vontazlab 21.04.2018

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Von Alexander Diehl

„Das ist der Sterbehimmel“ betont Anette Adam, Leiterin eines Hospiz- und Pflegedienstleisters in Berlin, als Sie über ihre Erfahrungen in der Hospizarbeit berichtet. Es zeige sich, dass vor allem das Arbeitsklima und angemessene Zeitbudgets für die einzelnen Patienten wichtige Faktoren für einen positiven Umgang mit dem Tod seien. Auch wenn die Praxis der Sterbebegleitung in der gesellschaftlichen Wahrnehmung marginalisiert ist, wird jeder Mensch früher oder später mit dem Tod konfrontiert.

In Deutschland sterben drei Prozent der Menschen in Hospizen – ein exklusiver „Sterbehimmel“, der derzeit nur für wenige Menschen erreichbar scheint. Die Antwort auf die Frage nach einem würdigen Sterben für alle und den damit verbundenen Tätigkeiten könne jedoch nicht in einem massiven Ausbau der Hospize bestehen, meint der Vorstandsvorsitzende des Hospiz- und Palliativverbands, Dirk Müller.

Angesichts der Vielfalt der Wege und Orte dem Tod zu begegnen, müssten auch die Pflegedienstleistungen in ihrer ganzen Breite anerkannt und unterstützt werden. Die Diskutierenden sind sich einig: Die erkämpften Arbeitsverhältnisse im Hospiz müssen in der Regelversorgung durchgesetzt werden, um das Versorgungsniveau zu heben und den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen wirkungsvoll zu bekämpfen.

Zwar bedingt die Arbeit mit dem Tod besondere Herausforderungen, die sich etwa in einer komplexen Selbstverortung und Grenzziehungen zwischen Patient/in, Angehörigen, Personal und ehrenamtlichen Sterbebegleitern zeige, doch Beschäftigte im Pflegesektor müssen sich mit vergleichbaren Problemen auseinandersetzen.

„Meine Arbeit hat viel mehr mit dem Leben zu tun als mit dem Sterben.“

Ob ein Mensch im Hospiz, Krankenhaus, Altenheim oder zu Hause stirbt, kann dabei keine Messlatte für die „Qualität“ bezeichnen. Vielmehr müsste der politische Erfolg der Hospizbewegung, der sich auch in der erfolgreichen Abwehr überbordender Dokumentationspflichten manifestiert, stärker in die Öffentlichkeit getragen werden und die Gemeinsamkeiten der Aufgaben betont werden.

Dem stimmt auch Mark Holzberger, ehrenamtlicher Sterbebegleiter und Referent der Bundestagsfraktion der Grünen, zu, wenn er hervorhebt: „Meine Arbeit hat viel mehr mit dem Leben zu tun als mit dem Sterben.“ Eine klare politische Strategie zur Übertragung des Erfolgs der Hospizbewegung auf die Pflege können die Gäste auf Nachfrage des Publikums zwar nicht vorlegen, aber eines wird deutlich: Die Betonung des Menschlichen, der Begegnung und des Dialogs kann als entscheidendes Kriterium gesundheitsbezogener Versorgung verdeutlichen, dass wir alle in Zukunft auf gute Arbeitsbedingungen für unsere Pflegekräfte vertrauen können müssen.

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