vontazlab 21.04.2018

taz lab

Gedanken, Ideen, Eindrücke, Berichte – das taz lab Blog ist die kleine Version der großen 24h-Denkfabrik der taz.

Mehr über diesen Blog

Von Martin Rönnau

„200 Jahre Marx – so what?“ Unter diesem provokanten Titel diskutierten taz-Wissenschaftskorrespondentin Ulrike Hermann und der Wirtschaftshistoriker der Universität Frankfurt, Werner Plumpe, unter der Moderation des taz-Redakteurs Jan Feddersen, differenziert und teils leidenschaftlich über die historische Figur Karl Marx, dessen Werk und Rezension sowie seine aktuelle gesellschaftliche Relevanz.

Einleitend hielt Jan Feddersen fest, das alleine im letzten Jahr 87 Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt zu Karl Marx erschienen. Diese Zahl zeige, dass zumindest die Person Karl Marx sich einer anhaltenden Prominenz erfreue.

Was aber bleibt in heutigen Diskursen abseits des, zu einer Ikone gesellschaftlicher Revolution stilisierten, Popstar-Phänomens Marx auch von seinem konkreten inhaltlichen Denken präsent? Und inwieweit bleibt dieses Denken auch für die Analyse gegenwärtiger gesellschaftlicher Strukturen und Probleme relevant?

Marx heißt nicht Marxismus

Die Erkenntnis, dass Wert durch Verwertung entsteht und die moderne Wirtschaft damit als ein Prozess zu verstehen ist, dessen progressive Kraft primär der Produktion und dem Konsum von Waren entspringt, seien weiter relevant. Ebenso wie seine Überlegungen zur Kapitalkonzentration und die damit verbundene richtige Prognose, dass Wettbewerb durch strukturelle und technologische Vorteile einzelner Konkurrenten schließlich in der zunehmenden Konzentration von Kapital münde.

Werner Plumpe warnte davor die Person Karls Marx und dessen akademisches und politisches Schaffen mit dem Marxismus zu verwechseln. So seien die veröffentlichten Werke von Marx einem Prozess kontinuierlicher Überarbeitung und Rezension entsprungen. Das direkte Denken von Marx sei so rückblickend oft nur schwierig von den Aktualisierungen Dritter zu differenzieren.

Marx´ problematischer Charakter wurde vor allem nach seinem Tode zu einer großen Projektionsfläche politischer Bewegungen und Gruppierungen. Seine prominente Person und sein wissenschaftliches Schaffen fungieren bis heute als vermeintlich autoritätsstiftende Referenz, auf die sich politische Ansprüche marginalisierter Gruppen bis heute berufen.

Auch heute noch relevant

Das implizierte Heilversprechen aus Marx´ Theorie, der Kapitalismus würde sich aufgrund seiner systemeigenen Logik zwangsläufig selbst zerstören und die unterdrückten Klassen so schließlich befreien, wurde historisch auch von herrschenden Klassen politisch instrumentalisiert. Als prominente Beispiele wurden Lenin und Mao genannt, die, da waren sich die beiden Referenten einig, als Massenmörder in die Menschheitsgeschichte eingegangen seien und so auch die politische, destruktive Sprengkraft von Marx´ Denken zeigten.

Auf die Frage, inwieweit Marx auch für die kommenden 30 Jahre von Interesse sei, antwortete Ulrike Hermann, dass dessen zentrale Erkenntnis, dass der Kapitalismus nicht mit einer Marktwirtschaft gleichzusetzen sei zeitlos und damit anhaltend relevant bliebe.

Auch Werner Plumpe sieht in Marx bis heute und künftig eine wichtige Person der geistesgeschichtlichen Kritik und gesellschaftlichen Analyse.

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/tazlab/2018/04/21/200-jahre-marx-so-what/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.