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vontazlab 26.04.2015

taz lab

Gedanken, Ideen, Eindrücke, Berichte – das taz lab Blog ist die kleine Version der großen 24h-Denkfabrik der taz.

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Eine Lese- und Diskussionsperformance mit der Lesebühne RAKETE 2000.

Eine Lesebühne hebt ab? Nicht so ganz. Mareike Barmeyer, Insa Kohler und Lea Streisand von der Lesebühne Rakete 2000 bringen eher das Publikum zum Abheben. Zelt Nr. 3 ist nur zu etwa zwei Drittel gefüllt, dafür mit umso enthusiastischerem Publikum. Die drei Frauen „verwursten alles, was einem so passiert“ – auf äußerst humorvolle Weise.

Mareike erzählt uns von einer Autofahrt mit ihrem Mann. Sie schafft es tatsächlich, das Publikum nachempfinden zu lassen, wie eifersüchtig man auf die funktionierende Beziehung Mann–Navigationssystem werden kann. Oder wie sich ein Zusammenstoß mit einer skateboardenden Bulldogge anfühlt. Mit viel Emotion imitiert sie wunderbar Stimmen von Freund, Tochter und Mitstreiterinnen in ihrem Beckenboden-Rückbildungskurs. Was man eben täglich so erlebt. Das Publikum kriegt keine Luft mehr vor Lachen.

Mareike hat das gegoogelt, Gedöns bedeutet so viel wie: Tralala.

Lea muss man einfach mögen: Trotz etwas derberer Sprache (was vielleicht auch an dem sehr eigenen Humor ihrer Protagonisten liegt) und Berliner Schnauze regen manche ihrer Texte auch zum Nachdenken an. Durchatmen dürfen die Zuschauer bei Zuckerclub. Die Zwei-Frau-Band begeistert zwischendurch das Publikum mit klugen, dennoch simplen Texten zu rockigen bis romantischen Gitarrenklängen.

Chio Show, eine Hälfte von Zuckerclub, liefert mit „Heterophobe Tendenzen“ eine mit Klischees gespickte Parodie auf homophobe Mitbürger. Diese Heterosexuellen seien ja oft ganz nett, aber was sie so im Bett treiben, müsse man eben dabei ausblenden. Im Kino müsse man es sich leider immer anschauen. Dass sich auch immer diese Randgruppen so in den Mittelpunkt drängen müssen…

Insa gestikuliert viel. Ihre ausgeklügelten Wortspiele lassen das Publikum staunen. Beim Text „Patchworkfamilie“ wird es ein bisschen stiller, der taz-Leser ist verdutzt über ihren „Aufrege-Text“ über den allzu kinderfreundlichen Prenzlauer Berg. Und Kinder an sich. Und ihre Eltern.

Dennoch scheint sie einigen aus der Seele zu sprechen, wenn sie sagt: „Manchmal wünsche ich mir auch ein Kind, nur um den Müttern mit dem Kinderwagen über die Füße zu fahren, die mir dauernd über die Füße fahren.“ Ihre Spezialität scheinen „Aufrege-Texte“, wie sie sie nennt, zu sein.

Am Ende werden Postkarten verteilt. Eine Zugabe von Zuckerclub gibt es tatsächlich. Und die von Lea geschriebene „Ode an den Fernsehturm“. Text: Lea Streisand, Musik: Ludwig van Beethoven. Schließlich war das Motto dieser Rakete 2000–Lesung auch Gedöns. Mareike hat das gegoogelt, es bedeutet so viel wie: Tralala.

Julia Grieshammer

Die ganze Veranstaltung als Audio finden Sie hier.

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