vonDetlef Guertler 12.02.2007

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Nein, wir gehen nicht so weit wie jener Leser der Rheinischen Post, der die Herren von der Aktion Lebendiges Deutsch des „Sprach-Spams“ bezichtigte, nur weil sie gerne ein deutsches Wort für „Spam“ finden möchten. Aber wir sind dennoch nicht bereit, an dieser Suche teilzunehmen.

Nicht etwa, weil Ih-Mail, Müllmail o.ä. nicht auch eine gewisse Existenzberechtigung haben könnten, sondern weil es sich hier meines Wissens um das einzige Wort im deutschen Sprachgebrauch handelt, das wir einem Sketch von Monty Python verdanken – einem Restaurant-Sketch nämlich, in dem etwa hundertmal dieses Wörtchen vorkommt, das erstens ein Markenname für Dosen-Frühstücksfleisch ist und zweitens mal die Abkürzung für „spiced ham“, also gewürzten Schinken war.

Spam ist auch im Englischen „nur“ ein Slang-Begriff für etwas, was offiziell „Unsolicited commercial Emails“ (UCE) heißt. Wobei spam sowohl lautlich ganz hervorragend passt als auch überall hin gebeugt und gedehnt werden kann – sowohl der Spamfilter als auch das Verb spammen oder die Personifizierung Spammer gefallen mir gut. Dazu noch die Monty-Python-Herkunft, und es gibt keinen Grund, hier irgendeinen Änderungsbedarf zu sehen.

Schwankend würde ich erst, wenn Harald Schmidt oder Dieter Nuhr eine Eindeutschung für Spam anbieten würden. Beide hätten es nämlich schon längst verdient, mit eigenen Wörtern die deutsche Sprache zu bereichern. Da bei der Aktion Lebendiges Deutsch jedoch keiner dieser Herren mitmacht, wird sie diesen Monat ohne meine Teilnahme auskommen müssen.

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https://blogs.taz.de/wortistik/2007/02/12/spam/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • […] Sie kümmern sich liebevoll um den korrekten Sitz der Gliedmaßen, ereifern sich über Behandlungsfehler und tragen ihre Geschichte weiter. Auf einige der Besucher ist die Sprache ganz besonders stolz. Sie wollen Schätze aus der Vergangenheit bewahren. Manche Sprachschützer haben sich gar zu Artisten des Wortes entwickelt, andere sehen es als lohnenswerte Aufgabe an, unsinniges Wortgut anzuprangern. Was die Sprache am meisten freut: Unter den Besuchern sind immer mehr jüngere Menschen. Das gibt ihr Hoffnung für die Zukunft. […]

  • […] Netzpest Ich gebe zu, ich war zu hart. Zu hart zu den Kollegen von der Aktion Lebendiges Deutsch und ihrem Versuch, eine Eindeutschung für Spam zu finden. Der eigentliche Zweck dieser Suche ist zwar erwartbar misslungen: E-Müll ist uncharmant und klanglich sperrig, chancenlos gegen das schlängelnd-zischende Spam. Insoweit kann ich mich also mit meiner letztmonatigen Einschätzung bestätigt fühlen: “Es gibt keinen Grund, hier irgendeinen Änderungsbedarf zu sehen.” […]

  • Ach, Monty Python sind in den Kreisen, die die Rechenzentren bevölkern, sehr beliebt. Es gibt da diverse Insiderwitze, beliebt sind da vor allem die Steinigungsszene (Jeder nur einen Stein, Hat er etwa Jehova gesagt?) sowie besagter Spam-Sketch. WIMRE spielte ja John Cleese einen Deutschen, der dann Spam bestellte und von den Wikingern rausgeworfen wurde.

    Der Begriff UCE wurde erst geprägt, als Spam schon Gang und Gebe war, er trat mit der AOL-sierung des Usenet 93 oder 94 ein. Die Firma, die Spam herstellt wollte vor ein paar Jahren klagen, weil sie ihre Wortmarke in Gefahr sahen, aber inzwischen denkt wohl nur noch eine Minderheit bei Spam an ekliges Dosenfleisch.

    Übrigens, ähnlich beliebt sind noch Adams‘ Discworld und der Herr der Ringe in der Szene. Die tauchen sehr oft als Zitat in Kommentaren in Quelltexten auf 😉

  • Aber nein, werter Herr Reyntjes,
    als Sprachmeister erkenne ich niemanden an. Meister der deutschen Sprache sind die Deutschen, und ich will ihnen (und Ihnen) weder etwas verbieten noch vorschreiben, sondern Anregungen geben. Anregungen, sich mit der eigenen Sprache zu beschäftigen, gerne durch Verwendung neuer Wörter.
    Und was die Herren Nuhr und Schmidt angeht, so würde ich es ihnen schlicht gönnen, mit einem Neuwort in unseren Wortschatz einzugehen. Bezüglich der von Ihnen verwendeten Neuwörtern mubbeltär, hingemuckt, hingemört, maben, einmerken, bemeit und Gemirn glaube ich hingegen nicht, dass sich eines davon in unseren Wortschatz einschmeicheln wird – was ich bei „mubbeltär“ ein bisschen schade finde.
    Aber nur ein ganz kleines bisschen.

  • Harald Schmidt oder Dieter Nuhr würde Wortistik-Fritzchen als Sprachmeister anerkennen. Bbbbrriiiiimaa, Betlef!!

    Vielleicht sollte er nur noch reagieren, wenn diese Sprachler was veröffentlicht oder kreiert haben – und selber ganz schweigen!
    Damit er nicht zu viel taz-Müll produziert!

    P.S:
    Dass er an Monthy Sowieso-Schei…-Spässkes erinnert, verzeihe ich ihm; da muss er noch sehr mubbeltär hingemuckt und hingemört maben, um sich das einzumerken in seim SPAM-bemeites Guertler-Gemirn!

  • […] Die meisten von uns kämpfen täglich mit Spam (ich habe letzte Woche darüber geschrieben), die „Aktion lebendiges Deutsch“ kämpft diesen Monat mit dem Wort „Spam“. Der Wortistiker findet, dass kein neues Wort hermuss, da „Spam“ sowohl lautlich als auch inhaltlich passt. Ich stimme zu, bemerke aber gerade, dass ich in meinem Beitrag letzte Woche eine Reihe von Synonymen verwendet habe — nicht aus sprachbewahrerischem Eifer, sondern um den Text etwas abwechslungsreicher zu gestalten. Die „Aktion lebendiges Deutsch“ kann sich die Synonyme gerne hier abholen. Neben Spammail (5x) und Spam (4x) habe ich verwendet: Werbemail und unerwünschte E-Mail (je 2x), digitaler Werbemüll, elektronische Wurfsendung, Sülzmail und Werbebotschaft (je 1x). Außerdem hatte ich noch E-Müll und Müllmail auf meiner Liste, sie kamen mir dann aber zu neckisch vor, um sie zu verwenden. […]

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