vontazlab 24.04.2021

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Gedanken, Ideen, Eindrücke, Berichte – das taz lab Blog ist die kleine Version der großen 24h-Denkfabrik der taz.

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VON TOBIAS HAUSDORF

„Ihr habt mir immer gesagt, es braucht Zeit. Es brauchte die Zeit meines Vaters, meiner Mutter, meines Onkels, meines Bruders und meiner Schwester. Wie viel Zeit braucht ihr für euren Fortschritt?“ Mit diesem James-Baldwin-Zitat eröffnete Aminata Touré das diesjährige taz lab, den Jahreskongress der taz. Nur Geduld, das braucht Zeit, das hat der große afroamerikanische Schriftsteller oft gehört, der Gesellschaften in Essays und Romanen sezierte. Doch Geduld zu haben, das sei oft eine Ausrede, um Wandel zu verhindern, sagt Touré, grüne Vizepräsidentin des Landtags in Schleswig-Holstein. Dahinter stecke eine Machtfrage.

Aminata Touré zugeschaltet zur Begrüßung des taz labs. Foto: Hein Godehart

Diesen Fragen will sich das taz lab stellen. In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Dazu sollen Besucher:innen und Gäste wie Touré virtuell und im taz Haus ins Gespräch kommen. Referierende aus aller Welt, ein pralles Programm mit digitalen Diskussionen und jede Menge Extras unter dem Titel „A Change Is Gonna Come“. Und Change, Veränderung, die ist notwendig: „Wir sind inmitten einer Zeit der Krisen“, sagt Touré und zählt die Pandemie, Klimakrise, gesellschafts- und sozialpolitischen Krisen auf.

Doch Wandel, das muss nicht nur die große Politik sein. Gesellschaftlicher Fortschritt gehe von Einzelnen aus: „Im besten Fall ist Identität selbst ein Prozess des Wandels, den wir jeden Tag vorantreiben“, sagt Gianni Jovanovic in der zweiten Begrüßungsrede des taz labs. Der Comedian und Gründer von „Queer Roma“ ruft dazu auf, das eigene Wertesystem, die Sprache und Gefühle zu überprüfen – ein Wandel in Gedanken also.

„Sprache, das heißt wählen, wie wir mit anderen umgehen“, sagt Jovanovic. Und wünscht sich in seinem Appell mehr Respekt und Toleranz Mitmenschen gegenüber. Gendersternchen? „Liebe ich.“ Doppelpunkte? „Mehr davon!“ Zu den Besucher:innen des taz labs sagt er: „Ich wünsche euch den Wandel, nehmt ihn mit.“

Jede und jeder Einzelne müsse Teil dieses Wandels sein. „Ich glaube an Veränderung, aber nicht daran, dass es ein Automatismus in der Zeitgeschichte ist“, sagt Aminata Touré. Das kann auch bedeuten, auf Macht zu verzichten: „Das ist die bittere Pille, die einige schlucken müssen: Es werden Leute Macht verlieren.“

Die Ära Merkel geht zu Ende, die Union ist längst im internen Machtkampf – und die Grünen haben am Montag ihre Machtfrage geklärt: Annalena Baerbock statt Robert Habeck. Beide haben wir heute im Programm. Die frisch zur Kanzlerkandidatin gekürte Baerbock seht ihr um 14 Uhr bei der Veranstaltung „Wer wir sein wollen“.

 

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