vonannette hauschild 10.11.2015

Sauerländische Erzählungen.

Annette Hauschild berichtet Interessantes und Wissenswertes über Strafverfahren sowie Weiteres aus dem Feld der inneren und äußeren Sicherheit.

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Am 25. September, einem Kurztermin, ging es erstmal um Asservate.

 

Johanna Boos berichtet

 

Die Beobachterin Johanna Boos ist das erste Mal in einem Gerichtssaal und betrachtet daher mit völlig unvoreingenommenem  Blick das Geschehen.

„Die Prozessbeteiligten erreichen den Saal II über den Haupteingang von Gebäude E. Der öffentliche Zuhörerraum wird über einen Nebeneingang auf der anderen Seite des Gebäudes in der Konrad-Adenauer-Straße erreicht. Neben der großen Metalltür des Zuhörer-Eingangs befindet sich ein Glaskasten, in dem die heutigen Termine angeheftet sind. Dort ist das Aktenzeichen vermerkt sowie die personelle Besetzung des Gerichts. Der Zuhörerraum ist durch eine Glaswand von dem eigentlichen Gerichtssaal getrennt.

Im Saal sitzen um 9 Uhr bereits zwei Mitarbeiter der Justiz und bewachen den Eingang. Es kommen zwei weitere Mitarbeiter hinzu und bringen Kaffee mit. Sie sind alle männlich.

 

Im Zuhörerraum sitzen vier weitere Personen: drei davon sind vermutlich Studierende, die in der Mitte des Raums sitzen und sich Notizen machen. Ein weiterer Zuhörer hat sich auf der Seite der Angeklagten positioniert. Einer der Anwälte scheint ihn zu kennen und nickt ihm zu, woraufhin dieser den Daumen hochreckt. (Eventuell kennt er die Angeklagten, aber noch gibt es keine eindeutigen Hinweise darauf.)

Einer der Angeklagten (schwarz, kurze dunkle Haare und kurzer Bart) betritt deutlich früher als die anderen den Gerichtssaal über den Haupteingang von links (handelt es sich um Omar D., der nicht in Untersuchungshaft sitzt?). Er blickt kurz in den Zuhörerraum, als er den Saal betritt, setzt sich auf einen Platz in der Anklagebank und wartet dann mit gesenktem Kopf bis einer der Anwälte hinzustößt. Die anderen Angeklagten betreten später den Saal durch eine Tür von rechts. Einer von ihnen ist weiß und hat blondes, langes Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden und einen kurzen blonden Bart (handelt es sich hierbei um Steven N.?). Einer der Angeklagten ist an dem Tag erkältet. Während der Verhandlung hält er ein Taschentuch in den Händen und putzt sich wiederholt die Nase. Unter den Anwälten der Angeklagten befindet sich nur eine Frau (blond, mittleren Alters, dunkle Hornbrille), die sich leise und offenbar vertraut mit ihrem Mandanten beratschlagt.“

An diesem Tag geht es um die Auswertung von  Datenträgern mit Videodateien, Nasheeds und Kampfgesängen, Videos mit Waffen etc.

Abdulla hatte  auf seinem Rechner, der ihm bei der Festnahme abgenommen wurde,  u.a. Texte von dem radikalen Prediger al Maqdisi, religiöse Abhandlungen und Texte zum bewaffneten Kampf, Handbücher zur Waffenkunde und Explosivstoffherstellung, das Inspire-Magazin.

„Außerdem konnten viele gelöschte Privatvideos ausfindig gemacht werden, z.B. Handyvideos der Familie bei Alltagstätigkeiten in Somalia,“ berichtet Johanna. „In einem Video bezeichnet die Mutter ihre Tochter als Kämpferin. Es existierte außerdem ein Abschiedsvideo des jungen Mannes an seine Familie, in dem er verkündete, er müsse arbeiten gehen und seine Wiederkehr sei ungewiss. Außerdem wurden Ordner zu Sprengvorrichtungen und Sprengladungen gefunden sowie Dateien über Munition, Waffenkunde, Waffenherstellung und selbstgefertigte Waffen, ein Dokument über Panzerabwehrraketen, ein Ordner namens „chemikalische Explosionsstoffe“ ohne Dateien/Inhalt. … Die Dateien sind nicht mehr aufrufbar. Des Weiteren wurde gefunden: Dokumente über die Herstellung afghanischer Minen, die Herstellung von Sprengstoffen mit einfachen Mitteln gegen Nicht-Gläubige und Juden sowie Dokumente, die vermutlich das Handbuch der Al Quaida darstellen. Im Juni 2014 wurden Dateien von Inspire, dem Online Magazin von Al Quaida, gespeichert und zu einem unbekannten Zeitpunkt wieder gelöscht. Es konnte bei der Untersuchung außerdem die Nutzung eines TOR-Browsers festgestellt werden.“

 

 

 

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