vonJakob Hein 11.08.2014

Reptilienfonds

Heiko Werning und Jakob Hein über das tägliche Fressen und Gefressenwerden in den Wüsten, Sümpfen und Dschungeln dieser Welt.

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„Warum komme ich nicht vernünftig zur Arbeit?“, fragt uns anklagend der mittelalte Mann im Arbeitsanzug. Was soll man da sagen? Vielleicht ist die Arbeit nicht die richtige, macht ihn geradezu wahnsinnig. Vielleicht ist er einer der vielen arbeitenden Armen im Land, die sich den Rücken krumm schuften für 4,50 Euro die Stunde. Wie sollte man da vernünftig zur Arbeit kommen. Vielleicht ist er aber auch ein Hitzkopf, ein cholerischer Wüter, der zwar nicht vernünftig zur Arbeit kommt, aber auch nicht vernünftig nach Hause oder auf die Toilette kommt. Die „Arbeit“wäre mithin nur eine Teilmenge der vielen Orte des Universums, zu der er nicht vernünftig kommt. Vielleicht war er nie vernünftig, wie kann er da ausgerechnet von seiner Arbeit erwarten, dass er dort vernünftig ankommt? Das ist so wie das „Es gibt keine dummen Fragen“-Paradox. Was geschieht dann mit dummen Menschen, in dem Moment, in dem sie eine Frage stellen?

Und überhaupt: Was ist mit dem christlichen Wert Familie? Warum beschwert sich der Mann im roten Overall nicht darüber, dass er nicht vernünftig nach Hause kommt? Hat er da einen besseren Weg, dann wäre der Tipp, doch diesen auch auf dem Weg zur Arbeit zu benutzen.

Kant sieht  die Vernunft als über dem Verstand stehendes Erkenntnisprinzip. Vielleicht kann man in diesem Sinne gar nicht vernünftig zu den meisten Arbeitsplätzen kommen. Vielleicht aber auch hätte dieses Prinzip die Brandenburger CDU dazu bewegen können, einen besseren Spruch auf ihr Wahlplakat drucken zu lassen.

Vernünftig zur Arbeit

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https://blogs.taz.de/reptilienfonds/2014/08/11/problematische-wahlkampfplakate-xiv/

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kommentare

  • Brandenburg.
    Besser. Machen.
    Wo ist der Punkt hinter der CDU?

    Da bin ich dann aber auch dafür, dass es für die Straßen unter Rot-Rot (die meisten befinden sich eh unter Blau oder Grau, je nach Wetterlage) 50% weniger Geld gibt. Das teilen sich dann stattdessen der Ausbau des ÖPNV und der arme kleine Mann (in Rot-Rot), dann kann er sich ein Buch kaufen und im Bus auf dem Weg zur Arbeit lesen. Vielleicht nützt das ja der Vernunft.

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