vontazlab 06.04.2019

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Von Rebecca Meyer

Bilder sind manipulierbar. Wenn man es will, können sie positiv wie negativ überzeichnet werden. So passiere es mit den Bildern von Europa, die in Afrika zirkulierten, sagt Joseph Tonda, Professor für Soziologie und Anthropologie.

Vielen jungen Menschen in den ehemaligen französischen Kolonien Afrikas erscheine Europa deshalb als glänzende Utopie. Die Bilder erzeugten eine Sehnsucht nach diesem Ort, an dem Luxus vermeintlich erreichbar und das Leben schön sei. So werde Europa alles, von dem Afrika träume, erzählt Tonda auf französisch, während die Mehrheit des Publikums über Kopfhörer die deutsche Übersetzung seiner Worte hört.

Im Gespräch mit der Journalistin Marion Bergermann und der taz-lab-Redakteurin Nora Strassmann zeichnet Tonda nach, dass Afrika zu einem Ort werde, der verlassen werden müsse. „Afrodystopie“ nennt er das. Doch in Europa warte auf Afrikaner keine Utopie, sondern die Realität. Sie lebten häufig prekär, hätten ein hartes Leben mit schwierigen Jobs.

Tonda beschreibt, wie viele afrikanische Migranten in Europa trotz allem an dem Traum festhielten und etwa teure, westliche Kleidung kauften. Damit posierten sie vor den schönsten Ecken und sendeten diese Bilder zurück an Freund*innen und Verwandten, die in Afrika geblieben seien. Der Kreis schließe sich.

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kommentare

  • Das tat Lab war super. Der Themenschwerpunkt Europa gut gewählt. Das machte Appetit auf mehr zu Europa. Als Wahlberechtigte wissen wir noch viel zu wenig über die politischen Alternativen und Konzepte, die am 26. Mai zur Wahl stehen. Welche Partei will was? Und das nicht nur auf den deutschen, sondern auf den europäischen Kontext bezogen bitte. Also mal keine Fußball-WM sondern Europa-Sonderseiten. Danke.

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