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vontazlab 12.04.2014

taz lab

Gedanken, Ideen, Eindrücke, Berichte – das taz lab Blog ist die kleine Version der großen 24h-Denkfabrik der taz.

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Von Adam Zapert

Was lässt sich gegen die Homofeindlichkeit in Osteuropa tun? Oder kann nichtheterosexuelles Lieben & Leben nur in Westeuropa zu Hause sein? Diese Fragen diskutieren die Journalistin aus Rumänien, Corina Bernic, der Historiker, Klaus Müller, der Kulturwissenschaftler aus Polen, Tomasz Kitlinski, die Mitbegründerin des russischen Quarteera e. V. , Zlata Bossina, sowie die Verlegerin, Gudrun Fertig. Moderiert wird die Runde vom Leiter des taz.lab, Jan Feddersen.

Was kann der Westen tun, um die Toleranz gegenüber nicht heterosexuellen Lebensweisen im Osten Europas zu unterstützen? Wie können die Aktivisten dort helfen? Zlata Bossina glaubt nicht mehr an die strikte Trennung zwischen Ost und Westeuropa. Diese sei recht fiktiv, schließlich gebe es auch in Deutschland russische Minderheiten, die Putins Propaganda lesen und gegenüber Homosexuellen intolerant seien.

In Russland selbst hat sich die Lage nicht nur für Schwule und Lesben in den letzten Jahren dramatisch verschlechtert. Das Gesetz gegen Versammlungsfreiheit betrifft längst nicht mehr nur sexuelle Minderheiten. Dort geht es nicht um Gay Prides, um ausgelassenes Feiern, sondern um Grundrechte, um das bloße Überleben, um Kampf und Revolution.

Kein Wunder also, dass innerhalb der Community viel von Emigrieren die Rede ist. Viele Russen wandern aus ideologischen Gründen aus. Im selbstgewählten Exil nehmen sie die oftmals menschenunwürdigen Zuständen in Kauf, so Bossina.

In Polen habe sich die Lage von LGBT Menschen in den letzten zehn Jahren deutlich verbessert. Breit angelegte Kampagnen gegen Homophobie, das Engagement von Künstlern und Aktivisten tragen Früchte. Dennoch könne man noch nicht von einer toleranten Gesellschaft sprechen.

Immer noch spürbar sind Xenophobie, eine Abneigung gegenüber Gender-Themen und fehlende Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben, berichtet Tomasz Kitlinski. Soziale Ungerechtigkeiten verstärken zusätzlich die aggressive Stimmung und schaffen neue Phobien. Dennoch sei die Lage besser als in Bulgarien, Rumänien oder Ungarn.

In Rumänien müssen Demos von LGBT Menschen noch immer von der Polizei geschützt werden. Zu groß ist die Gefahr und Gewaltbereitschaft, die von rechten Gruppieren ausgeht, die meist zur gleichen Zeit  aufmarschieren, berichtet die rumänische Journalistin, Corinna Bernic.

Wirkliche Fortschritte sind schwer auszumachen. Zwei schwule Romane, die vor kurzem in Rumänien erschienen, hätten sich zwar gut verkauft, ein LGBT Filmfestival konnte jedoch nicht stattfinden, weil die Ausstrahung der Filme von einer Gruppe Rechter unterbrochen wurde.

Über das Thema Homosexualität werde in Rumänien meist nicht offen gesprochen. Eher ist es ein Thama, welches man im Westen akzeptiert, aber nicht im eigenen Land. Bis die Diktatur der Mehrheit einer toleranten Haltung weiche, müsse noch viel Zeit vergehen.

Asyl in der EU?

Seitdem verfolgte Schwule und Lesben in der EU Asyl beantragen können, sind LGBT Organisationen auch mit der Flüchtlingsthematik konfrontiert. Oft sind sie mit dieser überfordert, denn noch fehlt es ihnen an entsprechenden Erfahrungen. Es herrschte breiter Konsens unter den Referenten, dass das was wirklich hilft, LGBT Gruppen im Osten zu unterstützen, eine breite Vernetzung der Organisationen ist, souveränes Auftreten und zivilgesellschaftliches Engagement.

Schwule und Lesben sollen sichtbar bleiben. Ebenso ist eine dauerhafte Präsenz in den Medien wichtig, sowie nachhaltige Unterstützung, nicht nur bei Großveranstaltungen, sondern auch danach, damit Betroffene mit ihren täglichen Problemen nicht alleine gelassen werden.

Schwieriger sei die Lage, in den Ländern, in denen Schwule und Lesben staatlich verfolgt werden, wie es in Russland und Uganda der Fall sei. Dort müsse man abwarten, bis die Zivilgesellschaft an Macht gewinne und international Druck ausübe, erklärt der Klaus Müller.

Darüber, ob in 10 Jahren alle Referenten in ihren Ländern frei von Repressalien unter den Farben des Regenbogens das gleiche Lied von der neu gewonnen Freiheit werden singen können, herrschte keine einheitliche Meinung. Zu schlecht ist die Situation von LGBT Menschen in zu vielen Ländern. Selbst in Deutschland hat man in Sachen Gleichberechtigung noch nicht alles erreicht.

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