vontazlab 12.04.2014

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Von Axel Pietras

„Wir bekommen eine Stagnation der japanischen Art. Aber den Europäern fehlt die Geduld der Japaner.“

Martin Hellwig, Volkswirt und Direktor am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeingütern gibt diese düstere Prognose der europäischen Entwicklung in den nächsten zehn Jahren ab. Das Auditorium ist voll besetzt, als Sahra Wagenknecht, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Bundestag, mit dem grünen Europaabgeordneten Sven Giegold und dem Volkswirt Martin Hellwig über die Zukunft des Euro diskutiert. Moderatorin Ulrike Herrmann will wissen ob es richtig war, die Banken zu retten. Die Positionen sind klar: Sahra Wagenknecht lehnt dies als unsozial und falsch ab und stellt den Euro in seiner derzeitigen Konstruktion ganz infrage.

„Die Linke bedient antieuropäische Positionen“ sagt Sven Giegold und differenziert, dass die Rettung nicht richtig aber notwendig war. „Das weltweite Finanzsystem wäre zusammengebrochen und hätte Europa mit in den Abgrund gerissen.“ Für Martin Hellwig läuft die Diskussion etwas undifferenziert. Er will die einzelnen Akteure in der ihnen zukommenden Verantwortung sehen: „Marktwirtschaft heißt Haftung. Ich muss für alle Konsequenzen einstehen.“ Daher wären aus seiner Sicht Direkthilfen besser gewesen, allerdings bei voller Haftung. Sahra Wagenknecht drückt es kämpferischer aus: „Finanzstabilität ist ein öffentliches Gut. Diejenigen, die dieses Gut zur Erpressung der Allgemeinheit missbraucht haben, müssen sich verantworten.“ Applaus im Publikum.

In der Frage nach der Zukunft des Euro sind sich Giegold und Hellwig im wesentlichen einig, dass es im Moment keine vernünftige Alternative gibt. „Das heißt weiter durchwuschteln bis man in stabilere Verhältnisse kommt“ fasst Ulrike Herrmann zusammen. Für Sahra Wagenknecht kann eine gemeinsame Währung nur ohne Dumpingwettbewerb bei Löhnen und mit einem regulierten Arbeitsmarkt funktionieren. „Die Agenda 2010 war der vehementeste Anschlag auf den Euro. Ich will kein Europa der Dumpinglöhne.“ Deshalb plädiert sie für die Möglichkeit, dass einzelne Länder den Euro verlassen können, damit die Möglichkeit besteht, sich dem ruinösen Wettbewerb durch Währungsabwertung zu entziehen. Dem widersprach Giegold, indem er die Gefahr von Kapitalflucht und Chaos vor Augen führte.

Welche Schlüsse sollen aus den Krisen seit 2008 gezogen werden? Für Sahra Wagenknecht stellt sich die Frage von Armut und Reichtum. Sie ist sich mit Martin Hellwig darüber einig, dass die zunehmende Verschuldung von Staat, Banken und Privaten die eigentliche Gefahr darstellt. Sie geht aber noch weiter und wird grundsätzlich: „Schuldenwachstum und Vermögenswachstum gehören zusammen. Aus der Vermögensblase muss die Luft raus. Die Vermögen der Reichen sind explodiert während die mittleren Schichten enteignet werden. Deshalb sind Vermögenssteuer oder Schuldenschnitte sinnvoll, bei denen die oberen ein Prozent der Vermögen gezielt zur Kasse gebeten werden.“

Foto: Wolfgang Borrs

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https://blogs.taz.de/tazlab/2014/04/12/eurokrise-gefahrlicher-alptraum/

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kommentare

  • Sachlich/ inhaltlich hat Wagenknecht Recht. Die Position Giegolds ist nicht hinnehmbar, jedoch logisch, denn sie fügt sich in den allgemeinen Opportunismus insbesondere der Grünen gegenüber den Verhältnissen -letztlich alles „alternativlos“ bis vielleicht auf ein paar kleine Korrekturen. Die Grünen sind zur neu-FDP verkommen.

    Die Täter der „Bankenkrise“ werden mit allgemeinen Phrasen geschont, es ist unerträglich:
    Kapitalflucht, Chaos (Angstmache).
    Einige Banken hätten in die kontrollierte Insolvenz geschickt und das zuständige Personal strafrechtlich verfolgt werden werden müssen. Die kriminellen Elemente in Wirtschaft und Politik werden keinem Risiko ausgesetzt. Der Rechtsstaat ist längst kollabiert.

    Giegold will kein grundsätzlich anderes System, er stellt die Kapitalfreiheitsideologie der EU gar nicht in Frage. Er will da auch gar nicht ran, er ist ein Opportunist.

  • Sahra Wagenknecht’s Position trifft es wohl.

    Das universum ist seit seiner Enststehung alternativlos. Genauso wie die Quantenphysik. Abe ne Mutti und Hausfrau hat ja von Physik und dem https://de.wikipedia.org/wiki/Einstein-Podolsky-Rosen-Paradoxon noch niemals nix nirgendwo gehört.

    „Studium in Leipzig (1973–1978)

    Kasner hatte sich bereits während ihrer Schulzeit für das Studium der Physik an der damaligen Karl-Marx-Universität entschieden und begann 1973 ihr Studium in Leipzig. Sie gehörte nicht zu den opponierenden Kräften innerhalb der DDR, berichtet aber, in diesen Jahren den Autor Reiner Kunze getroffen zu haben, den sie als ihren Lieblingsschriftsteller bezeichnet.

    Während ihres Physikstudiums in Leipzig lernte sie 1974 bei einem Jugendaustausch mit Physikstudenten in Moskau und Leningrad ihren ersten Mann, den aus dem thüringischen Cossengrün stammenden Physikstudenten Ulrich Merkel, kennen.[5] Am 3. September 1977 wurden die beiden in Templin kirchlich getraut.

    Merkels Diplomarbeit aus dem Juni 1978 mit dem Titel Der Einfluß der räumlichen Korrelation auf die Reaktionsgeschwindigkeit bei bimolekularen Elementarreaktionen in dichten Medien[6] wurde mit „sehr gut“ bewertet. Die Arbeit war gleichzeitig auch ein Beitrag zum Forschungsthema Statistische und Chemische Physik von Systemen der Isotopen- und Strahlenforschung im Bereich statistische und physikalische Chemie am Zentralinstitut für Isotopen- und Strahlenforschung der Akademie der Wissenschaften der DDR (AdW).[7]
    Arbeit an der Akademie der Wissenschaften der DDR (1978–1989)

    Nachdem 1978 eine Bewerbung an der Technischen Hochschule Ilmenau gescheitert war, ging Merkel mit ihrem Mann nach Ost-Berlin. Hier nahm sie eine Stelle am Zentralinstitut für physikalische Chemie (ZIPC) der Akademie der Wissenschaften der DDR in Berlin-Adlershof an.[7] 1981 trennte sie sich von Ulrich Merkel. Die kinderlose Ehe wurde 1982 in Ost-Berlin geschieden. An der Akademie lernte Merkel 1984 ihren jetzigen Ehemann, den Quantenchemiker Joachim Sauer, kennen, den sie 1998 heiratete. 1986 konnte sie für mehrere Tage in die Bundesrepublik reisen.

    Am Zentralinstitut arbeiteten rund 650 Personen, davon etwa 350 Wissenschaftler. Merkel arbeitete in der Abteilung Theoretische Chemie.

    Am 8. Januar 1986 reichte sie ihre Dissertation Untersuchung des Mechanismus von Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch und Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten auf der Grundlage quantenchemischer und statistischer Methoden ein.[8] Die Arbeit wurde mit „sehr gut“ (magna cum laude) bewertet.[9][10] Nach der damaligen Promotionsordnung musste dem Antrag auf Promotion der Nachweis beigefügt werden, dass die während des Studiums erworbenen Kenntnisse des Marxismus-Leninismus („ML“) wesentlich vertieft und erweitert worden waren.[11] Merkel fertigte zum Nachweis eine schriftliche Arbeit mit dem Titel „Was ist sozialistische Lebensweise?“[12] an, die mit „genügend“ (rite) bewertet wurde.[9][13] Doktorvater war der Leiter der Abteilung Theoretische Chemie am ZIPC Lutz Zülicke. Nach der Promotion zum Doktor der Naturwissenschaften (Dr. rer. nat.) wechselte Merkel innerhalb des Instituts in den Bereich Analytische Chemie, in dem Klaus Ulbricht ihr Abteilungsleiter wurde.

    Merkel war weder Mitglied der SED noch einer der Blockparteien. Sie war nicht in der zivilen oder der kirchlichen Opposition aktiv. Sie engagierte sich während ihrer Tätigkeit an der Akademie der Wissenschaften in ihrer FDJ-Gruppe. Nach eigenen Angaben war Merkel dort als Kulturreferentin tätig. Quellen, die der Merkel-Biograf Gerd Langguth befragt hat, sprachen davon, sie sei für „Agitation und Propaganda“ zuständig gewesen.[14]“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Angela_Merkel

    So und nun zensiert das bitte, im Interesse der „nationalen“ Kanzlerinnen-Sicherheit. Modell-Monsantoman ist ja Staatsminister 🙂

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/04/11/geschaeftsmodell-cybercrime-auch-mittelstaendische-unternehmen-sind-gefaehrdet/

    Die zensieren auch schon 😉 „Gesamtsystem“

    Guten Abend 😉

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