vonannette hauschild 27.01.2024

Sauerländische Erzählungen.

Annette Hauschild berichtet Interessantes und Wissenswertes über Strafverfahren sowie Weiteres aus dem Feld der inneren und äußeren Sicherheit.

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Bei den offiziellen Erinnerungen in Deutschland im Monat Januar  an die Nazi-Gräuel, die “Machtergreifung” im Reichstag und  weitere Ereignisse, die mit dem Nationalsozialismus zusammenhängen, wird  derzeit ein Datum nicht so herausgehoben: der 80. Jahrestag der  Befreiung der Stadt Leningrad, die Wiege der russischen Oktoberrevolution, durch die Rote Armee am 27. Januar 1944.

Vor drei Jahren war das noch anders. Damals gab es aus Anlass des 80. Jahrestages des Beginns der Blockade zahlreiche Berichte in den deutschen Medien über dieses Kriegsverbrechen der Nazis.

Die taz-Autorin Erica Zingher hat dem 80. Jahrestag des Beginns der Blockade 2021 am 8. September 2021 einen sehr ergreifenden Artikel über Überlebende gewidmet. Die taz hat in mehreren Beiträgen ausführlich berichtet.

Und heute natürlich die Junge Welt, das Neue Deutschland, Consortium News und die Süddeutsche Zeitung sowie weitere linke und linksliberale Medien, wie Telepolis.

ARTE sendet am 2. Februar die Doku “Leningrad. Stimmen aus einer belagerten Stadt”   (jetzt schon online bis zum 14. Januar 2025)  aus der Sicht von EinwohnerInnen, Kameraleuten, FotografInnen, SchriftstellerInnen, KünstlerInnen, Kindern und Erwachsenen, die in Tagebüchern und Fotoaufnahmen die Belagerung und den Überlebenskampf in der Stadt ungeschönt und gar nicht im Sinne der heroischen Nachkriegspropaganda  beschreiben. Sehenswert, finde ich.

Trotzdem fehlt mir etwas: eine Sondersitzung des Bundestages, zum Beispiel. Ein öffentliches feierliches Gedenken in der Bundesrepublik. So wie bei den Auschwitzgedenkveranstaltungen.

Heute eröffnet die Webseite des Auswärtigen Amtes prominent und im Großformat mit  einer Erklärung  derzufolge Deutschland sich weiterhin zu seinen Kriegsverbrechen bekenne. “… als Geste der Versöhnung und des Erinnerns fördert die Bundesregierung zum einen die Modernisierung eines Krankenhauses in St. Petersburg. In diesem Krankenhaus werden zahlreiche noch lebende Blockadeopfer behandelt. Zum anderen fördert die Bundesregierung in St. Petersburg Begegnungen mit Blockadeopfern. Dabei sollen junge Menschen mit den Überlebenden in den Austausch kommen, die Erinnerung an die Blockade soll gestärkt und weitergegeben werden.” 

Und:

“Deutschland steht zu seiner historischen Verantwortung und setzt diese Maßnahmen – trotz des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine – weiter fort.”

Gleich auf der Startseite weiter unten befinden sich die Reisewarnungen nach Ländern sortiert. Und dabei auch eine Reisewarnung für Russland.

Das Auswärtige Amt rät zur Zeit von Reisen in die Russische Föderation ab. Gründe: allgemeine Sicherheitslage, der Angriffskrieg gegen die Ukraine, Gefahr von Terrorismus, Sabotageakten und Partisanenaktivitäten sowie von Terroranschlägen islamistischer Rebellen aus dem Kaukasus sowie bei Doppelstaatlern Gefahr willkürlicher Verhaftungen aufgrund von Äußerungen in sozialen Medien.

Der Botschafter in Moskau, Alexander Graf Lambsdorf,  nahm an der russischen Gedenkfeier anläßlich des 80. Jahrestages der Befreiung der Stadt an der Newa teil.

Interessant ist auch ein Interview Lambsdorfs mit einem russischen Sender  über die gegenwärtigen deutsch-russischen Beziehungen.

Die Deutsche Botschaft in Moskau schrieb noch vor drei Jahren, am 27. Januar 2021 auf ihrer Internetseite über das Projekt “Humanitäre Geste”  

“Vor genau zwei Jahren haben Bundesminister Heiko Maas und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow mit einer gemeinsamen Erklärung die Entscheidung der Bundesregierung für eine freiwillige humanitäre Geste gegenüber den noch lebenden Blockadeopfern, in Anerkennung der Verantwortung für das im deutschen Namen begangene Unrecht, begrüßt. Die Geste besteht aus Leistungen zum einen für die Modernisierung des Krankenhauses für Kriegsveteranen, zum anderen für die Einrichtung eines deutsch-russischen Begegnungszentrums für die russische und deutsche Öffentlichkeit sowie die Blockadeopfer in St. Petersburg. In den ersten zwei Jahren der Umsetzung dieser humanitären Geste hat Deutschland die Rehabilitationsabteilung des Krankenhauses für Kriegsveteranen mit neuesten, dringend benötigten Gerätschaften ausstatten sowie zahlreiche Begegnungsveranstaltungen zwischen Vertretern der Blockadegeneration aus dem früheren Leningrad und jungen Menschen aus Deutschland und Russland durchführen können. Bis heute konnten so bereits 3,1 Mio. Euro für die Geste verwendet werden. Deren weitere Umsetzung wird trotz der Corona-Pandemie entschlossen fortgeführt.

Wir sind zuversichtlich, dass diese freiwillige Aktion die Lebensqualität der noch lebenden Blockadeopfer verbessern wird und der historischen Aussöhnung zwischen den Völkern beider Länder als Grundlage der bilateralen deutsch-russischen Beziehungen in der Zukunft dient.”

Vorausgegangen war dieser Übereinkunft eine Beschwerde von Überlebenden der Blockade, dass sie, wie die jüdischen Nazi-Opfer auch, eine Entschädigung bekommen wollten, die Bundesrepublik aber eine monetäre Entschädigung für Einzelpersonen ablehnte.

Die Wehrmacht, spanische Freiwilligenverbände (die Blaue Division)  und finnische Truppen hatten etwa 28 Monate lang die Stadt fast komplett abgeriegelt. Es gab zwischen 800.000 und einer Million Todesopfer durch Bombardierung, Hunger, Krankheiten und Kälte.

 

Links:

Leningrader Blockade – Wikipedia

Heeresgruppe Nord – Wikipedia

Zweiter Weltkrieg: Warum Leningrad belagert und nicht erobert wurde – WELT

LeMO Der Zweite Weltkrieg – Kriegsverlauf – Belagerung von Leningrad (dhm.de)

Über das Projekt (drb-ja.com)

Klub “Raduschije” (youtube.com)

 

 

 

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