vonJakob Hein 04.08.2014

Reptilienfonds

Heiko Werning und Jakob Hein über das tägliche Fressen und Gefressenwerden in den Wüsten, Sümpfen und Dschungeln dieser Welt.

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Erst war ich überzeugt, nur einen Rechtschreibfehler auf einem Werbeplakat dokumentiert zu haben. Bestimmt sollte es „New Water Sortiment“ heißen, dachte ich, und im Rahmen eines Übertragungsfehlers (Scannen, Tippfehler) war dann „Near Water“ daraus geworden. Aber nein: Tatsächlich gibt es schon seit vielen Jahren solche Produkte, die im Grunde genommen eine typisch profitorientierte Kombination aus Wasser und Brause darstellen: Der Inhalt besteht praktisch ausschließlich aus Wasser, aber der Geschmack wird von Geschmacks- und Süßstoffen bestimmt und der Preis orientiert sich natürlich an Brause – fertig ist das „Near Water“.

Die Kombination bedeutet im englischsprachigen Raum nichts anderes als „nahe am Wasser“, so wie „handy“ dort ja auch nur „geschickt“ heißt. Wenn man eine solche Flasche in der Hand hält, soll man sich dann nahe am Wasser in einem Urlaubs-Sinne fühlen oder im Sinne einer tränenseligen Person? Mich erinnerte die Konstruktion sehr stark an Deuteriumoxid, das ja als „heavy water“ bezeichnet wird. Aber ob man das in Flaschen verkaufen wird?

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https://blogs.taz.de/reptilienfonds/2014/08/04/sinnlose-produkte-vii-near-water/

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kommentare

  • Prima, schönen Dank für die Replik und auch für den Hinweis auf den Link hinter dem Link. Die Links auf taz.de klicke/drücke ich so gut wie gar nicht an. Ausnahmen sind, wenn ich das verlinkte für sehr glaubwürdig halte – das tue ich bei der Zeitschrift Stern nicht, das Boulevard-Medium mag ich außerdem einfach nicht. Oder wenn besonders Tolles verlinkt wird, wie bei dem Blogbeitrag vor Monaten zu der von vielen mittels Bildbearbeitung veränderten Aussage eines Fotos zweier Mitglieder der Jungen Union vor dem Flüchtlingscamp am Oranienplatz: super klasse Link. Auf Wiederlesen.

  • @Franzi Bauer: Vielen Dank für den Kommentar, eine interessante Frage. Die Werbung setzt heute doch sehr viel auf subkutane Effekte, dass heißt, man soll über das betreffende Produkt nicht nachdenken, sondern es nur aufgrund von Emotionen kaufen. Denkt man bewusst über das Produkt nach, dann führt das rasch zu einem veränderten Konsumverhalten. Mir geht es so bei Fleischprodukten, die ich bedenkenlos konsumiert habe, bis ich bewusst darüber nachgedacht habe. Unbewusst soll man zur „guten Butter“ oder zum „klaren Quellwasser“ greifen und nicht informiert Alternativen kaufen.
    Insofern denke ich nicht, dass solche Kommentare Schleichwerbung sind, was aber wieder klar ist, da ich ja keine Werbung für diese Produkte machen möchte. Im Übrigen habe ich die Bewertung der Verbraucherzentrale über den Stern-Artikel verlinkt.
    Beste Grüße.

  • Ist die Frage nicht: Jetzt bitte an keinen rosaroten Elefanten im Porzellanhaus denken?

    Selbst wenn das hier beschriebene Produkt einen blöden Namen trägt, über den man sich zurecht lustigmachen kann. Die Rezension gefällt mir wenig (das Wenige: ich finde sie wie viele Beiträge von dem Autor unterhaltsam). Denn sie ist meiner Meinung nach Schleichwerbung! Von der taz, die bei Schleichwerbung anderswo ihre Krallen rausholt.

    Jetzt könnte das Argument kommen, dass der Autor ja keinesweg Vorzüge des behandelten Produkts herausstellt, sondern eben dessen Mängel. Ja stimmt, würde ich darauf antworten. Nur, das fände ich naiv.

    Sind es nicht solche kuriosen, einprägsamen Geschichten, die Produkte in das Bewusstsein von Menschen bringen? Ob die positiv oder negativ sind, ist nachrangig, wenn es dabei nicht um den Kernnutzen des Produktes geht. Sprich, zum Beispiel bei dem beschriebenen Produkt abgefülltes Wasser Bleivergiftung, Keime oder ähnlich.

    Die Werbewirkung ist auch der Grund, warum ich die Artikelserie Werbepause in der taz nicht lese. Als einigermaßen erfahrener Konsument möchte ich den Nutzen von Produkten für mein Leben möglichst realistisch bewerten. Sie sollen mir beim Leben nutzen und mich nicht mit netten Images zumüllen, die meine Ansprüche an Produkte unnötig erhöhen und mich an anderer Stelle zum Beispiel am Geldsparen für soziale Einrichtungen wie Bahnhofsmissionen abhalten.

    Das realistische Bewerten geht dann doch besser über Testergebnisse von Verbraucherzentralen, durch Ausprobieren, aufmerksames Vergleichen, die Stiftung Warentest und andere sachliche Produktbewertungen. Unterbewusstes Einprägen von neuen Produkten über Schleichwerbung ist unvernünftig.

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