vontaz-panter-stiftung 28.11.2018

taz Panter Stiftung

Die taz Panter Stiftung fördert seit ihrer Gründung 2008 kritische Nachwuchsjournalist*innen, ehrenamtliches Engagement und die Pressefreiheit weltweit.

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Pressefreiheit, das ist ein fortwährendes Problem. Dieses ist gerade sehr aktuell in Ungarn, wo Journalisten über Korruption und andere Probleme, die die Grundpfeiler dieses demokratischen Landes zerstören schreiben oder es zumindest versuchen.

Von Esmira Alijeva aus Baku (Aserbaidschan)

Der Chef der Organisation Transparency International in Budapest Josef Peter Martin, der die Situation in Ungarn vom Standpunkt der Pressefreiheit aus betrachte, meint, dass diese seit 2010 begonnen habe sich stetig zu verschlechtern. Das Jahr 2016 wird formal als „schwarze Periode des ungarischen Journalismus“ bezeichnet. Zu diesem Zeitpunkt wurden die meisten derjenigen Medien im Land geschlossen, die die Regierung kritisiert hatten.

Viele von ihnen gerieten in der Folgezeit unter die Kontrolle von Oligarchen und gingen zu einer offenen Propaganda über. Dennoch ist nicht alles so pessimistisch zu betrachten. Im Onlinebereich gibt es in Ungarn, so wie in vielen anderen Ländern auch, immer noch Inseln des freien Wortes. Ein Beispiel dafür ist das Onlineportal 24.hu, das frei von äusserer Einflußnahme arbeitet. Dieses Webseite besuchen täglich rund 600.000 Personen. Als Gegenbeispiel kann das Portal origo.hu angeführt werden, das Propaganda für die Regierung macht und täglich von rund 900.000 Menschen genutzt wird. Diese Zahl zeugt davon, dass es vielen Lesern nicht um möglichst objektive Informationen geht, denn diese sind nicht populär. Die Menschen möchten keine Schlüsse ziehen, sondern nur einfach Informationen in sich hinein fressen.

Es gibt noch ein anderes Problem: Die Aufdeckung von Mißständen, die ungarische Medien zu Tage fördern, führt sehr selten zu Veränderungen oder zu weiteren Ermittlungen vonseiten der verantwortlichen Strukturen.
Die ungarische Journalistin Anita Komuves, die ebenfalls mit Journalisten der Östlichen Partnerschaft zusammen arbeitet, findet, dass einzelne investigative Artikel ihres Portals ATLATSZO zu lang und zu langatmig seien. Doch natürlich gibt es Ausnahmen. Da gibt es zum Beispiel einen Artikel, der vor nicht zu all zu langer Zeit erschienen ist, der von Privatflügen des ungarischen Regierungschefs Viktor Orbán zu einem Fussballspiel handelt, das von bestimmten Leuten finanziert wurde. Fast alle anderen Medien haben diesen Artikel geteilt und sich auf ATLATSZO bezogen. Man muss allerdings anmerken, dass Anita Komuves eine Journalistin des Budapester Zentrums für Investigativen Journalismus ist, das Fakten über Organisierte Kriminalität und Korruption sammelt. Der Redaktion gehören zehn Mitarbeiter an, von denen sieben Journalisten sind, die andern jedoch Web-Spezialisten.

Wie finanziert sich die Redaktion? Aufgrund von Spenden und Zahlungen von Bürgern, denen die politische Entwicklung nicht gleichgültig ist. Sie unterstützen die Arbeit der Redaktion mit rund drei Euro pro Monat. Das ermöglicht es den Journalisten, rund fünf Nachrichtenartikel täglich zu produzieren. Größere Recherchen werden einmal pro Woche veröffentlicht. Das ist doch besser als nichts, oder?

In dieser und der kommenden Woche sind zum nunmehr einundzwanzigsten Mal Journalisten aus Osteuropa Gäste der taz Panter Stiftung, um sich kennen zu lernen, ihre Erfahrungen auszutauschen, Neues über Journalismus unter demokratischen und nicht mehr so demokratischen Bedingungen zu lernen. Weil es dieses Mal speziell um das Thema „Bedrohte Pressefreiheit“ geht, schauen die KollegInnen sich zunächst fünf Tage um in Budapest und kommen nächste Woche nach Berlin. In einem täglichen Blog berichten sie von dem Workshop, der auch aus Mitteln des Auswärtigen Amtes gefördert wird.

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