vonDetlef Guertler 27.07.2006

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Gerade erstmals ein Firmenschild gesehen, auf dem nicht „& Co.“ stand, sondern „& Ko.“. Okay, es war das Firmenschild einer Kneipe in Kreuzberg, aber trotzdem warf es mir die Frage auf, warum wir etwas, das irgendwann einmal ausgeschrieben „und Consorten“ hieß, heute immer noch & Co. abkürzen. Seit Jahrzehnten, ach, Jahrhunderten, heißen die Consorten, so man sie überhaupt benutzt, natürlich Konsorten, es wäre also nichts natürlicher, als aus dem Co. ein Ko. zu machen. Einige Verfechter des Ko. gibt es auch tatsächlich schon, aber bei Google (nur deutschsprachige Seiten) sind sie etwa 114.000 zu 54.300.000 in der Minderheit.
Könnten sich nicht eine der drei Oppositionsparteien damit profilieren, bei der nächsten Reform des Handelsgesetzbuchs die Umbenennung der „GmbH & Co. KG“ in eine GmbH & Ko. KG“ zu beantragen?

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https://blogs.taz.de/wortistik/2006/07/27/ko/

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kommentare

  • Aller Logik nach sollte, was sich „Ko“ spricht auch Ko. schreiben. Und vom K.O. (Ka-O??) ist das „& Ko.“ ja noch durch die Punkte zu unterscheiden.

    Apropo: Warum schreiben wir eigentlich überhaupt immer noch so viele Buchstaben, die wir gar nicht sprechen. Das ist ja schlimmer als bei den Peharaonen in den Püppsilonramieden mit ihren Hieroglüppsilonpeha… Ein einfaches „Apropo [ohne s] Faraonen, Püramieden und Hieroglüfen“ täte es doch auch.

  • Also, ich glaube nicht, daß das HGB das abschließend regelt.
    Die Firma darf nur nicht irreführend genannt werden.

    So sind Namen wie „Schulz & Söhne“, „ABC & Cie“, „XYZ AG & Brüder“ möglich.

    Einer Bereichnung „Wortistik GmbH & Kompagnon“ kann allenfalls das Handelsregister mit Verordnungen entgegentreten, Gesetzeswortlaut (HGB) ist das nicht.

  • Hm, ich denke das Co. mit C lag wohl an der damaligen Mode, das HGB ist von 1897, der Vorgänger davon (ADHGB) von 1861. Beide wurden stark von italienischem und eben auch französischem Recht beeinflußt.

    Da das HGB eben genauestens vorschreibt wie die Firma gebildet wird, hält sich das C halt.

  • Ko, als Wort, also keine Abkürzung, ist ein japanischer Begriff aus den Regeln des Go-Spiels (wie z.B. auch „Atari“). Es beschreibt eine Spielsituation mit Sonderregeln, weil sonst eine Endlosschleife entstünde, in der sich die Spieler immer abwechselnd einen Spielstein wegnehmen…

    Wäre also für manche Firmen passend (bei Nepp, Telefonendloswarteschleifen etc.), müsste nur der Punkt weg.

    Alternativ: „& co.“ eretzen durch „usw.“ ?

  • Ko oder gleich KO ? Das sollte als schlagendes Argument gegen die Änderung ausreichen. Bleiben wir bei Co. oder Cie. Und KO-Gebühren zahlen wir doch schon genug. Und wenn es zuviele Gebühren werden, dann greift das, was früher KO (Konkurs-Ordnung) hieß. Es muss alles eine Ordnung haben.

  • Vielen Dank für die Aufklärung. Wieder was gelernt. Allerdings wird auch Kompanie und Kompagnon schon seit längerem eher mit K geschrieben – den Antrag auf Umbenennung in & Ko. halte ich also weiter aufrecht.

  • Consorten?

    Nee, das heißt Compagnie. Schließlich wird es teilweise heute noch als Cie. abgekürzt, was in CH sogar recht gängig ist. Das allseits beliebte Compagnon hat ja den selben Wortstamm.

    Bsp: Bankhaus Sal. Oppenheim jr. & Cie.

  • Gute Idee! Die drei „Oppositions“-Parteien sollen sich mit der dito Umbenennung profilieren, die Kompetenz bringen sie mit: sind doch selber schon k.o.
    O.k.??!

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