vonDetlef Guertler 10.05.2007

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Früher waren es nur die Terror-Kommandos, die sich für einzelne Aktionen jeweils einen eigenen Namen gegeben haben. Heute machen das auch die Vertreter des staatlichen Gewaltmonopols. Eine der ersten Amtshandlungen, die der Rostocker Leitende Polizeidirektor Knut (ooh, wie süüüß)!) Abramowski vornahm, als ihn im September 2005 der Auftrag erteilte, den G 8-Gipfel in Heiligendamm zu schützen, war eine solche Namensgebung: Kavala heißt dieses Großprojekt der Mecklenburger Polizei.

Die knutige Begründung für diesen Namen: „Kavala ist eine nordgriechische Stadt, die ebenso wie der Tagungsort Heiligendamm die „weiße Stadt am Meer“ genannt wird.“ Und weil man so einen großartigen Namen für diese großartige Aktion gefunden hat, gibt es jetzt gibt es nicht nur eine eigene Kavala-Homepage, es gibt auch ein Kavala-Logo (zwei ineinander verschlungene Bumerangs) und sogar ein 24seitiges Kavala-Journal (pdf).

Ein bisschen schade ist natürlich, dass sich im ganzen weiten Internet niemand außer Herrn Abramowski gefunden hat, der Kavala die „weiße Stadt am Meer“ nennen würde. Es gibt ein paar Google-Treffer für die „azure town“, also die blaue Stadt Kavala, die Homepage der Stadt Kavala selbst erzählt überhaupt nichts von Farben (dafür aber von der starken Arbeiterbewegung, die es hier vor einem Jahrhundert gab, als Kavala ein Zentrum der griechischen Tabakindustrie war).

Ob Abramowski seine G-8-Hundertschaften zärtlich Kavalarie nennt, wissen wir nicht. Wir haben allerdings so eine leise Ahnung, dass sie noch in die eine oder andere Kavalarei verwickelt werden wird.

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https://blogs.taz.de/wortistik/2007/05/10/kavalarie/

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kommentare

  • Das war der Gipfel.

    Düsenjäger –
    geht auch ohne Flugzeugträger
    Jung ließ die Tornados los.
    Der Gegenwind war nicht sehr groß.
    „Gaga“, sprach Herr Wiefelspütz.

    Ist denn alles nur ein Witz?
    „Der Protest ist doch zum Lachen,
    Wir woll’n nur eine Übung machen.
    Technik muss man ständig proben.
    Sonst klemmt das Fallbeil und bleibt oben.“

  • Heiligendamm bekommt wieder einen Schutzwall.

    Das hat schon Tradition
    in den neuen Ländern.
    Wird sich nie was ändern?
    Wer Angst hat, sperrt sich selber ein
    und behauptet frei zu sein.
    (Neue Gerechtigkeit durch mehr Freiheit 🙂 Popo Fallera,und Fallerie.)

    Unsre Kanzler-Frau, die stammt aus MV
    und macht nun zu Hause wieder eine Sause.
    Putin, Bush und Blair mit Frau Kanzeler
    tagen dort am Meer.

    Dass Polizisten Terroristen
    erst einmal erfinden müssten,
    hat das BKA beschlossen.
    Unverdrossen
    denkt sich Schäublerone
    diese Sache geht auch ohne
    hinderliche Richterschaft.
    Wozu gibt’s Vorbeugehaft?

    Wenn man Schweine grillt und Lamm,
    dann tagt G8 in Heiligendamm.

    Warum machen die
    es nicht wie Sarkozy?
    (der Leichtmatrose)
    G8 auf einem Flugzeugträger.
    Düsenjäger
    könnten Alles überwachen.
    Den Pöbel könnte man verlachen.

    Mir ist es einerlei.
    Ich bleibe auf stand-by.
    Und ist es auch nicht angenehm.
    recht freundlich grüßt der Polyphem.

  • hü hott !
    was mir auffällt beim lesen der polizei homepage:

    „Die Polizei sieht ihre Aufgabe darin, das Gipfeltreffen in Heiligendamm und die Teilnehmer des Gipfels zu schützen sowie friedliche Demonstrationen und Versammlungen zu gewährleisten. Jedoch bei gewalttätigen Ausschreitungen wird konsequent vorgegangen.“

    ist dieses „jedoch“.

    heute morgen freundlich aber nicht erfreut grüßt collecteur

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