vonDetlef Guertler 07.06.2009

Wortistik

Neue Zeiten brauchen neue Wörter. Doch wer trennt die Spreu vom Weizen? Detlef Gürtler betätigt sich als Wortwart der Nation.

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von Christian Dombrowski:

Viele glauben ja an Freitag, den 13., den Tag der Missgeschicke. Warum gibt es zu ihm kein Gegenstück – keinen Gegenaberglauben? Höchste Zeit, einen Tag einzuführen, an dem alles glückt, alles gelingt! An dem sich spielerisch alles zum Besten fügt. Ich schlage Sonntag, den Siebenten, dafür vor – einen Tag wie heute.
Man muss eben dran glauben. Sieben, die Glückszahl, ist ohnehin lang etabliert. Sie sticht unter den Zahlen ebenso hervor wie der Sonntag unter den Tagen. Denn an einem Sonntag war die Schöpfung der Welt vollendet, das Paradies eröffnet, Adam und Eva traten fröhlich aufeinander zu, von grunzenden Glücksschweinchen begleitet. Ich kenne zwar keine Bibelstelle, die das genau belegt, das mit den Schweinchen, aber ich will dran glauben.
Lieber Leser, seien Sie gewiss: Heute ist Ihr Tag! Sie sind ein Glückpilz. Heute ist Sonntag, der Siebte. Wenn Sie vors Haus treten, werden Sie ein Hufeisen finden, ganz bestimmt. Marienkäfer werden Sie umsummen. Eine anmutige Schornsteinfegerin wird Ihnen begegnen und Ihnen ein vierblättriges Kleeblatt überreichen.
Glauben Sie dran!

Gegenaberglaube = ein aus einem bestimmten Aberglauben entwickelter Gegenglaube mit umgekehrten Vorzeichen

Sonntag, der Sieb(en)te = ein Tag, an dem alles gelingt; Gegenaberglaube zu Freitag, dem Dreizehnten

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https://blogs.taz.de/wortistik/2009/06/07/gegenaberglaube/

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kommentare

  • Ab sofort bin ich gegenabergläubisch! Aberglaube ist eh Unsinn – und bringt obendrein Unglück …

  • „gegen“ – vielleicht kündigt sich hier ein Trend an: „Das scheint gegenintuitiv, ist jedoch leicht erklärbar…“ (Wolfgang Lieb heute auf den „NachDenkSeiten“).

  • Nach Burzi nun schon das zweite sinnvolle Lebensupgrade aus ihrer Feder, das ich mitbekommen habe, seitdem ich ihr Blog lese. Toll!

  • Parallel zu dieser Erkenntnis von Mark Twain:

    … Für Börsenspekulationen ist der Februar einer der gefährlichsten Monate. Die anderen sind Juli, Januar, September, April, November, Mai, März, Juni, Dezember, August und Oktober…

    … möchte ich die Vollglückswoche reklamieren. (Ein negativer Begriff -wie „Gegenaberglaube“ – kann kaum positive Erwartungen und klirrend-klingende Glückshormone bilden.

    Vorschlag…?

    Kirchso. Vögelmo. Zockdie. Saufmitt. Koksdonn. Schwiegermutterfrei. Fußballsams. – Eben die voll-finale Glückswoche mit täglichem medialem Vollzutreffer..

    Oder, anders, nämlich poetisch ausgedrückt:

    „Drum meide jeder Frist den Fehltritt! Denn du bist
    nie sicher, ob dein Unglücks- oder Glückstag ist.“
    (Friedrich Rückert. 1867)

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