vontazlab 26.04.2018

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Von Franziska Schmalbach

„Wo finde ich denn diese Klebezettel-Installation?“ Nach dem dritten Mal Fragen konnte mir endlich jemand weiterhelfen. Im hinteren Teil des Foyers hängt also eine orangene 7 x 2 Meter große LKW-Plane zwischen zwei Säulen. Wenn man es weiß, oder mit offeneren Augen als ich durch die Gegend läuft, fällt sie einem auch auf. Signalfarbe – klar. Am Boden liegen ein paar Stifte und: Post-Its.

Gegen das laute Treiben und die Stars und Sternchen aus Politik und Gesellschaft hat es diese kleine Installation aber trotzdem schwer. Ab und an bleibt jemand stehen, der große Zuschauerstrom fließt aber recht unbeeindruckt vorbei. Schade, denn mit ein bisschen Zeit und einem Auge fürs Detail schleicht sich mir das kleine Projekt langsam aber sicher an Herz.

Mit bunten Klebezetteln in unterschiedlichen Größen hat die Illustratorin Donata Kindesperk einen Sisyphos geklebt. Sisyphos, der zu viel wollte, der Bestrafte, der auf ewig diesen vermaledeiten Stein den Berg hinauf rollen muss, ehe er kurz vor dem Gipfel wieder den Hang hinab rollt. Eine ertraglose, nie endende Arbeit.

Eine Ruheinsel auf dem taz lab

„Wie wollen wir arbeiten?“ fällt mir das Thema des taz lab 2018 wieder ein und damit auch die Design-Strategie auf: Die Tasche mit den Post-Its, das Design des Programmhefts, die Installation.

Doch bei näherem Hinsehen kommt auch noch ein anderer Sisyphos zum Vorschein, etwas weiter unten rechts auf der Plane. Ein Ruhender, ein Erlöster, einer der mal Pause machen kann. Auf den Post-Its hat die Illustratorin Zitate rund um Arbeit und Freizeit aufgeschrieben. Mitmachen ausdrücklich erwünscht. Die Besucher halten sich zwar etwas zurück, aber die Idee macht das Ganze rund.

Auch ohne das Gespräch mit Donata Kindesperk, über ihre persönliche Burn-out-Erfahrung vor einem Jahr und ihrer vagen Sehnsucht nach einer gleichförmigen Arbeit, ohne Leistungs- und Konkurrenzdruck, hätte mich das Projekt zum Nachdenken eingeladen. Wie schön, dass solche Ruheinseln auch auf einer so umtriebigen Veranstaltung ihren Platz finden.

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