vonDetlef Guertler 18.01.2008

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Immerhin, schon auf Seite 27 von Wolf Schneiders neuem Buch „Speak German“ stieß ich auf ein brauchbares Neuwort. Natürlich nicht von Schneider selbst, sondern von dem US-amerikanischen Politik-Professor Dan Hamilton aus einem Artikel im San Francisco Chronicle vom 7. Juni 2006: „Deutsch ist im Wesentlichen eine Lego-Sprache. Man nehme einfach zwei Wortklötze wie Welt und Schmerz, verhake sie – und der ‹Weltschmerz› ist geboren.“

Ja! Legosprache ist ein großartiges Wort, insbesondere wenn es darum geht, Fremdsprachlern Vorzüge des Deutschen zu erklären. Lego kennen sie alle, und eine nettere Umschreibung für die Wortmonster, die wir jederzeit in beliebiger Länge bilden können, ist kaum denkbar. Außerdem ist Legosprache selbst ein Lego-Wort, das man auf Englisch auch nur in zwei Wörtern darstellen kann, eben als „lego language“.

Über den Rest des Schneider-Buchs von mir kein weiteres Wort, ich bin befangen: Erstens hege ich noch immer eine tiefe Verehrung für seine Leistung als Journalisten-Lehrer (ein selbst aufgestelltes Denkmal stößt man nicht um), und zweitens wird mein nächstes Buch ebenfalls bei Rowohlt erscheinen.

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https://blogs.taz.de/wortistik/2008/01/18/legosprache/

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kommentare

  • […] Nahmd, wer schon immer wissen wollte, wie man das Konzept der deutschen Sprache anderen erklärt, findet hier eine Anwort. Das man Worte im Deutschen so einfach zusammensteckt wie Legobausteine, ist doch eine schöne Veranschaulichung. Zumindest in der westlichen Welt kann man nun allen erklären, wie das mit dem “Deutsch” so funktioniert. […]

  • […] Aber während wir uns beim alleinstehenden fuel noch ganz gut mit jeweils zum Anlass passenden Wörtern behelfen können, stoßen wir bei den Wortzusammensetzungen, der eigentlich großen Stärke unserer Legosprache, auf massive Probleme. Was sich besonders krass bei “fuel poverty” zeigt. Obwohl wir Deutschen doch sonst für alle Armuts-Konzepte und sozialen Aufreger zu haben sind, haben wir diesen Ansatz noch immer nicht von den Briten importiert, obwohl die doch schon mindestens seit 2001 mit fuel poverty befasst sind und bereits den fünften Fuel-Poverty-Jahresbericht (PDF) veröffentlicht haben. […]

  • Und…?
    Was wusste der Sprach-Arroganz-Schneider denn zu der „Lego-Sprache“ zu sagen?

    Weil ich mir nicht so ganz klar, so nur in Um-Rissen bewusst war, habe ich bei wiki nachgeschleimt:

    „…’Lego‘ als Abkürzung für ‚leg godt‘, dänisch für ’spiel gut‘. [Erfinder] Christiansen hatte unter seinen Mitarbeitern für die Findung eines geeigneten Namens eine Flasche Brombeerwein ausgelobt, kam allerdings selber auf den Namen ‚Lego‘. Vermutungen, der Name sei vom lateinischen lego (ich lese, ich sammle) hergeleitet, sind falsch.“

    Soweit:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Lego

    Als Firmenname muss man’s auch LEGO schreiben.
    Also: LEGO

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