https://blogs.taz.de/wortistik/files/2018/01/Bildschirmfoto-2018-01-17-um-19.11.19.png

vonDetlef Guertler 24.05.2009

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

Mehr über diesen Blog

Von Christian Dombrowski:

Warum wünscht man sich „Gesundheit!“, wenn einer niest, sagt aber keinen Ton, wenn einer hustet? Obgleich Husten, medizinisch betrachtet, zu durchaus größeren Sorgen Anlass bietet als Niesen?

Vermutlich, weil Niesen jäh an die Ohren schlägt. Das Überraschungsmoment ist stärker.

Husten kündigt sich umständlich-langwierig an, während das Niesen einem rapiden kleinen Überfall gleicht, der die Mitwelt heimsucht. Nur aus diesem Grund fühlt man sich überhaupt genötigt zu reagieren, fürchte ich. Das Wort „Gesundheit!“ ist kein dringlicher Wunsch, eher eine Art Abwehrzauber – eine sinnleere Äußerung, willkürlich aus der Luft gegriffen.

Eigentlich täte es IRGEND ein Wort.

Da gibt es nun in Sichtweite der griechischen Stadt Nauplion die kleine Insel Burzi (häufig auch „Bourtzi“ transkribiert). Sie liegt mitten in der Hafeneinfahrt und zeigt, zum Greifen nah, eine venetianische Festung. Die Insel ist grade einmal so groß wie die Festung – viel mehr Platz ist da auch nicht – und wäre nicht weiter bemerkenswert, trüge sie nicht diesen lustigen Namen.

„Burzi“ – klingt das nicht unwiderstehlich?!

Warum könnte nicht der Name dieses Inselchens die übliche Entgegnung auf ein urknallartiges Niesen werden? Nur zu! „Burzi!“ ist kürzer als „Gesundheit!“ und bildet überdies das Niesgeräusch lautmalerisch wenigstens ebenso gut ab wie das läppische „hatschi“.

Sagen wir künftig also getrost „burzi“, wenn’s niest!

„Burzi!“ = sinnfreie Entgegnung auf ein plötzliches Niesen (ggfs. Husten); vormals: „Gesundheit!“

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/wortistik/2009/05/24/burzi/

aktuell auf taz.de

kommentare

  • „Furor“ – in den „mann“ sich steigert – ist für jeden, der Latein und folgliches Deutsch kann, eindeutig kein „burzi“. Dass ist dumm-doofi!

    Ja, meine Sprache verwende ich in meiner eigenen Art und Historie, über die i c h Auskunft geben könnte, wenn ich will. – Kaumest! –

    Darüber lass‘ ich nicht rechten oder richten, deuten oder deuteln, damen oder dämeln; wenn Z w e i sich dicke tun, denen es an Sprachwissenschaft fehlt…

    Cliickbar:

    http://kommentare.zeit.de/user/kometa/beitrag/2009/05/26/meine-iw%C3%B6rter

  • @C.D. Herr natürlich. Ob sich eine Frau in einen solchen Furor wegen des Wortes Burzi steigern könnte?
    @ASR: Besonders interessant finde ich die adjektivische Verwendung von „kaum“ in „Eine kaume Alternative“. Ich habe schon überlegt, ob ich das als Neuwort aufnehmen soll – selbst ausgedacht?

  • Das sind ja bunt-gebildete Assoziationen, die das kleine Neuwort bei Ihnen hervorruft, Frau – Herr? – Reyntjes!

    Unter uns: So gelehrt hatte ich’s gar nicht gemeint.

  • „Burzi!“ – Na, „nicht unwiderstehlich“ – eher: widersprechlich: ein Fehlwort:
    „Burzi!“ wäre ein Interjektion (oder ein verkümmerter Imperativ) von burzeln (was nicht sinnleer ist, aber vergessen wurde):

    BURZ, m. (lat.: lapsus subitu);, s. burzeln:

    Die Gottlosen zur hellen Sturz
    müssen abplumpen in eim Burz. (MELISSUS)

    Also : der BURZ (als lapsus subitus) vom Verb burzeln:

    Burzeln, bürzelen (lat.: procidere, praecipitem ferri) = unordentlich über Hals und Kopf niederstürzen:

    “… und warf mich an ein Sterz,
    das mich dunkt, wie es mich noch Smerz,
    das ich uber und uber purzelet in das Kot.
    (Fastnachtsspiel. 15. Jh.; 48, 11)
    *

    Warum nicht „Furz!“ Oder „Furzi!“ oder „Knarrz(i)!“ – da wäre noch im Deutschen Sinn assoziieren?

    *
    Ein kaume Alternative…?
    „Na, grimm (dich)! – Da steht alles drimm!“

    **

    Aber, wer nicht persönliche Empathie zeigen will oder kann, sollte bei unwillentlichen, allergischen, missempfundenen oder peinlichen Körpergeräuschen (und „pupsen“ oder „bauch-grimmeln“ gehört da auch noch zu…), vielleicht nur mimisch, also unwortistisch reagieren, wenn die Nähe zum Geräuschler es ermöglicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.