vonDetlef Guertler 17.01.2008

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

Mehr über diesen Blog

Erstaunlich, wie lange sich die englische Schreibweise im Deutschen hält. Seit mindestens einem Jahrhundert ist das Zusammenbasteln eines Bildes aus vielen kleinen Einzelteilen in Deutschland bekannt, eine Generation nach der anderen schult damit Kombinationsgabe und Geduld, aber nie erwuchs dem Puzzle Konkurrenz durch deutsche Wörter. Eine frühe Verschwörung der Anglizismatiker?
In der Aussprache gibt es zumindest deutsche Varianten: Dem Englisch-Nachbau passl tritt pussel, aber auch puzzel zur Seite. Und das Verb hat sich eindeutig eingedeutscht: puzzlen geht gar nicht, nur puzzeln ist laut Duden erlaubt. Aber wir schreiben (und sprechen) ja auch googeln, nicht googlen.

Aus Google werden wir wohl nicht so schnell Googel machen können (ist ja ein Eigenname), aber könnte man nicht beim Puzzle nach einem Jahrhundert strikt englischer Schreibweise das Substantiv ans Verb und an die deutsche Aussprache angleichen, als das Puzzle ins Puzzel verwandeln? Was einige Leute da draußen ohnehin schon tun? Die Frage, ob der Dativ Plural dann Puzzels oder Puzzeln heißen müsste, wird von der Umstellung der Buchstabenfolge ja wohl nicht berührt.

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/wortistik/2008/01/17/puzzel/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • Vielleicht wird das Zusammensetzspiel unter anderem deswegen nicht »Pussel« geschrieben, weil ein ‹ss›, das kein /s/ ist, im Deutschen eher selten vorkommt (»Fussel«, »Schussel«). Das (norddeutsche?) Verb /puzeln/ ‘werkeln’ würde ich hingegen ohne Bedenken »pusseln« schreiben.

  • That’s a real puzzle. Auf Schweizerdeutsch gibt’s immerhin das „Zämesetzi“ („Zusammensetzspiel“). Ich mochte das Spiel schon als Kind nicht. Heute eröffnen meine eigenen Kinder mit Begeisterung das Puzzle, um es nach zwei gelegten Steinen grosszügig mir zu überlassen, den Rest zusammenzupuzzeln. Es gefällt mir nicht besser als damals. Unter welchem Begriff auch immer.

  • In der Schweiz hatte das Puzzle in meiner Jugend schon einen Konkurrenten: Zusammensetzspiel (ausgesprochen so etwas wie Zämesetzschpiili). Falls die Anglismenjäger einmal das Puzzel zum Wort des Monats bombardieren, hätte ich also bereits einen Vorschlag.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.