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vonDetlef Guertler 12.04.2007

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Es ist zwar kein neuer Trend, den eine britische Meinungsumfrage entdeckt hat: Viele Menschen vergeuden viel Zeit im Internet. Aber wenn schon der Trend nicht neu ist, kann man ihm ja wenigstens ein neues Wort widmen, vielleicht wird das ja aufgegriffen von den vielen Leuten, die so viel Zeit im Netz verdaddeln. Das Wort heißt wilfing, wurde tatsächlich von Spon bis bildschirmtext aufgegriffen, und versteht sich als Abkürzung für „(what) was I looking for?“

Das mit der Abkürzung kann man gerne sofort vergessen, aber in der Tat handelt es sich hier um eine (Un-)Tätigkeit, für die es bislang noch kein eigenes Wort gibt, sondern die eher mit Wortkombis wie „zielloses Surfen“ oder umherbrowsen beschrieben wird. Angesichts der Tatsache, dass es sich hier wohl um die mit Abstand produktivitätssenkendste Tätigkeit in deutschen und anderen Büros handelt, wird es aber höchste Zeit für ein eigenes, kampagnengeeignetes Wort: So wie Angestelltengewerkschafter das Wort „Mobbing“ erfunden haben, um dagegen zu kämpfen, müssten Arbeitgebergewerkschaften jetzt den Kampf gegen das Wilfing eröffnen, um ihre mit teuer Geld bezahlten Beschäftigten endlich wieder dazu zu kriegen, etwas zu arbeiten.

Mir gefällt das Neuwort in der eingedeutschten Verbform wilfen am besten. Da klingt es noch so ein bisschen gemütlich, fast flanierend. Und ein bisschen vom Flanieren hat es ja auch, wenn man sich ziellos im Netz herumbewegt, hier und dort einen Moment verweilt, nur um gleich danach ebenso sinnlos weiterzutändeln. Eben zu wilfen.

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kommentare

  • Heute gibts auf der Startseite bei Studivz eine Gruppe die sich „Ich muss mehr schlafen, weil ich wach nur Blödsinn mach!“ nennt. In der Gruppenbeschreibung kommt das Wort „wilfen“ vor. Vielleicht deshalb?lg

  • Kann mir irgendjemand von den vielen Dutzend Leuten, die heute bei Google nach „wilfen“ gesucht haben und hier gelandet sind, bitte erklären, warum ausgerechnet am 12. August 2009 dieses Verb solche Aufmerksamkeit erhält? Danke im voraus.

  • Da bedanke ich mich für die Neu-und Altwörter. Insbesondere für die unaufgeregte, informierte Wortkunde.

    Ich erfreue und chille mich gerne ein beim Wortisten. (Das Wort musste ich erst bei meiner Tochter lernen. In meinem Schulwörterbuch von Langenscheidt – aus dem Vorjahrhundert: 1962 – fand ich nur Unpassendes; da demonstrierte es mir das Kind meines Leibes und Geistes; und ich suchte nach und las aus dem Duden 2006 vor.)

  • Bevor ich mich derart herausgefordert über die Zukunft äußere, nehme ich die Gelegenheit gerne wahr, mich angesichts dieser von mir zuerst gar nicht bemerkten Rundung bei all jenen zu bedanken, die durch Lesen, Denken und Schreiben zum Nutz- und Unterhaltungswert dieses Blogs beigetragen haben und bitte auch weiterhin beitragen. Dankeschön.
    Und auch wenn es immer wieder Unmutsäußerungen über hier veröffentlichte längere Listen gibt, wage ich es erneut, hier aus diesem Anlass gleich zwei Listen zu zeigen:

    I. Die Wortistik-Leser mit den meisten Kommentaren:

    1. polyphem: 174
    2. kaishakunin: 131
    3. Wolfgang Wilhelm: 70
    4. Christian Dombrowski: 69
    5. Boris Schlüszler: 52
    6. Antoninus: 47
    7. Coulibaly: 21

    II. Die Wortistik-Leser mit den meisten Eigenwort-Vorschlägen:

    1. Christian Dombrowski: 37
    2. Wolfgang Wilhelm: 7
    2. Kaishakunin: 7
    4. Marc Gerke: 4
    5. Polyphem, Boris Schlüszler, Michael Staub, Hartmut Bohn und Sunny: je 1

    Alle Angaben sind natürlich wie immer ohne Gewähr und beziehen sich auf den Zeitraum vom Beginn der Wortistik bis zum 11. April 2007, der Rechtsweg ist ausgeschlossen, vielen Dank allen Beteiligten.

  • Man muss die Feste feiern wie sie fallen – heute ist gewiss ein kleines Innehalten und Gratulieren angebracht: Das 400. Wort! Herzlichen Glückwunsch, Herr Gürtler – und das neben einem anstrengenden Berufs- und anregenden Familienleben zwischen Deutschland und Spanien! Sich dabei an (nahezu)jedem Tag ein neues Wort einfallen zu lassen und mit ein paar Zeilen zu bedenken, ist keine Kleinigkeit. So ist die Wortistik, vierhundertbeinig, inzwischen gut aufgestellt. Schade aber, dass das halbe Tausend wohl nicht voll werden wird. Denn wie Sie mir im Herbst gesagt haben, wollen Sie das Blog genau ein Jahr führen, also bis zum 21. (oder 20.?) Juni. Oder denken Sie heute anders?

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