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vonDetlef Guertler 12.05.2009

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Wird jemand als „ultraliberal“ bezeichnet, wie es Nicolas Sarkozy gelegentlich passierte, so sagt das weniger über dessen eigenen Standpunkt aus als vielmehr etwas über den des Bezeichnenden. Der ist nämlich konservativ oder sozialistisch oder sonst etwas, aber ganz bestimmt nicht liberal – ihm passt die ganze Richtung nicht, und deshalb haut er drauf. So ähnlich wie einst der auch wenig erfolgreiche Versuch der DDR, die „Bonner Ultras“ als Kriegstreiber zu diffamieren.

Doch wenn einem die Richtung irgendwie schon passt, aber trotzdem übertrieben vorkommt, dann darf man es mit jenem Adjektiv versuchen, das der Schweizer Club-Betreiber Carl Hirschmann verwendete, nachdem er mal ausprobierte, wie sich die Mai-Krawalle in Zürich so anfühlen und prompt eine Ladung Gummischrot ins Gesicht bekam: „Ich vertrete die Meinung, dass unser ‹überliberales› Kapitalismussystem langfristig zum Aufstand der Arbeitskräfte führt. Schlimmstenfalls auch zur Revolution.“

Das wäre nun in der Tat für die Schweiz eine ganz neue Erfahrung. Aber solange es dort auch noch überkonservative Kantone wie Appenzell-Innerrhoden gibt, wird das Gleichgewicht der Übers die Revolution wohl doch verhindern.

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