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vonDetlef Guertler 21.05.2009

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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Es gibt unzählige von Etiketten, die man Eminem aufkleben kann und aufgeklebt hat. Seit dieser Woche gibt es ein neues: Skandalclown. So wurde er nämlich in einem Vorspann bei Spiegel Online bezeichnet: „Er war der Megastar und Skandalclown des HipHop, dann tauchte er ab. Doch jetzt ist Eminem zurück – provokativer denn je.“

Eminem – ein Clown???? Bisher gab es nur einen, der als Skandalclown bezeichnet wurde, nämlich Christoph Schlingensief (erstmals in der Zeit Anfang 2006), und zu dem passt dieses Etikett in der Tat. Aber zu Eminem?

Das Skandalclown-Etikett steht wohlgemerkt nicht im eigentlichen Text des Spiegel-Gesprächs mit Eminem (in dem es vorwiegend um Drogensucht, Schreibblockaden und Gewalt geht) auch nicht dort im Vorspann (für den möglicherweise ein echter Kulturredakteur verantwortlich zeichnet), sondern in jenem Anreißer-Text, der für das Interview auf Home- und anderen Pages wirbt, und dort mutmaßlich von einem absoluten Eminem-Nichtkenner fabriziert wurde.

Trotzdem muss der irgendwie auf den Clown gekommen sein. Meine Vermutung geht zurück auf einen viereinhalb Jahre alten Spiegel-Online-Text über Eminem, bei dem ebenfalls das Wort Clown auftauchte, und zwar in einem Bildtext – zu einem Bild, das ihn mit einer Kettensäge und einer weißen Hannibal-Lecter-Maske zeigt, die beim flüchtigen Hinschauen an eine Pierrot-Maske erinnert. Dabei auf „Clown“ zu kommen, ist entweder extremely sophisticated oder hirnamputiert. Ich tippe auf Letzteres, wer hält dagegen?

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https://blogs.taz.de/wortistik/2009/05/21/skandalclown/

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kommentare

  • Sehr gut beobachtet. Ich stimme ebenfalls für hirnamputiert.

    Ich stelle mir das gerade für die Blogosphäre vor, wenn für Blogposts Titel und Anreißertext im RSS-Feed nicht von Bloggerin oder Blogger geschrieben würden, sondern von Menschen, die nur marginale oder gar keine Ahnung davon haben, worum es eigentlich geht. Sollen wir da nachziehen, um mit dem Qualitätsjournalismus auf Augenhöhe zu stehen? Hmmm, laßt mich überlegen … nein.

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