vontazlab 23.04.2018

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Von Antonia Groß

„Wie können wir arbeiten, in einer digitalen Welt, in der alles potentiell überwachbar ist“? fragt Stefan Mey, Autor des Buches „Darknet – Waffen, Drogen, Whistleblower“. Die Antwort des Technologiejournalisten auf seine eigene Frage klingt simpel: Im Darknet. In Kapuzenpulli und Jeans steht er beim taz lab vor einem auch nach einem langen Tag noch hochkonzentrierten Publikum. Hier ein auf die Faust abgestütztes Kinn, dort eine gerunzelte Stirn, ein leicht geöffneter Mund.

Das Thema ist anziehend – der Name ist ein Begriff, der Inhalt noch unerforscht. „Das Darknet ist dunkel“, fasst Mey schlicht zusammen, und bringt dann doch Licht in das, was er hoffnungsvoll als einen dezentralen, bestenfalls herrschafts- aber nicht moralfreien Gegenentwurf zum kommerziellen Internet beschreibt.

Ein digitales Netz, das sich abschirmt, um die Anonymität von Nutzer*innen, Betreiber*innen und Inhalten zu schützen. Eines? Nein, etwa elf solcher Netzwerke sind bekannt, durchgesetzt hat sich bislang aber vor das mit dem Tor-Browser zugängliche Darknet. Und auch das in überschaubarem Maße: Schätzungen zufolge nutzen nur etwa 150 000 Nutzer*innen täglich das Darknet über einen Tor-Zugang. Zum Vergleich: allein Facebook verzeichnet täglich etwa 1,4 Milliarden Nutzer*innen.

Wie geht es weiter?

Bekannt wurde das Paralleluniversum Darknet vor allem im Zusammenhang mit Handel von Drogen, Waffen und Pornografie. Dabei gibt es laut Mey besonders für Journalist*innen und linke Bewegungen große Potentiale für
Recherche, digitalen Aktivismus oder anonyme Vernetzung. So haben Plattformen wie indymedia, systemili oder riseup, die als wichtige Organe links(radikaler) Selbstorganisierung gelten, alle eine Präsenz im Darknet. Auch große Medienorganisationen wie der Heise-Verlag, die New York Times oder the guardian nutzen das Darknet als anonymisierte Parallelstruktur für Nutzer*innen oder als Mittel, um Dateien unerkannt auszutauschen und heikle Informationen weiterzugeben.

Und, wer hätt’s gedacht – auch bei der Veranstalterin des heutigen Tages gibt es ein Postfach für subversive Enthüller*innen oder solche, die es werden wollen: „Die taz macht das auch“, frohlockt Mey. „Wie könnte es anders sein, die Königin des Darknets“.

Mey schafft es, einen positiven Zugang zu öffnen zu einem omnipräsenten Ort, der den Meisten wohl noch immer ein Mysterium sein dürfte. Auch Moderator Andreas Rüttenauer hat er neugierig gemacht. Und wie geht’s nun weiter? Im schlimmsten Fall, so befürchtet der Experte, wird es zu einer „kommerziellen Umarmung“ kommen, und privatwirtschaftliche Instanzen werden das Netz erschließen, um davon zu profitieren.

Doch Mey bleibt optimistisch. Er hofft, dass eine wirklich globale Zivilgesellschaft entstehen, im „Darknetplenum“ über die Zukunft basisdemokratisch diskutieren und linke Visionen die Technologie als Katalysator nutzen könne: „Ich finde es braucht das Darknet. Wenn es das nicht gebe, müsste man es erfinden“.

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