vonDetlef Guertler 28.07.2006

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Der Duden ist ja völlig zurecht sehr knausrig in der Übernahme von Markennamen. Mercedes-Benz ist drin, Karstadt hingegen nicht, und Ikea auch nicht (weder versal noch unversal). Umso überraschender, dass der Markenname eines daran gemessen völlig unbedeutenden Produkts den Duden ziert: Payback. Und das sogar gleich in vierfacher Ausfertigung. Der komplette Eintrag lautet: Pay-back, Payback, das; -s (engl.) (Rückzahlungs- und Bonussystem); Pay-back-Karte, Paybackkarte (Kundenkarte, mit der beim Einkauf Rabatte erworben werden können.
Was soll das bitteschön? Payback ist nicht besser und nicht schlechter als all die anderen Rabattsysteme auch, es wird bislang allenfalls gelegentlich als Synonym für die ganze Gruppe von Rabattkarten (so, und nur so, hat das auf deutsch zu heißen! So steht es allerdings nicht im Duden, der ist bei den Rabattmarken des Wirtschaftswunders stehen geblieben) gebraucht und ist m. E. weit davon entfernt, vom Markenzeichen zum Gattungsbegriff zu werden (so wie es AEGs Fön in den 20er Jahren ging). Also handelt es sich bei der Aufnahme des Paybacks in den Duden entweder um vorauseilenden Gehorsam oder um hemmungslose Anglifizierung oder da ist irgend etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen. Gehört der Dudenverlag auch zu den Unternehmen, die Payback akzeptieren? Sitzt einer der Payback-Chefs im gleichen Kuratorium wie der Duden-Chef? Oder hat sich ein Duden-Redakteur dafür bezahlen lassen, das Wort durch Dudung zu adeln und ihm damit einen Wettbewerbsvorteil im Kampf um die Rabattkartenkunden zu verschaffen? Egal wie, das Wort hat aus dem Duden zu verschwinden, und zwar dalli!

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https://blogs.taz.de/wortistik/2006/07/28/payback/

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kommentare

  • „Egal wie, das Wort hat aus dem Duden zu verschwinden, und zwar dalli!“
    und ist es dalli verschwunden? – schade, der letzte satz zieht den artikel runter, nimmt ihn den schwung, reduziert ihn auf die drei – oder sind es vier- glieder des zeigefingers, die sich mühen, den abzug durchzuziehen, auf dass der geist das rohr verlasse und den duden-autor ver…

  • Florian Langenscheidt ist alles zuzutrauen. Sein unsägliches Machwerk zur „Deutschlandliebe“ besteht wohl hauptsächlich aus der Aufzählung von Markennamen. Da hat er das gleich an den Duden weitergereicht. Die letzten „Institutionen“ verlieren ihre Neutralität und verkommen zu Marketingopfern. Schön, dass Sie „zurückzahlen“.
    Polyphem (Ich mag keine „Blender“.)
    P.S.: Ich bin nicht Deutschland

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