vontazpanterstiftung 24.06.2020

taz Panter Stiftung

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Corona hat unser Leben auf den Kopf gestellt und Privilegien geraten in den Fokus. Wie alte Probleme und unser Zusammenleben neu gedacht werden.

Wandel jetzt!

Seit dem Corona-Lockdown sind Armut, häusliche Gewalt und soziale Ungleichheiten stärker denn je sichtbar. In den Nachrichten werden die Ausbeutung von SaisonarbeiterInnen oder Sorgearbeit, die vor allem von Frauen getragen wird, heftig diskutiert. Die klare Botschaft: So kann es nicht weitergehen. Wir brauchen eine neue Machtordnung. Das fordern auch die vielen Menschen, die nach dem gewaltsamen Tod von Georg Floyd und trotz Corona auf die Straße gehen, um gegen Diskriminierung zu protestieren. Endlich wird über Alltagsrassismus und das Privileg, weiß zu sein, im öffentlichen Raum debattiert. Die Strukturen, die seit dem Kolonialismus unsere Gesellschaft prägen und bestimmen, brechen auf. Der Weg zu einer echten Gleichberechtigung ist ohne Frage lang, aber erste Schritte sind gemacht. Mut ist da, um Veränderungen umzusetzen.
Alexandra Amanatidou

Weichen gestellt

Corona ist eine Zäsur, es beginnt eine neue Ära. Die Pandemie hat Entwicklungen sichtbar gemacht, die bereits da waren. Jetzt werden die Weichen gestellt: Die Welt wird entweder gleicher oder ungleicher. Lippenbekenntnisse reichen nicht aus, es müssen sich kapitalistische Strukturen ändern. Eine wichtige Rolle spielt der Techniksektor. Er ist die Chance für eine neue Utopie, weg von Ausbeutung, hin zu mehr Gerechtigkeit. Oder das Gegenteil. Niemals zuvor gab es solche Möglichkeiten, den Fortschritt aktiv mitzugestalten. Zum Abbau von Ungerechtigkeiten gehört aber mehr als Diversitybeauftragte oder Nachhaltigkeitsberichte. Sonst bleibt es dabei, dass etwa Großkonzerne nichts an den Grundlagen ihrer Geschäfts­modelle ändern. Veränderungen im Machtgefälle erfordern eine Kehrtwende. Hoffen wir darauf, dass die Gesellschaft dies verstanden hat.
Katia Sophia Ditzler

Solidarität gefragt

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für Veränderungen. Doch kommen sie auch? Hoffentlich! Durch die Pandemie müssen wir Modelle der Fürsorge und der Verantwortung dringend neu denken. Dazu gehören etwa die Bedingungen in der Pflege oder die Arbeitsteilung innerhalb bestehender Familienmodelle. An wem bleibt unbezahlte oder niedrig entlohnte ­Sorgearbeit hängen? Corona zeigt, dass Frauen die größte Last tragen. Aber nicht nur das: Unter­schiedlichste Formen von Unterdrückung prägen unseren Alltag. Mehrfach marginalisierten Menschen muss in der Debatte um die Folgen von Corona mehr Raum zustehen. Wir brauchen deshalb ein intersektionales und feministisches Verständnis der Krise. Dann können wir neue, solidarische Bündnisse eingehen. Nur so kann eine Zukunft nach der Pandemie besser und gerechter für alle aus­sehen.
Ina Holev

Chance verpasst

Ein großes Unbehagen prägt diesen Sommer. Unternehmen geraten aus dem Gleichgewicht, die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander. Auch der Klimaschutz wird blockiert. Ein Beispiel: Das Kohlekraftwerk Datteln 4 geht – trotz scharfer Kritik – ans Netz. Von ökologischem Wandel ist keine Rede mehr. Corona hat die Abkehr vom Klimaschutz verschärft. Dabei sollte uns gerade die Pandemie bewusst machen, wie entscheidend Naturschutz und Biodiversität für das Weiter­bestehen der Menschheit sind. Nur wenn wir Ökosysteme erhalten, können wir die Ver­breitung neuer Krankheiten verhindern. Stattdessen wird illegaler Tierhandel weiter betrieben, die Abholzung des Regenwalds geht weiter, um Soja und Fleisch zu produzieren. Wir ziehen keine Konsequenzen, um die Natur zu schützen – und damit auch uns selbst.
Alina Ryazanova

Illustration: Ulrike Steinke


Dieser Text entstand im Sommer-Workshop 2020 der taz Panter Stiftung mit den Neuen Deutschen Medienmacher*innen. Alle Texte des Workshops finden Sie hier.


 

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