vonDetlef Guertler 10.05.2009

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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„Insgesamt 22 Auftritte hatte die omnipatente Familienministerin Ursula von der Leyen seit November 2005 in TV-Talkshows“, schreibt uns Peter Turi heute morgen. Und schenkt uns damit ein wunderhübsches Wort zum Muttertag. Denn omnipatent ist nicht nur inhaltlich präziser als „allgegenwärtig“, und nicht nur moderner als „Hansdampf in allen Gassen“, und nicht nur eleganter als „multifunktional einsetzbar“, nein, omnipatent ist geradezu die Leiteigenschaft jener Millionen von Menschen, die alles auf einmal und gleichzeitig können müssen, die dabei nie die Nerven verlieren dürfen und immer ein freundliches Wort auf den Lippen haben müssen – der Mütter also.

Steckt darin nicht eigentlich der ganz tiefe, geradezu genetisch-urwüchsige Unterschied zwischen den Geschlechtern? Des Mannes Streben nach Macht, Ruhm, und dem ganz großen Mammut, und jenem der Frau, in jeder Situation den Laden und die Sippe am Laufen zu halten? Hie das Ideal der Omnipotenz, da jenes der Omnipatenz. Ist jener sagenumwobene kleine Unterschied zwischen Frau und Mann nicht mehr als der zwischen einem kleinen a und einem kleinen o?

Hätte ich nicht gerade ein Buch fahnenzukorrigieren, das nächste zu schreiben und das übernächste zu konzipieren, ich könnte glatt ein Buch über Omnipa- und Omnipotenz schreiben – vielleicht mag ja jemand anderes. Peter Turi zum Beispiel?

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kommentare

  • Ich bitt‘ Sie, Kollege: Ich bin einfacher Blogger, zweifacher Chefredakteur, dreifacher Vater, vierfacher Kolumnist und finde trotzdem immer wieder ein Plätzchen für ein Büchlein…

  • Puh, danke für die Blumen!

    Das mit dem Buch schreiben wird schwierig: Als patenter Vater muss ich zwei Blogs bekochen und drei Kinder befüllen – wann soll da bitte Zeit sein für ein Buch?

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