vontazlab 25.04.2015

taz lab

Gedanken, Ideen, Eindrücke, Berichte – das taz lab Blog ist die kleine Version der großen 24h-Denkfabrik der taz.

Mehr über diesen Blog

Wie soll denn das überhaupt gehen? Michael Braungart, der fränkische Chemiker und Verfahrenstechniker will so einiges über Bord schmeißen, auf die Müllhalde. Den Schrott dem Lebenszyklus zurück führen.

Sein Ansatz ist radikal, aber das ist ja erstmal nichts schlechtes. Er hält nicht viel von Nachhaltigkeit, denn dieses Konzept ist für ihn langweilig und rückwärtsgewandt, es sucht zu sehr nach den Schuldigen, verurteilt und haut ordentlich mit der moralischen Keule auf den Tisch, der reich gedeckt ist mit biozertifiziertem Quatsch, der uns auch nicht weiter helfen wird.

„Moral ist immer weg, wenn man sie braucht.“

All diese zivilisatorischen Errungenschaften wie Moral oder Religion sind nicht hilfreich, denn Moral verliert doch jedes Mal, wenn es um das Abwägen von Prioritäten geht. Braungart erzählt bei der Veranstaltung „Innovation statt Moral! Wie intelligentes Design uns aus der Sackgasse bringt“, dass er bei Verkehrsmessungen herausgefunden hat, wo Menschen mit ihren Autos am meisten rasen. Wer weiß es? Vermutungen? Am meisten gerast (im Sinne von Tempoüberschreitungen) wird vor Kindergärten. Denn Kinder sind für die industrialisierte Zeit einfach nicht gemacht. Sie brauchen Zeit, verlangen Aufmerksamkeit, wenn die Eltern doch gerade keine haben und dann muss es eben etwas schneller gehen, sobald das Kind in der Betreuungsstätte abgeliefert worden ist.

Und damit fängt das Problem schon in den Kindheitstagen an. Die terminliche Dichte im Alltag, die Nachhaltigkeitsbewegung, Religionen, Rente, alles Dinge, die den Menschen das Gefühl vermitteln, es wäre eigentlich besser, wenn sie nicht da wären. Und das ist schlecht. Denn Menschen, die sich ungewollt fühlen, bekommen Angst, erleben eine besondere Form von Stress, die dazu führt, dass sie raffgierig, mißgünstig und im besten Fall reserviert auf Neues reagieren. Das geht bis zu realem Hass und Neid, wie es dieser Tage anhand der Übergriffe auf Unterkünfte für Menschen, die in Europa/Deutschland eine Zuflucht suchen, so traurig deutlich zu beobachten ist.

„Ein Produkt, was Abfall macht, ist ein schlechtes Produkt.“

Also mehr Liebe für alle! Aber ein Hippie ist er nicht, der Braungart. Er ist ein Verfahrenstechniker, hat die EPEA gegründet und will sich nicht damit zufrieden geben, den ökologischen Fußabdruck zu verringern, sondern er will ihn feiern, denn alles was aus dem Menschen kommt, alle Gase, die Nährstoffe und anderes eher unappetitliches, soll dem Kreislauf nicht entnommen werden sondern wieder zurückgeführt werden. Das ist das Konzept von Cradle to Cradle und da können alle was tun, vielleicht klein anfangen und einfach erstmal nett sein zu den Menschen, egal ob bekannt oder unbekannt.

Karina Henschel

Im Bild: Michael Braungart (links) und taz-Redakteur Reiner Metzger; Foto: Wolfgang Borrs

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/tazlab/2015/04/25/alles-auf-anfang/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert