vonDetlef Guertler 01.05.2007

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Ein süßes Wort. Wie Monotonie, nur mit mehr PS. Und da eine der liebsten Floskeln im Beraterdeutsch heißt, dass es darum gehe, die PS des Unternehmens auf die Straße zu bringen, gehört auch die Monopsonie nicht ins Reich der Zwischenmenschlichkeit, sondern in das der Ökonomie. Schon 1933 soll eine gewisse Joan Robinson sie erfunden haben, Ökonomin natürlich, als Begriff für ein Monopol auf Käuferseite. Das so selten vorkommt, dass das Wort, anders als das Monopol, nie aus dem Käfig des BWL-Seminars entfliehen konnte.
Und jetzt kommt Wolfgang Neunmalklug Münchau, FTD-Ex-Chef und Noch-Kolumnist, und erklärt uns, dass deutsche Firmen in Monopsonien besonders stark vertreten sind. Siemens vor allem. Nicht ganz so kluge Menschen wie Münchau nennen die Monopsonie (oder das Monopson, die Ökonomen sind sich da nicht ganz einig) schlicht „Behördenmarkt“ – und während die Bekämpfung der Monopole ein starkes Kartellamt braucht, benötigt man für den Umgang mit Monopsonien offenbar gut gefüllte schwarze Kassen.

Wenn in den kommenden Monaten die von mir bekanntlich hoch geschätzte Siemens AG ihre privatwirtschaftliche Existenzberechtigung verlieren sollte, gäbe es deshalb eine besonders coole Rettungs-Variante: Der Staat übernimmt Siemens und wandelt den Konzern in eine Anti-Monopsonie-Behörde um. Sollte sich jemand darüber beschweren, dass dadurch der Bock zum Gärtner gemacht werde, lese er sich bitte die Geschichte von der Gründung der heute so großartigen US-Börsenaufsicht SEC durch.

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