vontazlab 21.04.2018

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Von Felix Hackenbruch

Sie suchen einen Job? Julia Becker, Professorin für Sozialpsychologie, hätte da einen Tipp: männliches Parfüm auflegen. Was abwegig klingt, ist Ergebnis einer US-Studie, die Becker zitierte. Demnach werden Frauen, die zum Vorstellungsgespräch mit einem männlichen Duft erscheinen überproportional häufig eingestellt und befördert. Nicht nur kurios, sondern auch sexistisch, wie die Veranstaltung „Stell dich doch nicht so an! Sexismus und sexualisierte Gewalt in Unternehmen und Betrieben“ zeigte.

Becker beschrieb auf dem Podium, das von taz-Redakteur Ingo Arzt moderiert wurde, dass Sexismus am Arbeitsplatz bereits mit Geschlechterstereotype beginnt. Demnach werden Frauen klassischerweise zwar als herzlich, aber auch als wenig kompetent wahrgenommen, während Männer als kühl, aber kompetent gelten. Klischees, die bereits in der Kindheit durch geschlechterspezifische Lehrbücher oder Spielzeug aufgebaut werden. „Als ich klein war, gab es Lego. Jetzt gibt es Lego für Mädchen und Lego für Jungs“, sagte Becker, die darin eine falsche und gefährliche Entwicklung sieht.

„Keine Frauen-Quote ist faktisch eine Männer-Quote“

„Sexismus ist erlernt. Niemand kommt als Sexist auf die Welt – deswegen kann man es auch wieder verlernen“, sagte auch Pia Bräuning, Politische Sekretärin im IG-Metall-Vorstand. Ihre Branche kämpft, angesichts von lediglich 20 Prozent Frauenanteil in der Metall- und Elektroindustrie, mit strukturellen Problemen. Nennenswerte Beschwerden sexueller Gewalt oder von Sexismus am Arbeitsplatz seien ihr aber nicht bekannt, berichtete Bräuning.

Trotzdem hofft sie, dass auch in kleinen und mittleren Betrieben zeitnah Beschwerdestellen eingerichtet werden, wie es sie bislang hauptsächlich in großen Unternehmen mit Betriebsrat und Betriebsvereinbarungen gibt. Auch für eine Frauen-Quote in Führungspositionen sprach sie sich aus. „Keine Frauen-Quote ist faktisch eine Männer-Quote“, sagte sie, schließlich würden Männer im Zweifel eher Männer einstellen – obwohl es aus betriebswirtschaftlicher Sicht nicht sinnvoll sei. „Alle Studien zeigen, dass gemischte geschlechtliche Teams erfolgreicher sind.“ Rein männlich geführte Unternehmen seien langfristig nicht wettbewerbsfähig.

Dem stimmte Jannis Tsalikis, Personalchef bei Vice Media, zu, der zuletzt erfahren musste, was männlich domminierte Strukturen auslösen können. Bei Vice Media in New York hatten sich im Zuge der der Metoo-Debatte zahlreiche Mitarbeiterinnen gemeldet und über Sexismus am Arbeitsplatz geklagt. „Es gab dort einen Boys-Club, der das Machtgefälle genutzt hat“, sagte er. Das Unternehmen habe danach aber reagiert. Inzwischen gibt es verpflichtende Sensibilisierungs-Workshops und klarere Einstellungs-Kriterien. Künftig, so beteuerte er, wolle er bei Bewerbungsgesprächen auch auf den Duft der Bewerber achten – um ihn zu ignorieren.

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