vontazlab 06.04.2019

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Gedanken, Ideen, Eindrücke, Berichte – das taz lab Blog ist die kleine Version der großen 24h-Denkfabrik der taz.

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Von Finn Mergenthal

Der Umgang mit Israel, dem Staat der Juden, ist auch unter Linken strittig – so auch unter den Gästen des tazlab. Am frühen Abend moderierte taz-Redakteurin Johanna Roth eine lebendige Runde.

Gleich zu Beginn brachte das taz-Autorin Bettina Gaus den Begriff „Kolonialismus“ als Bezeichnung der israelischen Strategie in den besetzten Gebieten ins Spiel, was von der restlichen Runde stark kritisiert wurde, da die Umstände nicht vergleichbar seien. Volker Beck, ein Israel-Experte der Grünen, betonte hingegen die schwierige Situation, in der Israels Gesellschaft steckt und warb um entsprechendes Verständnis, dass da „manche Innenpolitiker durchdrehen“ könnten.

Muhammad Darawsha beteiligte sich auf Englisch an der Runde und kritisierte mit starken Worten Netanjahus „rechte Politik“ und „Polemik“, die Feinbilder erzeugen würde. Marina Chernivsky warnte dagegen mehrfach vor einer Dämonisierung Israels und forderte eine neutrale Einstellung zu beiden Konfliktparteien. Einig war sich das Panel, dass das Wort „Israelkritik“ für Kritik an Israels Regierung nicht richtig ist. Das wars dann aber auch mit dem Konsens.

Es kam wiederholt zu verbalen Rangeleien, zum Beispiel zwischen der Moderatorin und ihrer Kollegin Gaus. Und das beschreibt noch gar nicht das Publikum, dass durchaus auch ohne Mikrophon seine Meinung einzubringen wusste. Man spürte von Anfang an die, mehrfach kritisierte, aber doch auch hier vorhandene Emotionalität des Themas, von der sich keine*r der Beteiligten so wahrlich ausnehmen konnte.

Gerade das machte die Veranstaltung aus. Sie machte für alle Interessierten erlebbar, was das Problem mit dem Diskurs über die deutsche (und europäische) Sicht auf Israel, seine Bürger und seine Bevölkerung ist.

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https://blogs.taz.de/tazlab/2019/04/06/wenig-konsens-um-israel/

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kommentare

  • Diskussion über die Politik Israels
    es ist unerträglich, auf diesen Diskussionen in der taz kein Wort über die rechtlose Situation der Palästinenser und den fortgesetzten Landraub Israels zu hören. Die Probleme der Israelis sind hausgemacht. Inzwischen redet Netanjahu ja auch von den Palästinensern als den Hauptfeinden und die Unmöglichkeit des Friedens oder der 2 Staaten. Die Politik geht ja schon lange diesen Weg.
    Ich war 2014 mit der taz auf Leserreise im Westjordanland und die Gespräche und der Augenschein von Siedlungen und Mauer dort haben mir die Augen geöffnet. Daher verstehe ich diese Art von Veranstaltungen gar nicht mehr. Ich musste rausgehen…
    Ich wünsche mir eine klare Darstellung der Situation und keine Diskussion über Kolonisierung vor dem Hintergrund von Raub und Rechtlosigkeit der ursprünglichen Bewohner des Landes.
    Momentan sind Israelis gerade in Deutschland unterwegs, die ungemein aggressiv für Israel werben (z.B. in der Weihnachtszeit vor dem Brandenburger Tor) und jede Kritik in die antisemitische schublade stecken. Das ist doch sehr durchsichtig und unsere Geschichte wird instrumentalisiert.
    Gerade wir in Dtl. sollten sensibilisiert sein für diktatorische Geschichtsklitterung wie sie dort bestrieben wird… Und die Verteufelung von BDS und jüdischer Stimme für einen gerechten Frieden passt dazu.
    Auf die Strategie sollten wir nicht reinfallen.
    Besten Gruß

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