Klaus Volland, Kleine neue Welten, Limericks September 2026

Ernst Volland Zeichnung 1965
Warum in die Ferne schweifen?
Warum nach den Sternen greifen? Die kleine Kellermaus
bleibt lieber zu Haus.
Denn auch hier lässt sich das Glück ergreifen.
Neulich traf ich den wackeligen Uz
am Kai von Santa Cruz.
„Was machst du denn hier auf Teneriffa?“
„Wie du weißt, bin ich ein Kiffer.“
Ich sagte nur: „Enthaltsamkeit tut’s!“
Gestern traf ich Frau Deppe
auf der Hintertreppe.
Sie fragte mich nach der Zeit.
Ich sagte: „Irgendwann ist es so weit.“
Da stürzte Frau Deppe von der Treppe.
Ernst Volland Zeichnung 1965
Er war ein Bär
und ein richtiger Er.
Sie war eine richtige
Sie und trank nur Tea.
Er trank sogar Teer.
Kürzlich sprang ich in einen Teich
und fiel ganz weich.
Ich fiel auf lauter zarte Nixen,
die hatten nix on.
Ach, war das freudenreich!
In meinem Hintergarten
saßen zwei Literaten
und stritten über Henry Miller.
Ich sagte: „Trinkt erst mal diesen Tequila!
Der Miller, der kann warten.“

Ernst Volland Zeichnung 1966
Wotan schaute sich
wieder mal seinen Kot an.
„Die Sache stinkt,
sagt mir mein Instinkt.
Wir bauen hier einfach zu viel Pot an!“
Wir alle kennen die Aufforderung auf dem Regierungsplakat
„Vollzieht nach diesen Spagat!“
Doch wir können unseren Leib zum Verrecken
nicht spagatmäßig strecken.
Da hast du nun den Salat, lieber Potentat!
Peter war groß und drahtig,
seine Braut Paula klein und eher phlegmatisch.
Neulich wollte Peter etwas springen lassen
und segelte mit ihr zu den Monegassen.
Doch Paula bewegte sich zu keinem einzigen Spieletisch.
Eine Gruppe von Braunschweigern
traf eine von Blauschweigern.
Beide Gruppen schwiegen vor sich hin,
bis einer sagte: „Ich habe Gin!“
Da konnten sie das Schwatzen nicht länger verweigern.
Ernst Volland Zeichnung 1966
Heiter dahin lebte einst Lukas,
da traf auch ihn der Ukas
des Moskowiter Zaren:
„Alle Männer haben an die Front zu fahren!“
Lukas fuhr lieber zu den Bermudas.
Ich kaufte mir einen Spaten
und ging damit in unseren Garten,
buddelte ein tiefes Loch
und rief: „Also doch!
Da unten liegt Athen!“
Ich fuhr wieder mal einen Tick zu schnell
und raste in ein Rondell.
Von meinem Wagen blieb nicht viel übrig,
und ich bin seither ziemlich tüdelig.
Das nächste Mal nehme ich ein anderes Modell.
Ernst Volland Zeichnung 1966
Kürzlich fand man in Drochen
wieder mal ein paar uralte Knochen.
Nun steht unbestreitbar fest:
Hier feierte der Kaiser einst ein Fest.
Die Archies sagen, das hätten sie schon längst gerochen.
Vorhin sah ich ein Ren,
das kann man selten sehen.
Meistens sieht man Rene zusammenstehen oder -gehen.
Ein Renclub, nicht ein Solo-Ren.
Hubert und Serge,
zwei Zwerge,
verloren sich im Riesenland
und verunglückten an der Felsenwand.
Für sie gab es keine Särge.
Ernst Volland Zeichnung 1965
Es war einmal ein Gernegroß,
der stand auf der Bühne von Davos.
Doch seine Sangeskunst
fand nicht der Schweizer Gunst.
Da höhnte er: „Ich spiel’ bald in ganz anderen Shows!“
Es war einmal ein Huhn,
das lebte beim Bauern Kuhn.
Es trainierte für die Geflügelolympiade in Apenrade
und nannte sich Arkadia Kuhn.
Es war einmal ein Frosch,
der jeden Tag sein Weib verdrosch.
Doch dann erfand sein Weib
einen neuen Zeitvertreib,
indem sie Tag für Tag den Frosch verdrosch.
Er nahm den allerletzten Zug
und tat dort seinen letzten Atemzug.
Hätte er den Abendzug genommen,
wäre er heil nach Haus gekommen
oder säße froh im Krug.
Ernst Volland Zeichnung 1965




