vontazlab 23.04.2018

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Von Finn Schädlich

Jahrzehntelang musste sie um Anerkennung kämpfen, mittlerweile haben es die Theorien der US-amerikanischen Biologin Lynn Margulis bis in jedes Schulbuch geschafft. Jetzt wurde ihr populärwissenschaftliches Buch „Der symbiotische Planet“ neu verlegt. Der Kultur- und Medienwissenschaftler Peter Berz, Soziologe Helmut Höge und taz-Mitarbeiter Mathias Bröckers haben sich eingehend mit der Arbeit von Margulis beschäftigt. Beim taz lab stellten sie das Buch vor.

Charles Darwin ist der Übervater der Evolution. Mit seinem Hauptwerk „Die Entstehung der Arten“ begründete er die einen neuen Zweig der Biologie. Das Grundprinzip seiner Theorie ist die Konkurrenz, nur der am besten Angepasste kann überleben. „Margulis verfolgte einen anderen Ansatz“, erklärt Mathias Bröckers. „Für Margulis ist die zentrale Triebkraft der Evolution nicht die Konkurrenz, sondern die Zusammenarbeit, die Symbiose.“

Den Bakterien zuhören

In den späten Sechzigern veröffentlichte die Biologin eine kontroverse Arbeit, in der sie darlegte, dass einige Zellbestandteile wie die „Zellkraftwerke“ Mitochondrien ursprünglich eigene Organismen waren. 15 Zeitschriften lehnten die Veröffentlichung ab. „Bis dahin dachte man, dass die Bestandteile in der Zelle selber entstanden sind“, sagt Peter Berz. „Dass Evolution auch auf der Verschmelzung von Organismen basieren kann, war natürlich eine Provokation. Damit schmiss sie die ganze Weltsicht der Darwinisten durcheinander.“ So ist „Der symbiotische Planet“ nicht nur Fachbuch, sondern zugleich auch Biographie der Autorin, in ihrem Kampf um wissenschaftliche Anerkennung.

Mittlerweile ist die Symbiogenese, bei der zwei Organismen eine so enge Symbiose eingehen, dass sie miteinander verschmelzen und eine neue Art entstehen lassen, wissenschaftlich belegt. Ersetzt wurde Darwins Evolutionstheorie zwar nicht, aber in vielen Bereichen ergänzt. „Margulis pflegte zu sagen, dass Darwin den Ursprung des Lebens nicht erkläre, weil er viel zu spät ansetze. Die Evolutionsbiologen seien ja eigentlich Zoologen“, sagt Soziologe Helmut Höge.

Wir Menschen sollten von den Bakterien lernen findet Margulis. Moderator Bröckers zeigt einen Ausschnitt aus dem Dokumentarfilm „Symbiotic Earth“. Die Biologin steht mit Sonnenbrille am Strand und wühlt im Schlick, perfekter Nährboden für Bakterienkolonien. „Diese Gemeinschaften recyclen alles“, sagt Margulis. „Der Müll des einen ist die Nahrung des anderen.“ Das Ökosystem der Bakterien sei perfekt ausgewogen, während der Mensch immer mehr Müll erzeuge. „Wir sollten zuhören, was die Bakterien uns zu sagen haben.“

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