vontazlab 06.04.2019

taz lab

Gedanken, Ideen, Eindrücke, Berichte – das taz lab Blog ist die kleine Version der großen 24h-Denkfabrik der taz.

Mehr über diesen Blog

Von Louisa Lenz

Christine Bergmann, ehemalige SPD-Familienministerin, sagt „Ja“, denn: „Wir kommen mit Freiwilligkeit hier nicht mehr weiter“. Helga Lukoschat von der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft sagt auch „Ja“, denn: „Von nichts tut sich nichts“. Nicole Bauer, frauenpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, sagt stattdessen „Nein“, denn: „Die FDP ist keine Freundin der Quote“. Silke Laskowski, Juristin und Verfassungsrechtlerin, sagt „Ja“, denn: „Mir geht’s um die Weiterentwicklung der Demokratie“. Cécile Calla, Expertin für Parität in Frankreich, sagt auch „Ja“, denn: „Wenn Parität nicht greift, gibt’s keine Frauen“.

Diese fünft Frauen sitzen am Samstagmorgen auf dem Podium in der Galerie des taz lab 2019 und diskutieren die Vision des Paritätswahlrechts für Deutschland. Wirklich hitzig wird es dabei nicht, denn beinahe alle fünf Frauen sind sich einig: Die Quote würde den Frauenanteil im Bundestag ordentlich aufpimpen.

Selbst Nicole Bauer von der FDP, die als einzige nicht für die Quote eintritt, hört ihren Gegenspielerinnen aufmerksam und interessiert zu. Nein, die FDP sei zwar keine Freundin der Quote, doch trotzdem brauche man entscheidend mehr Frauen in Politik und Wirtschaft. Das Ziel der FDP sei also dasselbe, wie das der anderen Parteien, nur der Weg dahin würde sich eben unterscheiden. Bauer, mit Sonnenbrille im Haar, ist Wirtschaftsingenieurin – ein typischer `Männerberuf´ also – und arbeitete bereits bei Unternehmen wie BMW und Audi. Mit lauter Stimme erklärt sie: „Ich trete selbstüberzeugt für Diversity ein, Vielfalt muss gelebt werden“. Statt Quote setze Bauer auf Talentmanagement und aktives Ansprechen von Frauen; konkret wird sie jedoch nicht.

Christine Bergmann sieht die Situation nicht ganz so entspannt. Sie blickt auf eine lange Politiklaufbahn und viel Erfahrung zurück. Schaut man sich die Verteilung der Geschlechter in Parlamenten und Verwaltungen an, stelle man fest: „und siehe da, es sieht finster aus“. Das Paritätswahlrecht sei laut Bergmann unbedingt nötig, mit Freiwilligkeit komme man nicht weiter, stattdessen brauche es Sanktionen für gleichberechtigte Repräsentation. „Wir haben doch gute und qualifizierte Frauen“, fasst die SPD-Politikerin zusammen, „es geht hier ganz klar um Machtpositionen“. Helga Lukoschat führt die Argumentationslinie weiter. „Gleichberechtigung muss eine Selbstverständlichkeit sein“, sagt sie und es bricht spontaner Applaus im Publikum aus.

Ob denn andere Themen im Bundestag aufkommen würden, wenn mehr Frauen vertreten wären, fragt Moderatorin Simone Schmollack. Da ist sich Lukoschat sicher: Natürlich, Frauen würden ihre spezifischen Erfahrungen in die Debatten einbringen, etwa Erfahrungen mit Sexismus.

Cécile Calla zeigt auf, wie die Einführung der Parität in Frankreich zu signifikant höheren Frauenanteilen in den Parlamenten geführt hat. „Wenn Parität nicht greift, gibt’s keine Frauen“, fasst sie prägnant zusammen.

Am Ende der Diskussion scheinen sich außer Bauer alle einig, dass gesetzlicher Druck mittels Paritätswahlrecht auch für Deutschland notwendig sei. „Der gute Wille allein bringt uns nicht ans Ziel“, bemerkt Bergmann. Und Verfassungsrechtlerin Silke Laskowski sagt, dass es dabei letztendlich auch um die Weiterentwicklung der Demokratie ginge.

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/tazlab/2019/04/06/und-siehe-da-es-sieht-finster-aus/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.