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vonDetlef Guertler 11.08.2007

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Herbert Grönemeyer wusste nicht, wann ein Mann ein Mann ist, und Dieter Hundt möchte jetzt gesetzlich klären lassen, wann eine Gewerkschaft eine Gewerkschaft ist. „Der Streik einer Spartengewerkschaft für die von ihr vertretene Minderheit der Belegschaft muss per Gesetz für unverhältnismäßig und damit unzulässig erklärt werden, wenn bereits ein Tarifvertrag existiert, der alle Beschäftigten erfasst“, so der Arbeitgeberpräsident.

Gemeint ist natürlich die Gewerkschaft der Lokführer, deren Mitglieder bei der Bahn eine kleine Minderheit darstellen. Aber wenn man so jemand das Streikrecht einschränken will, muss man wohl auch gleich ein paar andere DGB-Gewerkschaften mit dazunehmen: die Lehrergewerkschaft GEW und die Gewerkschaft der Polizei sind ja wohl eindeutig auch Spartengewerkschaften, die eine Minderheit der öffentlich Bediensteten vertreten.

Und wenn man sich nicht so sehr an der Minderheit aufhängt, sondern an der Sparte, die dieser Unterform der Gewerkschaft ja den Namen gibt, so ist eigentlich die IG Metall auch nichts anderes: Ob Branche oder Sparte, wo ist denn da der Unterschied? Also wäre die Konsequenz doch wohl, dass man den deutschen Gewerkschaften überhaupt das Streickrecht einschränkt, es sei denn, sie würden sich als Einheitsgewerkschaft oder als weltanschauliche Gruppierungen organisieren. Gegen eine kommunistische Gewerkschaft kann man sagen, was man will, aber eine Spartengewerkschaft ist es ganz bestimmt nicht.

Allerdings wäre es wohl doch überinterpretiert, wollte man Dieter Hundt einen Aufruf zur Gründung parteinaher Gewerkschaften in den Mund legen.

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https://blogs.taz.de/wortistik/2007/08/11/spartengewerkschaft/

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kommentare

  • Also ich hatte das »Streickrecht« als Schüler bis etwa zur 8. Klasse ausgenutzt – danach ging’s mit der Rechtschreibung deutlich besser: Der Rechtschreibereformdis(s)kusion sei Dank!

    Und jetzt, Jahre später, finde ich »Streickrecht« wieder toll, zumindest wort(l)istisch gesehen: Wenn zu den 19 Treffern http://www.google.de/search?q=Streickrecht+&hl=de&start=10&sa=N noch ein weiterer Treffer aus dem Taz-Blog dazu kommt (19->20), dann bedeutet das eine Steigerung von über 5 %…

    Gruß aus dem Allgäu, W. Wilhelm

  • Dass Lehrer oder Polizisten streiken dürften, wäre mir neu. Vielleicht ist das also ein schlechtes Beispiel. Ihren Punkt aber verstehe ich natürlich. Die schlichte Tatsache, dass eine Gewerkschaft nur einen eingeschränkten Teil der Belegschaft vertritt, kann wohl schwerlich dazu dienen, diesen das Streikrecht einzuschränken.

  • Wie Dachs und Windspiel alle Hundt heißen?
    Die eigne Race aber unterscheidet
    Den schlauen Spürer, den getreuen Wächter,
    Den flücht’gen Jäger….

    aus Macbeath von W.Shakespeare, übersetzt von Friedrich Schiller
    (gering-fügig modifiziert).

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