vonDetlef Guertler 20.12.2006

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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In der verkehrspolitischen Fachsprache ist dieses (jetzt in der Wortwarte aufgetauchte) Wort schon länger gebräuchlich, in den Grundwortschatz will es aber nicht so recht einsickern. Aber spätestens wenn hierzulande die Pkw-Maut auf den Autobahnen eingeführt wird, ist es soweit: Die bislang verwendete Alternative „mautpflichtig“ ist so umständlich-gestelzt, dass sie sich nur so lange halten kann, wie kaum jemand diese Eigenschaft beim Namen nennt.

Und eigentlich könnte dem Wort-Dreiklang bemauten, bemautet und Bemautung eine noch viel größere Bedeutung zukommen. Das Wort Maut wird zwar nur in Zusammenhang mit Wege-Gebühren verwendet, aber das für andere Arten von Gebühren verwendete Wort (Gebühr) hat den großen Nachteil, dass sich dazu weder Verb noch Partizip bilden lassen: gebühren und gebührt heißt eben etwas ganz anderes, und die Notlösung „vergebühren“, „vergebührt“ und „Vergebührung“ sind nun wirklich eher Not als Lösung.

Da könnte man doch eigentlich der an sich ja ganz brauchbaren „Gebühr“ das Verb „bemauten“ (und vielleicht auch noch das die Handlung anzeigende Substantiv „Bemautung“) zur Seite stellen. Der allquartärliche Gang zum Hausarzt ist dann genauso bemautet wie die Ausstellung eines neuen Reisepasses, und ein paar Jahrzehnte später löst dann die gute alte Maut die Gebühr völlig ab – irgendwie hat auch jede Gebühr etwas mit Wegelagerei zu tun.

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https://blogs.taz.de/wortistik/2006/12/20/bemautet/

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kommentare

  • Mein Leben ist versaut.
    Ich fühle mich beklaut.
    Liegt das an der Maut?

    Wie sie mich abkassieren
    Mit Zoll und mit Gebühren
    Das wird mich ruinieren.

    Den Rest von meiner Heuer,
    Den nimmt mir noch die Steuer.
    Das Leben ist so teuer.
    🙁

  • Hmm, so als Meta-Anregung: vielleicht sollten Sie ihr Kategorien etwas unterteilen und zu den Neubewortungen noch die „Beverbungsmappe“ hinzufügen, da kommen dann alle Verben rein 😉

  • Es geht wieder um die leidigen »Mautobahnen«. Das Wort »Maut« hat etwas negativeres im Sinn: Ich denke da an einen Atlas in dem neben der österreichischen Brennerautobahn (A13) »Maut« steht, neben der italienischen (A22) hingegen »Gebühr«… Wenn aber alles »Maut« sein soll, na vielleicht erreicht man das dann durch die Unterscheidung in »Maut« und »Mauterei«?

    Ich für meinen Teil will weiterhin differenzieren: Solange eine Gebühr aber nicht übermäßig hoch ist, erhalte ich ja auch etwas dafür. Vielleicht würde sich auch die ein oder andere Blockade bei der Autobahnplanung in Luft auflösen, wenn die entsprechenden Gemeinden einen Anteil an den Einnahmen erhalten würden? Warum machen wir nicht gleich eine »Deutsche Verkehrswege e.G.« daraus? In jedem Fall wäre mir das sympathischer als das Finanzamt in grüner Uniform: Das nenne ich Wegelagerei.

    Gruß aus dem Allgäu, W. Wilhelm

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