vontazlab 06.04.2019

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Von David Joram

„Wir leben im besten Deutschland aller Zeiten, die Einwanderungsgesellschaft ist auf einem guten Weg. Konflikte gehören dazu“, sagt Aladin El-Mafaalani, Soziologe und Autor, der mit seinen Beiträgen zur aktuellen Debatte um Integration als Optimist gilt.

Auf dem taz.lab stellt El-Maafalani deshalb zunächst klar: „Erstmal muss ich deutlich machen, dass ich kein Optimist bin.“ Der gebürtige Dortmunder, Sohn syrischer Eltern und BVB-Fan („heute die Daumen drücken“) erklärt auch, warum man ihn doch für einen hält: „Wenn alle pessimistisch werden, wirkt der Realist wie ein Optimist.“ Für El-Maafalani heißt das: Seine Bücher haben zwar noch denselben Ton und Inhalt wie 2013, sie würden im Jahr 2019 aber anders gesehen.

El-Mafaalani, der in Nordrhein-Westfalen im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration die Abteilung 4 (Integration) leitet, spricht zum Thema „Ich finde Deutschland richtig geil – Warum gelungene Integration zu mehr Konflikten führt“, engagiert und pointiert.

Die ZuhörerInnen stellen schnell fest, dass sich der Gast schon lange mit dem von Sabine am Orde (taz-Korrespondentin für Innenpolitik) moderierten Gespräch beschäftigt. El-Mafaalani haut eine These nach der nächsten raus. Veränderung führe zu Reibung und zu Konflikten – und das sei auch gut so. Denn: „Ohne Konflikte kein Fortschritt.“ Überhaupt sei die aufgeheizte gesellschaftliche Stimmung ein Signal dafür, dass es gut laufe im Land.

El-Mafaalani nutzt die Tisch-Metapher. Der gesellschaftliche Tisch habe sich geöffnet, ein Tisch der Teilhabe, an dem nun vermehrt Akteure sitzen würden, die man dort früher nicht angetroffen hätte. Zum Beispiel: Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund, Homosexuelle, Behinderte. Kurzum: Gruppen, die lange benachteiligt worden sind und immer noch werden, nun aber Ansprüche erheben und ihren Platz am Tisch einfordern. Mehr noch: Sie wollen nicht nur am Tisch sitzen, sondern auch mitbestimmen, was dort gegessen wird.

Es ist ein begrüßenswerter Fortschritt also, der allerdings auch eine „Gegenbewegung der Schließung“ erzeugt habe, wie El-Mafaalani ausführt. Die Gegenbewegung – unter anderem AfD, Pegida und Co. – sei durchaus naheliegend. Denn in den letzten ein bis zwei Jahrzehnten hätten sich Dinge in einer Geschwindigkeit wie nie zuvor verschoben. El-Mafaalani spricht von „Sicherheiten“, „Selbstverständlichkeiten“, die weggefallen seien. Nun gelte es, neue Sicherheiten zu finden. Dass dies Teile der Gesellschaft nicht wünschten und die Vergangenheit glorifizierten, sei verständlich.

„Ich kann die sogenannten besorgten Bürger deshalb verstehen“, sagt El-Mafaalani. Er rät, dass man sich mit der Mitte der Gesellschaft beschäftigen müsse – und bleibt optimistisch. Reibung muss eben sein. Die Zeit, in der wir gerade leben, sei weit weniger dramatisch als sie häufig dargestellt werde, meint El-Mafaalani. „Außer Umwelt und Klima fällt mir nichts ein, was früher besser gewesen wäre“, sagt er. Seinen Vortrag schließt er mit dem Satz: „Die beste Leitkultur ist Streitkultur.“ Ein Plädoyer für das richtige Ringen um gute Lösungen in einer Gesellschaft, die El-Mafaalani als „offene Gesellschaft“ bezeichnet.

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