vonDetlef Guertler 06.05.2009

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Ich habe dieses Wort erstmals in der heutigen FTD gelesen, wo damit das bezeichnet wurde, was man früher Überland- oder Hochspannungsleitung nannte. Aber offenbar wird das Wort Stromautobahn seit etwa drei Jahren immer häufiger verwendet, und auch immer häufiger ohne die anfangs gerne hinzugefügten Anführungszeichen. Der älteste Beleg, den die Google-Archivsuche findet, stammt übrigens aus einer Überschrift der Stuttgarter Zeitung vom 2. Juli 1997.

Ich finde Stromautobahn gut. Da ist sofort klar, dass es sich um dicke Kabel für jede Menge Strom handelt, der ganz weit weg transportiert wird. Überlandleitung klingt im Vergleich dazu miefig, und Hochspannungsleitung zu technisch. Möge also die Stromautobahn sich durchsetzen.

Und wenn man schon dabei ist, kann man doch auch andere Infrastrukturnetze autobahnisieren. Dann könnten die Sprachschützer endlich den Anglizismus Pipeline entsorgen, und nur noch von Öl- oder Gasautobahn sprechen.

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https://blogs.taz.de/wortistik/2009/05/06/stromautobahn/

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kommentare

  • Wenn man mal Strom als Synonym zu Elektrizität und nicht als substantiviertes „strömen“ betrachtet, könnte ich mich noch mit Strombahn gerade noch abfinden. Aber wie weiter unten schon gesagt, hat das Auto (αυτο-) vom Griechischen „selbst“ nichts zu suchen. Das vollständige Wort für unser Auto kommt vom Griechischen αυτοκίνητο (das sich von allein Bewegende bzw. Fortbewegende). Vielleicht wäre Stromleitung oder Überlandleitung wirklich besser geeignet.

  • Wer von „jede Menge Strom“ schreibt, hat offensichtlich von Elektrotechnik keine Ahnung. Dann ist es auch kein Wunder, dass er nicht erkennt, wie unsinnig das Wort „Stromautobahn“ ist.

  • Ja, lieber polyphem:

    „πάντα ῥεῖ …“, heißt ja auch nicht: „Αυτο λαΰφτ κάι λαΰφτ κάι λαΰφτ“.

    Fortschrittsexempel:
    Die verbale Einvernahme von Kraftfahrzeueg, Energie (Gast, Strom…), Daten und Ideen und Wörtern warf den homo audax verborum nicht aus der Bahn.

  • Mal wieder: “panta rei. – Alles fließt. ” (Heraklit)
    Auch der Strom.

    – Außer auf der Autobahn.
    Schnellen Verkehr
    gibt`s dort schon lang nicht mehr

  • Ergänzung, soz. fließend: Das Neue ist schon immer das Alte:

    „Strom“ war sprachgeschichtlich , bevor es Elektrizität gab, immer die Bahn, der Weg, den der Strom (der Fluss) in seinem Bett beschreibt, und zugleich der Raum, den das fließende Wasser einnimmt.

    „Strom“ (+) „-bahn“ ist also streng genommen ein Pleonasmus.

  • @ bschl

    Da hätten wir die Elektroauto-Bahn -(übrigens nur scheinbar nach den Prinzip der „späten Geburt“, vielmehr nach den Ideen der Ökotechniker der letzten zwanzig Jahre).

  • *lach*

    Ich verstehe unter „Stromautobahn“ die Autobahn, die Stromautos vorbehalten ist.

    Jaaaa, gut! Die gibt’s vielleicht noch nicht. Aber: Stromauto-Bahn ist viel naheliegender als Strom-Autobahn. Was hat in letzterem Begriff das „Auto“ zu suchen?!

  • In Wolf Haas‘ Roman „Das Wetter vor fünfzehn Jahren“ spielt eine „Stromautobahn“ eine große Rolle. Ich glaube, das ist einfach das österreichische Wort.

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