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vonDetlef Guertler 29.11.2007

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Über dieses Wort ist Wortistik-Leser polyphem in der heutigen taz gestolpert (die Netzeitung übrigens auch), was mir dankenswerterweise die Möglichkeit gibt, über Mario Barth schreiben zu können, ohne wirklich über Mario Barth schreiben zu müssen (die Frage „Barth oder Nuhr?“ spaltet Deutschland so wie einst „Habermas oder Luhmann?“, wohingegen der Versuch aus These (Schmidt) und Antithese (Pocher) die Synthese (Schmidt+Pocher) zu machen, an der Allgemeinverwendbarkeit der dialektischen Methode zweifeln lässt, aber das ja nur nebenbei).

Erregungs-Pitbull jedenfalls nennt taz-Autor David Denk natürlich nicht etwa Mario Barth, sondern Henryk M. Broder (der uns leider immer noch nicht verraten hat, was Pradido bedeutet), der im Spiegel sehr ausführlich mit den Schultern zucken durfte, um uns das Phänomen Mario Barth nicht zu erklären. Nun ist Erregungs-Pitbull zwar ein reichlich dämliches Wort (weil der Pitbull ja etwas jagt oder zerbeißt, aber Broder bestimmt keine Erregung zerbeißt, sondern hervorruft, weshalb er eher Dummheits-Pitbull oder Antisemitismus-Pitbull genannt werden könnte, oder meinetwegen auch Erregungs-Katalysator, oder, weil Broder ja keine Chemikalie, sondern etwas Biologisches ist, eher Erregungs-Enzym, was aber wieder missverständlich wäre, schließlich ist Broder ja kein Viagra, aber auch das nur nebenbei), aber die Verwendung dieses Wort hat mich erst dazu gebracht, den Broder-Text zu lesen, und dabei eine wohl noch nie dagewesene Barth-Deutung zu finden.

Man nehme den drittletzten Absatz aus dem Broder-Text: „Wenn das, was Mario Barth macht, Unterhaltung ist, müsste ein Trabi das erfolgreichste Auto aller Zeiten sein. Und jeder Kuhfladen könnte darauf bestehen, zukünftig mit Pizza Margarita angeredet zu werden.“ Und jetzt ersetze man „Mario Barth“ durch „Paris Hilton“, und siehe da, der Satz geht genauso gut auf – es gibt so viele Dumpfbacken, die diese Person irgendwie wichtig finden, dass auch die, die sich selbst für Nichtdumpfbacken halten, nicht drumrum kommen, sich mit ihr zu beschäftigen.

Also kann man doch eigentlich sagen: Mario Barth ist die deutsche Paris Hilton!

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