzung Reptilienfonds…] zu erwähnen, wie passend. Vererbte der doch seine Homosexualität an drei seiner Kinder weiter. Ekelhaft. Wie eine Lilo Wanders ekelhaft ist, der mit einer adipösen Frau verheiratet ist, drei Kinder oder wie viel auch immer zeugte und nebenbei mit einem Kerl zusammenlebt. Einfach nur ekelhaft. Was soll aus diesen Kindern werden, wenn die Alten schon nicht normal sind.
    Homosexuelle und so manch Andere haben keine Kinder zu bekommen. Kann ich leider niemandem vorschreiben, ist aber meine Meinung.

    In der Fernsehserie: „The New Normal“ gab es diesen Spruch: „Homosexualität ist die ultimative Geburtenkontrolle“. Aber DER Schwule und DIE Lesbe halten sich nicht daran, sondern eignen sich teilweise massenhaft Kinder an, auf welchen Wegen auch immer.

    Bei den „Simpsons“ hieß es: „Kinder sind die Strafe für unsere Sexualität“.
    Nicht jeder Depp muss Kinder in die Welt setzen, doch sind es oftmals die Deppen, die Linken, die Ungebildeten und die Psychopathen (wie man gerade bei den Nazis aus Meck.Pomm. hörte, dass das 7. Kind kam), die so viele Kinder bekommen, wie keiner sonst mit Hirn.

    Bekämpft lieber die Kinderschänder, als Euch über Homos zu mokieren. Es gibt Wichtigeres im Leben, als die normale Sexualität anderer. Kinderschänder haben keine normale Sexualität, aber die ehelichen ja auch zu ihrem Schutz und zur Tarnung, wenn sie nicht gerade solche ehelosen Schwuchteln sind wie die Typen in der SPD. Aber wir wollen die Kirche im Dorf lassen, in allen Parteien sitzen die schwulen Pädos und auch sog. heterosexuelle Frauen mögen Kinder ganz gerne, nur glauben ja die Dümmsten nicht mal, dass es Kinderschändung überhaupt gibt und dann schon gar nicht von „Frauen“ ausgeübt, dabei sind die Weiber die Schlimmsten.

    Typisch Deutschland, die Wahrheit war hier noch nie beliebt. Lieber verbreiten Linke und andere Dumme ihre Lügen und lenken von sich selbst ab.

  • Der größte Widerspruch in dieser ganzen Geschichte ist doch, dass einer wie Matussek tatsächlich Freunde hat. Also Menschen denen er persönlich wichtig ist. Gut, so gesehen hat er einen. Aber er selbst zählt da ja nicht. Wobei … Wenn er tatsächlich der einzige seiner Freunde ist, und ihn ein schwuler Freund darauf hingewiesen hat. Dann wäre ja Matussek ein „Fehler der Natur“.
    Hat der das wirklich so gemeint?

  • @erikius: Ihre Argumentation beruht auf der Grundannahme, dass Homosexualität eine Überzeugung, ein Lebensstil ist, für den man sich entscheidet. Wobei das im Widerspruch zu Herrn Matusseks Befund stünde, dass Schwulsein ein „Fehler der Natur“ ist, denn dann wäre es ja ein Fehler des einzelnen Menschen.
    Ich könnte mir schwer vorstellen, als tauber Mensch (um ein weiteres Matussek-Beispiel aufzugreifen) mit jemandem befreundet zu sein, der mein Taubsein als „Fehler der Natur“ ansieht. Das hat mit Weltanschauung nichts zu tun und durch eine lange, fruchtbare Diskussion könnte ich mich nicht gegen den tauben lifestyle entscheiden. Ich könnte auch keine Argumente der Surditaphoben teilweise berücksichtigen, weil ich ja weiterhin taub bin.
    Das ist schon ein Unterschied zu Ihrem Rick Warren – Zitat.

  • Our culture has accepted two huge lies. The first is that if you disagree with someone’s lifestyle, you must fear them or hate them. The second is that to love someone means you agree with everything they believe or do. Both are nonsense. You don’t have to compromise convictions to be compassionate.

    Der Freund von Herrn Matussek hat diese Lügen nicht akzeptiert – das ist die Antwort, warum er immer noch sein Freund sein kann. Freundschaft kann Differenzen aushalten und ist nicht auf ein Freund/Feind Schema beschränkt.
    Ehepaare können Freund haben, die die Ehe als überholt ansehen; Schwule können Freunde haben, die gegen Homoehe sind; Christen, Muslime, Atheisten können Freundehaben, gegenteilige Weltanschauungen haben.

    Man kann es sich aber auch einfach machen und einen Menschen nur eine Frage stellen und dann entscheiden, ob man ihn lieben oder hassen möchte.

  • @Klaus Peter Schmidt: Vielen Dank für den Hinweis, den Sie aber leider falsch adressiert haben: Unwichtige Texte zum Thema Homosexualität verfasst Herr Matussek, der im Übrigen auch Anhänger des Papstes ist und sich insofern vermutlich von Ihrer Anmerkung vollumfänglich überzeugen lässt.

  • @Thomas Elias: +1. Was „natürlich“ ist, können diese Herren nicht beurteilen, ein Blick ins Tierreich wäre da belehrend und die Denke Sex = Fortpflanzung auch ist bei nicht-menschlichen Spezies einfach falsch.

    @OP u. a.: Den Begriff „Phobie“ für Homo-, Trans- oder sonstigen Hass sollte man übrigens zu vermeiden versuchen, weil eine Phobie eine psychische Krankheit ist, Feindlichkeit gegenüber Menschen, die irgendwie „anders“ sind als die 99% aber nicht. Und durch die Verwendung dieses Begriffs, werden Menschen, die von einer Phobie betroffen sind mit Menschen, die nur dumme und verachtungswürdige Ansichten haben auch eine Ebene gestellt. Just saying …

  • alle wirklich wichtigen fragen, die menschliche würde und sexualität betreffen, hat schon längst uns papst johannes paul beantwortet, es bleibt also nur sie zu lesen und sich überzeugen lassen.

    alles andere wäre zu diesem thema völlig überflüssig.

  • ..Ich selber schwul und seit 14j in festen Händen.. werde verklemmt noch prüde…finde den Artikel lesenswert und gut.
    Kann zwar die Argumente der „Hetzer“ nicht nachvollziehen, aber deren rationale Motivation.
    Von Aussen betrachtet ist die schwule Szene leider nur ein Haufen laut kreischender rosa Wattebällchen werfender „Tunten“. Die schwulen Medien, soweit man diese so nennen kann, bestehen zu 95% nur aus sich selbst feiernden Blättchen, die vom 2jährigen Kneipenjubiläum und den neuesten Stylingtipps bestehen. Politische Themen sind nur Randerscheinungen und werden gerne auch mal ignoriert, von Recherche ganz zu schweigen. Eine solche „Community“ wird nicht ernst genommen und bietet sich als gutes Opfer selbst an.
    Nur ein Beispiel: Wo ist die Berichterstattung über bundesweite Razzien in schwulen Saunen und Anwälten wg Steuerhinterziehung. Jetzt hat sich er Finanzminister NRW persönlich geg. dieses völlig überzogene Verhalten entschuldigt… aber klar.. diese neue CD von Madonna.. ist schon wichtiger.. da muss man ja nix machen ausser den Pressetext kopieren…. schade schade…. wer sich billig verkauft darf sich nicht wundern das er auch nur billig abgespeist wird !

  • So was Gutes zu dem ganzen verquasten konservativen Gequatsche über Homosexualität und „Natürlichkeit“ habe ich schon lange nicht mehr gelesen.
    Gut entlarvt, das ganze Gerede vom „guten, schwulen Freund.“
    Weiter so!

  • Interessant ist, dass es immer so Wesen wie Sarrazin oder Matussek sind, die bei Homosexualität die Widernatürlichkeit entdecken.

    Da gibt sich nun die Menschheit seit der bewussten Nutzung des Feuers alle Mühe, der Natur zu entrinnen: Die Dunkelheit wird beleuchtet, die Kälte beheizt und die Hitze gekühlt, es wird genmanipuliert und geflogen, aber da wo es gerade passt, wird nach der Natürlichkeit gerufen?

    Und selbst in der Natur ficken vieleTiere kreuz und quer durch die Geschlechter und manchmal sogar über die Gattungen hinaus.

    Wenn den Sarrazins und Matusseks so nach Natürlichkeit ist, warum furzen oder masturbieren sie nicht einmal, wenn die Natur danach schreit, z.B. im Fahrstuhl oder während einer Talkrunde???

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