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vonDetlef Guertler 03.02.2009

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Die Macher der Rubrik „Das Kapital“ in der Financial Times Deutschland wurden hier schon mehrfach so hoch gelobt, dass wir hier geradezu den Eindruck haben, dass uns jetzt erstmals ein Ball zurückgespielt wurde. Und zwar mit folgendem Satz:

Mit Blick auf das Amüsement der britischen Finanzpresse über den Umstand, dass die Deutschen partout kein eigenes Wort für diese Schrottbank finden, hier daher ein Vorschlag: Bank für angelsächsischen Kredit.

Es geht, natürlich, um die Bad Bank, und es geht, natürlich, so nicht, werte Kollegen: Das mag zwar inhaltlich ziemlich richtig sein, aber „Bank für angelsächsischen Kredit“ ist als Wort schlicht unbrauchbar. Nun ist zwar „Kreditanstalt für Wiederaufbau“ auch nicht viel besser, aber das ist lange her, und solange es noch darum geht, über das Für und Wider einer solchen Bad Bank zu debattieren, muss etwas knackigeres her.

Was gibt es denn da schon im Angebot?

Schrottbank, wie von den „Kapital“-Kollegen selbst verwendet, geht natürlich nicht, weil dieser Begriff derzeit auf so ziemlich jede Bank diesseits des Andromeda-Nebels passt.

Abbaubank, hat der HSH-Nordbank-Chef Jens Nonnenmacher vorgeschlagen. Schon besser. Da könnte man beispielsweise die Schrott-Abteilungen der KfW als Ausgangsbasis nehmen, vom Rest der Bank abtrennen, in „Kreditanstalt für Wiederabbau“ (KfA) umbenennen und allen Dreck obendraufpacken. Hätte auf jeden Fall den Vorteil, dass niemand mehr so genau beurteilen könnte, was aus dem Riesen-Rad geworden ist, das die KfW selbst im Verbriefungsgeschäft gedreht hat.

Verwertungsbank, hat die BWL-Studentin Bettina Semler in ihrer Diplomarbeit die Bankaktiengesellschaft Hamm genannt, die erfahrenste deutsche Bad Bank, die für den gesamten Sektor der Genossenschaftsbanken die Drecksarbeit macht. Und schon im Titel dieser Arbeit taucht eine weitere Benennungsmöglichkeit auf. Die Arbeit heißt nämlich „Darstellung der Möglichkeiten einer Workout-Abteilung für notleidende Kredite“ – und Workout-Bank wäre doch ein echt geiler Name für eine Problemkreditabwicklungsbehörde.

Mein Liebling wäre hingegen die „Deutsche Treuhandbank“. Denn so wie 1990 bis 1994 die Treuhandanstalt ein Volksvermögen abwickelte, dass anfangs noch irgendwie positiv schien, sich aber schon bald als zwölfstellig negativ entpuppte, könnte man nun auch ein Wertpapiervermögen abwickeln, das in ähnlicher Größenordnung ins Minus rauscht. Die Treuhand-Lösung hätte auch den Charme, dass man zumindest potenziell den angerichteten Schaden wieder den Verursacherbanken zuschreiben könnte – man arbeitet ja nur in deren Namen ab.

Was, da war noch kein Vorschlag für Sie dabei? Dann passt doch bestimmt der Name der Blog-Rubrik, unter der dieser Text als 99. Eintrag registriert ist: Krankbank.

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kommentare

  • Als Mitarbeiterin der Erich-Kästner-Werkausgabe von 1998 habe ich mit umfangreichen Recherchen versucht, alle dort abgedruckten Gedichte im Erstdruck nachzuweisen. Die meisten Texte, die wie das Gedicht „Hymnus auf die Bankiers“ 1929 in den Sammelband „Herz auf Taille“ aufgenommen wurden, waren zuvor in diversen Zeitungen oder Zeitschriften erschienen. Dieses Gedicht habe ich aber in keiner Zeitung oder Zeitschrift der Zeit gefunden, so dass ich sehr interessiert wäre, wo genau A.S. Reyntjes dieses Gedicht im Erstdruck gefunden hat. Dann könnte man eventuell genauer sagen, auf welche aktuelle wirtschaftliche Situation Kästner sich im Gedicht bezieht.

  • Bonusbank.

    Das käme der Aufgabe solcher Baken zumindest recht nahe: Die Boni der Manager wieder gesellschaftsfähig zu machen.

    Oder auch „Bank für die Rettung deutscher Leistungsträger“. Kurz: BfdRdL. Im Volksmund dann FDP-Bank genannt.

  • Für alle Feierlichkeiten, ob zur Einweihung oder zur Auskehr:

    Ein Hochgesang auf, für und in einem solchen GGB-Haus –
    ein Kästner-Gedicht:

    „Hymnus auf die Bankiers“

    http://www.hausderdeutschensprache.eu/index.php?option=com_content&task=view&id=102&Itemid=84

    In diesem angezeigten Abdruck fehlt dem „Hymnus auf die Bankiers“ aber eine Original- Anmerkung Kästners:
    „Die Konsumenten sind die linke Hand des gesellschaftlichen Organismus, die Produzenten sind die rechte Hand. Die Bankiers sind die Heimlichkeiten zwischen den beiden. “

    *

    Nach der philologisch besten Kästner-Ausgabe (von Harald Hartung und Nicola Brinkmann. Hanser Verlg 1998. Werke Bd. I. „Zeitgenossen, haufenweise. Gedichte“) ist der Erstdruck des Gedichts nicht nachgewiesen; es ist aber im Jahre 1929 verfasst worden.

    P.S.:
    GGB? – Geld-Gesund-Brunnen (Verdeutschung der Krankbank)

  • Wie so viele neurotische Bezeichnungen der neueren BWL-Sprache, müsste auch jede Krank-Bank ‚Geld-Gesund-Brunnen‘ heißen.

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