vonDetlef Guertler 29.02.2008

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Gestern das erste Mal eine e-Mail bekommen, in der jemand Fleyer geschrieben hat, wo er Flyer meinte. Und das sah zwar auf den ersten Blick ein bisschen ungewohnt aus – aber dafür viiieel besser: Flyer ist vom Schriftbild her nämlich einer der hässlichsten Importe aus dem Englischen. Ansonsten ist das Wort allerdings ganz brauchbar: Das deutsche „Flugblatt“ ist als Instrument politischer Propaganda belegt, der Handzettel ist ein bisschen klein, da ist für den Flyer eigentlich genug Platz, um dauerhaft einsetzbar zu sein. Aber dann bitte als Fleyer eingedeutscht.

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https://blogs.taz.de/wortistik/2008/02/29/fleyer/

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kommentare

  • Hallo lieber Schreiber über das Wort „Leporello“, Dieses ist kein italienisches Wort, es kommt aus der Sebelflugsprache. Früher wurden die Segelflugzeuge von einem alten PKW hochgezogen, statt mit der Winde.
    So wurde im Sprachgebrauch das Wort umgedreht, was so „Oller Opel“ heißt.

  • Wo wir so schön bei Wörtern sind: Was ist der Plural von Saison? Man hört ja öfter:“ Er spielt in der dritten Saison beim FCXX. “ Aber:“ Er spielt schon 3 Saisongen, Sesocken oder Saisönger oder wie oder was?“
    Gebt mir mal nen Tip.

    Herb

  • Interessant, interessant. Wenn eine Druckerei schon Druckerei nicht richtig schreiben kann, darf man (und Frau) sich nicht wundern, was sonst noch so geschrieben wird 🙂 Ein gutes Beispiel ist der Leporello, welcher nicht selten als Liporello verkauft wird..

  • Also ich finde diese Rechtschreibreformen absoluten Blödsinn. Wenn ich mir nur die letzten 50 Jahre anschaue. So viel hat sich verändert, vieles wird in „Denglisch“ geschrieben, Reform hü, Reform hott, nichts ist mehr falsch geschrieben und von den Kosten mal ganz zu schweigen. Denn durch die Reformen entstehen Kosten in Millionenhöhe, aber das bezahlt ja wunderbar der Steuerzahler.
    ALSO DU!!!!

    Aber wie gesagt in 50 Jahren hat sich sehr viel geändert. Weitere 50 Jahre und die in dieser lebenden Zeit sind dann mit der Übersetzung beschäftigt was 1949 geschrieben wurde. Das Schlimme daran ist…., jeder übersetzt es anders, bzw. interpretiert es anders, ähnlich wie bei der Bibel, die ja bekanntlich alter als 2 mal 50 Jahre ist.

    Ich persönlich finde das alles sehr schade, obwohl ich auch gut finde, dass wir es geschafft haben von der Keilschrift los zu kommen.

    Liebe Grüße…Liepe Grüsse….Lieb Gruesse…. oder wie auch immer….

  • Als Druckrei liest man so einiges, wenn der Tag lang ist. Darunter Fleyer genauso wie Fleier, etc. Schon witzig, was alles möglich ist 🙂

    Liebe Grüße…

  • Ein Kunde von mir schreibt auch immer Fleyer statt Flyer.
    Ich stolpere jedesmal darüber, denn ausgesprochen
    klingt das in meinen Ohren wie Fl-eh-i-er, also ein rechtes Ge-Eier-e…
    Wenn schon unbedingt eindeutschen, dann bitte Flajer oder so.
    Aber manche Worte sind einfach unkuhl wenn man sie eindeutscht.
    Wer will, kann ja Faltprospekt oder Leporello (zumindest für Zickzack-Falz)
    sagen – ist aber nun wieder ein italienisches Wort!

  • Fleyer – oweia!

    … mhm – warum sei das „ey“ eine „feynere“ deutsche Schreibweise..?

    Nur im Mhd. ist „weyse“ u. a. vertreten – oder in Eigennamen, die den alten Bestand festhalten: Meyer oder vielleicht Fleyer-Druckverzögerungsanmahnungsazubi.

    Papierfabriken und Druckereien lassen es schon lange „fleyern“:

    http://www.laser-line.de/postkarten/fleyer.htm

    Aber, nun:

    Aus der deutschen Sprachgeschichte kennen wir: Flugblatt. Fliegendes Blatt. Flugschrift. Wurfblatt. Handzettel.

    Neu, noch unverbraucht, sind: „Faltblatt“. „Beipackzettel“; und viele Zusammensetzungen mit -Broschüre oder –prospekt. Werbeprospekt z.B.

    Ja, Prospekt (mit engl. ‚prospect‘ aus lat. ‚prospectus‘) hieß Aussicht, Fernsicht.

    Aber – in der Übertragen auf “Zukünftiges“ konnte es schon früh verlocken bzw. verzocken: „Das Ehbett im Prospekt macht kluge Mädchen spröde. (ALXINGER: Bliomb. 6, 7).
    Und dat Prospektle war nicht gedruckt, aber vielleicht mit dem Hauskreuz in der Hand versprochen.

  • Bisher war Wortistik für mich ein „Klugblatt“. Das soll doch so bleiben. Es mag ja Wörter geben, die durch unsachgemäßen Gebrauch „verdorben“ sind. Aber wer wegen 1968 ein Problem mit „Flugblatt“ hat, macht mich lachen. Flugblatt assoziiert bei mir z.B. „Weiße Rose.“

  • Gefaltet ist es jedenfalls kein Flyer, sondern ein Folder, ich bevorzuge den Begriff „Faltblatt“.

    Geheftet wäre es ein „Heft“. Man könnte gegebenenfalls auch Broschüre sagen.

  • Warum denn immer diese Angst vor Wörtern, die von anderen Zusammenhängen besetzt seien? Je öfter man ein Flugblatt einfach Flugblatt nennt, desto geringer wird doch der Bedeutungsballast. Kein Wort der Welt IST besetzt. Wir besetzen sie … oder eben nicht.

    (Wobei ich die Vorstellung auch nicht ganz unlustig finde, daß wir uns alle irgendwann nur noch in Rätseln unterhalten, weil die einfachen Wörter alle so unschön … belegt sind.)

  • Im Zweifelsfall finde ich Fleier dann als rechtschreibeingedeutschte Variante aber besser und konsequenter als Fleyer. Wobei ich Flyer keinesfalls als einen der „hässlichsten Importe aus dem Englischen“ empfinde. Im Gegenteil eher als angenehm ungewohnt. Schaut man am Wort etwas seitlich dran vorbei, dann könnte es auch aus dem Mittelhochdeutschen („so soll es seyn“) oder dem schwyzerisch-alemannischen Stammen. Deswegen: Flyer beibehalten.
    Und Flugblatt geht tatsächlich nicht. Das Wort riecht zu sehr nach subversiven WG-Debatten und konsumkritischen Pamphleten. Und da Flyer meistens Konsumaufforderungen darstellen, würden da Bedeutung und Bedeutungsschatten auseinanderklaffen.

  • @fre sta:
    In der Mail, von der ich oben sprach, bezog sich Fleyer auf eine kurze Unternehmenspräsentation, zwei Seiten DIN A 4, kleingefaltet. So etwas kann man seit 1968 auf deutsch nicht mehr Flugblatt nennen. Ein Prospekt ist es auch nicht, ein Handzettel auch nicht – haben Sie dafür einen besseren Vorschlag als Fleyer, Fleier oder Flyer? Sie dürfen ihn dann auch gerne in weniger vulgärem Deutsch präsentieren.

  • Schwatz keinen Mist: Flyer und Fleyer ist dumm-cooles Nachgeplapper; Flugblatt hingegen ist ein gutes und schönes Wort

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