vontaz-panter-stiftung 28.11.2018

taz Panter Stiftung

Die taz Panter Stiftung fördert seit ihrer Gründung 2008 kritische Nachwuchsjournalist*innen, ehrenamtliches Engagement und die Pressefreiheit weltweit.

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Ich bin zum ersten Mal in Ungarn und das seit zwei Tagen. Schon vorher habe ich das Land mit einer alten türkischen Nation in Verbindung gebracht. Hier in Budapest habe ich viele türkische Wörter gehört. Apfel heisst alma, das ist auch bei uns im Aserbaidschanischen so. Mir gefällt die Stadt sehr, sie erinnert mich in manchem an Warschau oder Prag.

von Orhan Adogozal aus Baku (Aserbaidschan)

Es regnet jeden Tag und wenn ich künftig an Budapest denke, wird das für immer mit diesem Regen verbunden sein. Die Menschen sind sehr freundlich, als Rollstuhlfahrer bin ich dafür sensibilisiert. Wann immer ich um Hilfe gebeten habe, haben mir die Leute geholfen. Das gilt auch für die Teilnehmer und Leiter des Panter-Seminars. Alle sind sehr zugewandt. Wir leben doch in einer materialistischen Welt mit vielen Defiziten. Da ist es schwierig jemanden zu treffen, der noch moralische Werte hat.

Dieser Workshop ist auch noch in anderer Hinsicht eine wichtige Erfahrung für mich. Ich habe die Chance mich mit Journalisten aus dem postsowjetischen Raum zu treffen und meine Kenntnisse über ihre Situation und ihre Arbeitsbedingungen zu vertiefen. Ich interessiere mich für Medien im globalen Massstab, doch da geistern viele Fake-News herum. Hier bekomme ich reale Informationen aus erster Hand und kann mich mit den anderen Teilnehmern austauschen. Also eben keine Fake-News.

Bei unseren Treffen mit ungarischen Vertretern von Transparency International und von verschiedenen Medien habe ich die Situation in Ungarn natürlich mit der in Aserbaidschan verglichen. Das hat mich sehr traurig gemacht. Denn mir wurde wieder einmal klar, wie schrecklich unsere Lage ist. Aktivisten werden massiv bedroht – ich, aber auch mein Vater, der ein Ex-Aktivist ist.  Die Regierung hat uns den Sauerstoff abgestellt.

In dieser und der kommenden Woche sind zum nunmehr einundzwanzigsten Mal Journalisten aus Osteuropa Gäste der taz Panter Stiftung, um sich kennen zu lernen, ihre Erfahrungen auszutauschen, Neues über Journalismus unter demokratischen und nicht mehr so demokratischen Bedingungen zu lernen. Weil es dieses Mal speziell um das Thema „Bedrohte Pressefreiheit“ geht, schauen die KollegInnen sich zunächst fünf Tage um in Budapest und kommen nächste Woche nach Berlin. In einem täglichen Blog berichten sie von dem Workshop, der auch aus Mitteln des Auswärtigen Amtes gefördert wird.

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