vonteamtazost 09.08.2019

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Hier bloggen die taz-Reporter*innen aus Dresden und Berlin zu den Landtagswahlen 2019 in Sachsen und Brandenburg. #tazost

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von Ismail Ismail

Manchmal sind sich Gegensätze in einer Stadt ganz nah. Ein Syrer beispielsweise berichtete mir bei einer Recherche, wie er in Dresden versehentlich in eine Pegida-Demo geriet, und davon, wie ihn ein jüdischer Mann gegen rassistische Beleidigungen verteidigte. Als ich mit einem anderen Syrer unterwegs war, grüßte der fast jeden dritten Menschen wie jemand, der schon immer hierhergehört. Dresden ist sein Zuhause, sagte er. Mein Feierabendbier trank ich in einer St.-Pauli-Fankneipe. Ein paar Meter weiter haben Dynamo-Dresden-Fans ihre Bar. Zwei Fangruppen, die bei Spielen des Öfteren aneinandergeraten, trinken in Dresden friedlich nebeneinander.

Manchmal sind solche Beobachtungen nur Momentaufnahmen. Manchmal aber auch der Anfang einer Recherche. So wie im Fall von Freital. Zwei Kolleginnen fiel auf, dass der Ort unweit der Sachsen-WG liegt. Wer Freital hört, denkt an die rechts­extreme Gruppe Freital, an Anschläge auf Geflüchtete und ihre Un­ter­stüt­ze­r*in­nen. Aber wie lebt es sich dort, wenn man sich offen gegen rechts stellt? Die taz-Redakteurinnen Belinda Grasnick und Ebru Tașdemir haben nachgefragt.

Auch Bernd Merbitz stellt sich offen gegen Rechtsextremismus, und das aus einer besonderen Position heraus: Er war der Polizeipräsident Sachsens. Die Szene hasste ihn als „Nazijäger“. Jetzt kandidiert er als Landtagsabgeordneter der CDU. Linda Verschwele porträtiert ihn für die Serie „Unter Leuten“.

Weniger problematisch findet hingegen das Innenministerium einen Vorfall mit Neonazis und Polizisten, das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage im thüringischen Landtag hervor. In Fretterode hatten sich im November vergangenen Jahres rund 100 Rechtsextreme getroffen. Die Polizei drohte damals fotografierenden Journalisten, ihre Privatadressen an die Neonazis weiterzugeben. Alexander Nabert findet diese Haltung in Zeiten von Feindeslisten fragwürdig.

Die Linke in Brandenburg startete eine Volksini­tiative gegen die Rückerstattungsansprüche der Hohenzollern. Die Nachfahren des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. wollen Geld vom Land und Wohnrecht in Schlössern. Die Linke ist dagegen, schließlich ist Wahlkampf.

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