vontazlab 02.04.2016

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Nicht alles läuft schlecht bei unseren östlichen Nachbarn – das wollten die vier Gäste aus Polen, Tschechien, Ungarn und der Ukraine zeigen. „Struggle with the strange – stories from Central and Eastern Europe“ heißt die zweiteilige Veranstaltung vom Projekt Future Perfect. Organisiert wird das Projekt vom Goethe Institut und FuturZwei. Es will Hoffnung machen, Optimismus verbreiten, die„success stories“ erzählen – Geschichten, die man normalerweise nicht in den Nachrichten findet. Das war gar nicht so einfach.

Sarah de Günther lebt seit zehn Jahren in Budapest. Das von ihr gegründete Kunstnetzwerk „Pneuma Szöv“ organisiert alternative Nachrichtenkanäle, verschiedene Kunstprojekte und setzt sich für Obdachlose und Flüchtlinge ein. Klar, die Situation sei problematisch, der Druck Orbans omnipräsent. Aber – „es gibt Potential für Solidarität mit Flüchtlingen“. Enthusiasmus kann sie allerdings nicht verbreiten.

Ein bisschen stockend wurschtelt sich die Diskussion durch verschiedene Bereiche des öffentlichen Lebens in Ungarn und Tschechien. Vielleicht ist die nachmittägliche Sonne, die in das Zelt scheint, der Grund, vielleicht das offene Thema der Veranstaltung.

Für Petr Lebeda, Gründer von „Glopolis“, einem tschechischen Thinktank,  ist die Öffnung des Landes „ein zäher Kampf, der sich nur langsam verbessert“. Das könne sich nicht von einer Generation zur nächsten ändern. Schließlich seien rechte Bewegungen kein ausschließlich osteuropäisches Phänomen.

Im zweiten Teil geht es ein bisschen mehr zur Sache, was hauptsächlich an der Wahl der Teilnehmer liegt. „Wir sind alle Optimisten“, meldet Moderator Andre Wilkens gleich zu Beginn. Das Publikum wirkt skeptisch.

Die Leinwand zeigt ein Foto von Krzysztof Jarymowicz im orangenen Fußballtrikot, Arm in Arm mit einem dunkelhäutigen Mann. Jarymowicz ist Leiter eines Fußballprojekts, das Polen und Flüchtlinge zusammenbringt. Es ist eine positive Geschichte, die allerdings schnell mit Jarymowiczs Bedenken über die rechts-konservative Regierung Polens verschwindet. Er sei kein Optimist was Polens Entwicklung betreffe. „Wir waren schon einmal auf einem besseren Weg“, sagt er.

Für ein bisschen Abwechslung sorgt eine polnische Zuschauerin. „Wir Polen haben eine katastrophale Mentalität, immer nörgeln wir rum“, ruft sie dem Podium entgegen. Polen brauche mehr Zeit, der aktuelle Rechtsruck sei nur eine vorübergehende Erscheinung, glaubt sie.

Der zweite Gast, Yevhen Hlibovytsky, hat für verschiedene ukrainische Medien gearbeitet. Er sieht die Ukraine auf einem guten Weg. „Was wir lernen müssen, ist, uns besser zu erklären“, sagt er. Man verstehe das Land im Ausland oft nicht. „Die Ukraine existiert praktisch seit zwei Jahren. Dafür schlagen wir uns ganz gut“. Die Hoffnung auf eine success story bleibt bestehen.

Paul Toetzke

Foto: Paul Toetzke

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kommentare

  • „Osteuropäer“ – die neuen „Untermenschen“ der Linksradikalen, Gutmenschen und sonstigen „Akademiker“ und Pseudo-Intellektuellen … Ein dummer Artikel.

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