vonDetlef Guertler 30.05.2008

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Robert Basic hat es vorgeschlagen, Peter Turi verwendet es auch (und der eine oder andere war auch vorher schon drauf gekommen), und tatsächlich schreit die aktuelle Abhöraffäre geradezu danach, als Stasikom-Affäre in die Geschichte einzugehen: Wenn Ex-Stasi-Mitarbeiter für den rosa Riesen Journalisten und Aufsichtsräten nachschnüffeln, passt Stasikom allemal besser als das um drei Ecken gedachte Telekomgate.

By the way: Zu den früheren Stasi-Methoden gehörte ja nicht nur das Abhören und Ausspionieren, sondern auch die gezielte Desinformation: „Dokumente“ fälschen und dann über befreundete Medien so lancieren, dass die Öffentlichkeit auf falsche Fährten gebracht wird. Belegt wurde das beispielsweise für Material gegen den „KZ-Baumeister“ Heinrich Lübke.

Da der Wortist in der fraglichen Zeit (2000) maßgeblich an der Enthüllung der milliardenteuren Falschbewertung von Telekom-Immobilien beteiligt war (in der Zeitschrift Telebörse, Friede ihrer Asche), und da er sich damals sehr darüber wunderte, welche ziemlich hanebüchenen „Exklusiv“-Informationen über die Telekom von „investigativen“ Journalisten veröffentlicht wurden, lag, und liegt, der Verdacht ziemlich nahe, dass diese Journalisten mit deren Wissen (also bestochen) oder ohne (also belogen) auf falsche Fährten geführt worden waren.

Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass diejenigen Medien, die sich jetzt an die Spitze der Empörungswoge gesetzt haben, gerade NICHT diejenigen sein werden, die sich um die Aufklärung dieser Desinformationskampagne kümmern…

Nachtrag, 7. Juni 2008:

Nachdem in der FTD am 4. Juni ein Artikel erschien, der auf dieser Zeitung (und dem Spiegel und vielleicht noch weiteren Redaktionen) zugespielten Kontoauszügen von mir beruhte, wurde ich mehrfach gefragt, ob ich bei Abfassung dieses Beitrags hätte angeben müssen oder sollen, dass ich selbst ebenfalls für das Unternehmen Control Risks tätig war. Dazu folgende Anmerkungen:

1. Wenn man einen Kunden (von dem nicht allgemein bekannt ist, dass man für ihn tätig ist) über den grünen Klee lobt, ist man m.E. verpflichtet, diese Kundenbeziehung offen zu legen. Wenn man einen solchen Kunden kritisiert (wie hier geschehen), ist das m.E. nicht notwendig.

2. Das Unternehmen Control Risks, für das ich in den vergangenen Jahren mehrfach projektweise tätig war, hat mit dem Unternehmen Control Risks, das im Jahr 2000 im Auftrag der Telekom tätig war, personell und inhaltlich nichts zu tun. Alle Personen, die an den Maßnahmen im Auftrag der Telekom beteiligt waren, hatten zu jener Zeit, als ich mit Control Risks in Kontakt trat, das Unternehmen längst verlassen. Auch die Methoden, die damals im Auftrag der Telekom angewendet wurden, sind mir im Rahmen meiner Tätigkeit bei Control Risks niemals begegnet.

3. Was mich derzeit in diesem Zusammenhang am meisten interessiert ist die Frage, wer sich in den Jahren 2004 und/oder 2005 Zugang zu meinem Konto verschafft hat, und warum; und wer die damals geklauten Kontoauszüge jetzt verschiedenen Redaktionen zugespielt hat, und warum. Natürlich werde ich mit allen Mitteln (selbstverständlich nur allen legalen Mitteln) versuchen, diesen Täter sowie seine Auftraggeber zu ermitteln und zur Verantwortung zu ziehen.
4. Was den Fall und den Begriff Stasikom angeht, habe ich meinen Ausführungen von oben derzeit nichts hinzuzufügen.

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https://blogs.taz.de/wortistik/2008/05/30/stasikom/

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kommentare

  • […] schreibt der Spiegel (24/2008) in seinem Artikel “Nicht nur die Deutsche Telekom bediente sich der Boombranche privater Schnüffler” und erwähnt seine Publikationsorte Handelsblatt und taz. Üblich ist, den Vornamen bei nicht-identifizierender Berichterstattung zu ändern, er ist ja ohnehin nur ein Platzhalter. Über Fehlverhalten von Leuten in öffentlicher Verantwortung muss man auch öffentlich sprechen – es halb verschämt zu tun und sie damit doch zu einer Stellungnahme zu nötigen ist nicht wirklich pfiffig. […]

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