vontazlab 16.12.2014

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Gedanken, Ideen, Eindrücke, Berichte – das taz lab Blog ist die kleine Version der großen 24h-Denkfabrik der taz.

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Wie kam dieses Wort eigentlich in die Politik, das Gedöns-Wort?

Die Geschichte besagt, dass 1998 der Bundeskanzlerkandidat Gerhard Schröder eine Ministerin für ein zukünftiges Kabinett suchte, die sich um Familie, Senioren, Frauen und Jugend kümmert. Auf einer Fraktionssitzung der SPD im Bundestag soll es dann passiert sein, als Schröder zur SPD-Politikerin und früheren Berliner Arbeitssenatorin Christine Bergmann sagte: „Du bekommst das Ministerium ‚Familie und das andere Gedöns“.

Schröder behauptete 2013 rückblickend, ihm wäre nur der lange Name des Ministeriums spontan nicht eingefallen. Christine Bergmann war über diese „Unkonzentriertheit“ jedenfalls wenig erfreut und erachtete Gerhard Schröders Entschuldigung 12 Jahre danach als reichlich spät.

In einem Interview aus dem August 1999 sprachen die taz-RedakteurInnen Uta Andresen und Christian Füller die damalige Bildungministerin Edelgard Bulmahn  auf den „Gedöns“-Vorfall an:

taz: Der Bundeskanzler hat irgendwann mal von „Frauen und diesem Gedöns“ gesprochen.

Edelgard Bulmahn: Da hatte er einen ganz schlechten Tag.

Es heißt, Sie beide verbinde ein „freundschaftliches Arbeitsverhältnis“. Wird das durch solches Gedöns beeinträchtigt?

Gerd weiß, dass er Widerspruch kriegt für solche Bemerkungen.

Haben Sie ihm denn widersprochen?

Wir haben im Kabinett alle miteinander sehr deutlich gemacht, dass eine konsequente Gleichstellungspolitik ein Markenzeichen dieser Regierung ist.

 

Das „Gedöns“ blieb an Schröder kleben, genauso wie sein launiger Ausruf „Hol mir mal ne Flasche Bier“ und der Geruch von dicken Zigarren auf seinen Brioni-Anzügen, von der Agenda 2010 ganz zu schweigen. Mehr noch, der „Gedöns“-Vorfall wurde legendär und machte damit auch aus Schröder eine Legende – jenseits aller bundesrepublikanischen Politgeschichtsschreibung.

Der Begriff hat sich derweil zum Synonym verselbstständigt.  Synonym für – ja, für was eigentlich? Frauenfragen? Familienthemen? Gleichstellungsfragen? Kindergeburtstagsplanungen? Weiche Themen? Und wieso weich?

Ist es nicht vielmehr so, dass diese „weichen Themen“ genau das ausmachen, was unsere Gesellschaft in ihrer absoluten Vielfältigkeit repräsentiert und zusammenhält? Ist das „Gedöns“ nicht das, worauf es wirklich ankommt? Wie leben wir zusammen? Wie wollen wir zukünftig zusammenleben? Wie gehen wir mit den drängenden Geschlechterfragen unserer Zeit um? Was für Erwachsene wachsen da heran, die jetzt noch Kinder und Jugendliche sind? Wo findet Familie heute statt? Was kann Liebe in Zeiten des Kapitalismus sein? Wieso ist Sex wichtiger denn je? Und warum sollte es statt PorNo endlich PorYes heißen?

Es gibt viel zu besprechen in den nächsten Monaten und auf dem taz.lab 2015, dem großen „Gedöns“-Kongress der taz am 25. April 2015.

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https://blogs.taz.de/tazlab/2014/12/16/das-gedoens/

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kommentare

  • Gedöns
    Treppe rauf,
    Treppe runter,
    HKW – ich lerne das nie.
    Simultanübersetzung
    Betrifft die Russen, denke ich
    Brauche ich nicht, denke ich
    Falsch gedacht
    Anna, kämpferisch, mit rotem Schopf
    Linkslibertäre
    Wollen was anderes, als Anna
    Schon knurrt der Magen
    Frühstück in der Sonne
    Toilettenschlange
    Ein Original von Specht, aber wie transportieren?
    Theatersaalschlangen
    Dann eben Orchideengarten
    Höge und Ströbele
    Ströbele gegen Höge
    Höge gegen Ströbele
    Damals
    Damals war das Hirn in Frankfurt
    Heute macht die Aktualität alles gleich
    Im neuen Haus wird kein Platz sein für Alle
    Ströbele muss los, wegen Afghanistan
    Toilettenschlange
    Ach müsste ich seltener, als ich muss
    Rote Tasche
    Rote Jacke
    Roter Fächer
    Links ist längst nicht, was Du bist
    Konservativ progressiv
    Westliches Münsterland
    Sachsen ohne großes I und ohne Stern
    Tübingen
    Keine Toilettenschlange mehr
    Läuft
    Keine Rakete 2000
    Nach Hause
    Müde
    Glücklich

    25.04.15 Maria Franke

  • Die zwei Säulen des Kapitalismus sind Gewinnmaximierung und Konsumanimation. Von Geburt wird der Mensch in dieses Mühle getrieben. Mit allen psychologischen Mitteln, sogar Werbung für die zwei schlimmsten Drogen ist erlaubt. Gewinnmaximierung ist ein unmögliches Prinzip für ein endliches System. Die Gigantisierung aller Lebensbereiche geht unaufhaltsam vorwärts. Das System wäre schon längst zusammen gebrochen, wenn es vom Steuerzahler nicht gerettet worden wäre. In Griechenland wurde es eingeleitet – die Privatisierung aller Bereiche wird angestrebt. Aber ein Visionär ist ein Verschwörungstheoretiker,- ein Träumer bestenfalls(frei nach Helmut Schnmidt). Macht nur weiter so im schönen Kapitalismus. Sämtliche Grundnahrungsmittel in den USA sind genmanipuliert. Waffenverkauf, Fracking, die Entmachtung des Bürgers – Ceta, TTIP und TISA werden auch hier dafür sorgen. Gespräche`? Hier ist ein gesellschaftlicher Aufschrei angesagt, ansonsten sehe ich Versklavung. Denn da gibt es auch noch Terrorgesetzgebung. Es wäre immerhin spannend hautnah zu beobachten wie das System langsam umkippt. Vielleicht sollte das Wort „VISION“ zum Unwort des Jahres erklärt werden. Nette Grüße >>>>

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